Joe Louis hat sowohl sportlich als auch menschlich Maßstäbe gesetzt und sich in einer Ära des Rassenhasses zum Vorreiter der schwarzen Unabhängigkeitsbewegung in den USA aufgeschwungen. Unvergessen sind seine Kämpfe gegen die deutsche Box-Legende Max Schmeling. sportal.de erinnert an einen der besten Boxer aller Zeiten.
Als siebtes von acht Kindern erblickte Joseph Louis Barrow am 13. Mai 1914 auf einer Baumwollplantage in Alabama das Licht der Welt. Angesichts der ärmlichen Verhältnisse, in denen er aufwuchs, war seine Kindheit von Entbehrungen geprägt, die Schulbildung nur mangelhaft. Dennoch verleugnete er nie seine bescheidene Herkunft und stand zu seinen Wurzeln.
Später zog die Familie nach Detroit, wo Louis zeitweise in der Fabrik des Autokonzerns Ford arbeitete. Zudem lernte er an einer Berufsfachschule das Tischlerhandwerk und begann das Geigespielen. Was ihn jedoch mehr faszinierte, war das Boxen und so begann er seine Amateur-Karriere im Alter von 17 Jahren zunächst als Halbschwergewichtler.
Die Anfänge
Einige Quellen besagen im Übrigen, dass Louis seinen Vornamen vor einem Kampf aufgrund mangelnder Fähigkeiten so groß schrieb, dass kein Platz mehr für seinen Nachnamen Barrow blieb und er als Joe Louis bekannt werden sollte. Andere (wahrscheinlichere) Quellen wiederum sprechen davon, dass Louis bewusst seinen Nachnamen wegließ, um seine Box-Leidenschaft vor seiner Mutter, die ihn später aber leidenschaftlich unterstützte, zu verheimlichen.
Seinen ersten Kampf Anfang 1932 verlor Louis gegen Johnny Miller, nachdem er drei Mal zu Boden gegangen war. Louis ließ sich von seinem misslungenen Debüt jedoch nicht entmutigen und sollte für seine Hartnäckigkeit belohnt werden. Er gewann in der Folgezeit zahlreiche Fights und 1934 den Titel der National Amateur Athletic Union.
Von den 54 Kämpfen seiner Amateurlaufbahn gewann er 50, 43 davon durch K.o. Louis brillierte insbesondere durch einen enormen Punch, gepaart mit seiner Fähigkeit, blitzschnelle Kombinationen zu schlagen und einen exzellenten linken Jab. Die Beinarbeit zählte dagegen nicht zu seinen Stärken.
Das Profidebüt
Die beiden ebenfalls dunkelhäutigen Promoter John Roxborough und Julian Black nahmen Louis fortan unter ihre Fittiche, als Trainer wurde Jack Blackburn engagiert. Am 04. Juli 1934 bestritt Louis seinen ersten Profikampf im lukrativeren Schwergewicht gegen Jack Kracken, den er bereits in der ersten Runde auf die Bretter schickte.
Für seinen Sieg erhielt er gerade einmal 59 Dollar. Bis 1935 absolvierte er im Chicagoer Raum noch 25 weitere siegreiche Fights, die ihn einem WM-Kampf jedoch nicht näher brachten. Die Angst im "weißen" Amerika vor einem weiteren schwarzen Weltmeister nach Jack Johnson war groß.
Ein neues Image
Daher wurde Louis' Image kräftig aufpoliert. Die Regeln, denen er sich zu unterwerfen hatte, waren eindeutig: Keine Skandale, keine Drogen, kein Verhältnis zu weißen Frauen, keine abfälligen Bemerkungen über Gegner, ein sauberer Kampfstil sowie ein zuvorkommendes Verhalten gegenüber den Medien.
So wurde Louis trotz Blütezeiten solcher Organisationen wie der des Ku-Klux-Klans allmählich auch als Schwarzer gesellschaftsfähig. Verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rückte Louis durch seinen überzeugenden K.o.-Sieg am 25. Juni 1935 gegen den Ex-Champ Primo Carnera. Wenige Monate später folgte ein weiterer Sieg gegen den Ex-Weltmeister Max Baer.
Der braune Bomber
Die Presse war begeistert vom jungen, aufstrebenden Louis, der seine Gegner wie blutige Anfänger aussehen ließ und dem in der Krise steckenden Boxsport neues Leben einhauchte. New York Times-Kolumnist Edward VanNess brachte es auf den Punkt: "Louis ist ein Segen für den Boxsport. Genau wie Jack Dempsey den Sport aus der Depression geführt hat, macht es jetzt Joe Louis. Mit ihm führt der Weg wieder in bessere Zeiten"
Spitznamen wie "mahogany mauler" "chocolate chopper" "coffee-colored KO king", "saffra sandman" oder "The Brown Bomber" machten die Runde. Letzterer ("Der braune Bomber") manifestierte sich schließlich. Louis hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 368.037 Dollar verdient, eine schier unglaubliche Summe für einen Boxer in seinem erst zweiten Profijahr.
Schmeling als Stolperstein
Der frisch von der Associated Press zum "Athleten des Jahres 1935" gewählte Louis war in der Weltrangliste auf Position eins angekommen. Als letzter Kampf vor einem wahrscheinlichen WM-Fight wurde Max Schmeling auserkoren. Am 19. Juni 1936 stieg der Deutsche als krasser Außenseiter in den Ring und verließ ihn nach einem sensationellen K.o.-Sieg nach zwölf Runden völlig unerwartet als Sieger. Der bis dahin in 23 Profikämpfen ungeschlagene Louis hatte seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit auf spektakuläre Art und Weise verloren.
Doch Louis' Vormarsch war nicht mehr aufzuhalten. Am 22. Juni des folgenden Jahres erhielt der mittlerweile 22-Jährige endlich die langersehnte Chance auf einen Titelfight. Der amtierende Weltmeister James J. Braddock schlug Louis zwar in Runde eins zu Boden, letztlich setzte sich dieser jedoch durch K.o. in der achten Runde durch und schnappte sich den WM-Gürtel.
WM-Sieg als historischer Meilenstein
Louis' Sieg war ein bahnbrechender Moment in der Afro-Amerikanischen Geschichte. Kolumnist und Autor Langston Hughes, der sich als Mitglied der Harlem Renaissance für die Rechte der Schwarzen engagierte, erinnert sich: "Jedes Mal, wenn Joe Louis einen Kampf gewann, auch lange, bevor er Weltmeister wurde, zogen überall im Land Tausende von Schwarzen durch die Straßen und feierten ausgelassen. Sie schrien, weinten und waren außer sich vor Freude. Niemand hatte mehr Einfluß auf unsere Emotionen als Louis. Auch ich marschierte, jubelte und weinte vor Glück. Es war unglaublich intensiv."
Am 22. Juni 1938 feierte Louis einen eindrucksvollen Revanche-Sieg gegen Schmeling, indem er dem chancenlosen Deutschen, mit dem ihn in späteren Jahren eine dicke Freundschaft verband, eine Lektion erteilte und bereits nach 2:04 Minuten der ersten Runde K.o. schlug. Doch längst nicht alle seiner Kämpfe waren so eindeutig. So stand er in den folgenden Jahren gegen Arturo Godoy, Buddy Baer und Billy Conn kurz vor einer Niederlage.
"Bum of the Month Club"
Letztlich aber hatte der braune Bomber die passende Antwort stets parat und gewann die meisten seiner Kämpfe in souveräner Manier. Und auch sein Arbeitspensum war enorm: In den 29 Monaten zwischen Januar 1939 und May 1941 verteidigte Louis seinen Titel ganze 13 Mal. Diese einzigartige Leistung vollbrachte seit dem Ende der Bareknuckle-Ära kein anderer Boxer mehr im Schwergewicht. Über Louis Gegner wurde ein wenig herablassend lediglich noch von Mitgliedern des "Bum of the Month Club" gesprochen.
1942 trat Louis in die Armee ein und bestritt zahlreiche wohltätige Kämpfe, deren Erlöse er dem Militär schenkte. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges kassierte er in einem zweiten Kampf gegen Conn am 19. Juni 1946 mit rund 626.000 Dollar die höchste Börse seiner Karriere. Nach dem Conn-Fight folgten noch drei weitere erfolgreiche Titelverteidigungen, ehe er am 01. März 1949 offiziell zurücktrat.
Finanzielle Probleme
Obwohl Louis während seiner Karriere gutes Geld verdiente, viel hatte er nicht davon. "Ich liebte das gute Leben. Ich weiß aber wirklich nicht so genau, wo das ganze Geld geblieben ist. Ich wünschte, ich wüsste es. Ich bekam 50 Prozent von jeder Kampfbörse, davon musste ich dann alle Ausgaben bestreiten", so ein ratloser Louis.
Gründe für seine neuerliche Armut dürften aber vor allem seine übertriebene Großzügigkeit, falsche Berater und die hohen Steuernachzahlungen gewesen sein. Letztlich war Louis gezwungen, wieder in den Ring zurückkehren. Am 27. September 1950 verlor Louis seinen WM-Gürtel an Ezzard Charles, der einstimmig nach Punkten gewann.
Endgültig Schluss
Nach acht weiteren siegreichen Kämpfen (Louis hatte inzwischen einiges von seiner Schlagkraft, insbesondere aber seine Schnelligkeit und Reflexe verloren), die meist über die volle Rundenzahl gingen, beendete der legendäre Rocky Marciano Louis' Karriere am 26. Oktober 1951 durch technischen K.o. in der achten Runde.
Um Geld in die nach wie vor leeren Kassen zu spülen, trat der passionierte Golfspieler in den folgenden Jahren als Türsteher sowie in zahlreichen Quiz Shows auf, wurde zeitweise sogar professioneller Wrestler und arbeitete im Cesars Palace Hotel in Las Vegas, wo er als Attraktion die Touristen begrüßte.
Der letzte Auftritt
1969 erlitt Louis in Folge heftigen Kokainkonsums einen kompletten Zusammenbruch, ein Jahr später wurde der an Angstzuständen und Verfolgungswahn leidende Ex-Boxer vorübergehend in die Psychiatrie eingewiesen. Nach einer Herzattacke und Hirnblutungen 1977 litt er unter Sprachstörungen und war fortan auf einen Rollstuhl angewiesen.
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Louis, der insgesamt vier Mal mit drei Frauen verheiratet war und fünf Kinder hatte, am Rande des WM-Kampfes im Schwergewicht zwischen Trevor Berbick und Larry Holmes am 11. April 1981. Am nächsten Morgen starb er im Alter von 66 Jahren an einem Herzinfarkt. Das Heldenbegräbnis auf dem Soldatenfriedhof von Arlington wurde teilweise von seinem engen Freund Max Schmeling finanziert.
Eine Klasse für sich
Joe Louis dominierte das Schwergewichtsboxen zwischen 1937 und 1948, indem er seinen Weltmeistertitel 25 Mal erfolgreich verteidigte, in bis dahin nicht gekannter Manier. Ebenso bemerkenswert: In 27 Titelkämpfen knockte er seine Gegner (fünf von ihnen waren selbst amtierende oder ehemalige Weltmeister) 23 Mal aus.
Von seinen 68 Profikämpfen gewann er 65, 51 davon vorzeitig durch K.o. Auch zwei der legendärsten Boxzitate ("He can run, but he can't hide" und "Everyone has a plan until they've been hit") kamen aus seinem Mund.
Doch nicht nur sportlich, auch menschlich war der braune Bomber über jeden Zweifel erhaben. Durch sein bescheidenes, freundliches und großzügiges Wesen gewann er die Herzen vieler Menschen. Seine dritte und letzte Frau Martha Jefferson sagte: "Joe ist nicht arm. Im Gegenteil: Er ist reich, reich an Freunden. Wenn er verkünden würde, dass er einen Dollar bräuchte, würden ihm eine Million Leute diesen schicken und er wäre Millionär."
Das letzte Wort gehört einer weiteren Legende des Boxsports, Muhammad Ali: "Er war definitiv einer der größten Boxer aller Zeiten, für mich ein leuchtendes Vorbild und eine Inspiration für die schwarze Rasse." Dem ist nichts hinzuzufügen.