
László Papp ist in seiner Heimat eine Legende
Wenn in Magdeburg die ungarische Nacht steigt und Zsolt Erdei gegen Yuri Barishan antreten wird, dann sind wieder Millionen Ungarn vor dem Bildschirm. sportal.de erinnert an Erdei´s Vorbild László Papp.
Hierzulande erinnern sich nur noch die wenigsten an László Papp. Wird man nach bekannten ungarischen Sportlern gefragt, fallen Namen wie Ferenc Puskas, Nándor Hidegkuti oder Tamás Darnyi.
In Papps Heimat ist das natürlich anders. Geht es um die goldenen ungarischen Sportzeiten, dann ist der Name des Mittelgewichtlers einer der erstgenannten der Legenden. Mit glänzenden Augen erzählen die Großväter ihren Enkeln von seinem harten linken Jab.
1926 erblickte Papp in Budapest das Licht der Welt. Damals gehörte der Sport zu den wenigen Möglichkeiten im autoritär, konservativ geführten Staat sozialen Aufstieg zu erlangen. Und so war es auch der Wunsch des jungen László, ein berühmter Fußballer zu werden. Seine Körpergröße von etwas über 1,70 brachte ihn aber dann zu dem Gedanken, dass er sich besser verteidigen könnte.
So kam es, dass er das Boxgym des Sportvereins Vasas im Stadtteil Angyalföld aufsuchte. Nachdem er dort eine ordentliche Tracht Prügel eingesteckt hatte, hängte er erstmals seine Handschuhe an den Nagel.
Der Dominator der Amateurszene
Sein Talent war aber unbestritten und so nahm er kurze Zeit später das Training wieder auf. Im Alter von 22 holte er überraschend die olympische Goldmedaille im Mittelgewicht. Einen Triumph, den er 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne im Halbmittelgewicht wiederholen konnte. In Australien schlug er im Finale sogar den Amerikaner José Torres, der später Weltmeister der WBC und WBA wurde. Damit war er der erste und bislang einzige Boxer, der dreimal in Folge Gold bei den olympischen Spielen absahnte.
Papp dominierte in dieser Zeit das Amateurboxen seiner Gewichtsklasse, wurde 1949 und 1951 auch noch Europameister. Von seinen 312 Kämpfen als Amateur verlor er lediglich fünf und trennte sich sechsmal Unentschieden. Diese Bilanz gepaart mit seinen Titeln machte ihn zum erfolgreichsten Amateur des 20. Jahrhunderts.
Und vielleicht wäre 1953 ein weiterer Europameistertitel hinzugekommen, hätte Papp nicht die EM abgesagt. Seine Absage war ein Zeichen gegen den ungarischen Verband, der seinen Trainer Zsigmond Adler öffentlich schikanierte.
Ein Jahr nach seiner letzten Goldmedaille wechselte er ins Profilager. Da es sozialistischen Ländern allerdings verboten war Profi-Kämpfe auszutragen, boxte er unter einer österreichischen Lizenz und trainierte für die Fights in Wien.
Europameister in Wien
Am 18. Mai gab er dann sein Debüt als Profi in einem über vier Runden angesetzten Kampf gegen den Deutschen Alois Brand. Im Eisstadion von Köln siegte er souverän nach Punkten. 1959 listete ihn dann die Europäische Box Union auf Rang eins der Herausforderer und stellte ihm einen Kampf um die Krone des Europameisters in Aussicht.
Es sollte aber noch drei Jahre dauern, bis er die Chance bekommen sollte. Auf den Kampf gegen den Dänen Christian Christensen bereitete er sich in seiner zweiten Heimat Wien vor, wo der Titelfight auch stattfand. 19.000 Zuschauer sahen einen überzeugenden T-K.o. in der siebten Runde des Ungarn. Papp stieg durch diesen Erfolg zum populärsten Sportler in Österreich auf.
Bis zum Rückkampf in Kopenhagen am 2. Juli 1964 verteidigte er viermal den Titel (insgesamt sechsmal). Auch beim Heimspiel des dänischen Gentleman siegte Papp vorzeitig, diesmal bereits in der vierten Runde.
Das einseitige Duell
In Deutschland wurde er durch seine drei Siege gegen Peter Müller bekannt, den er dreimal ausknockte. Der dritte Kampf der Kontrahenten wurde international heftig kritisiert, weil Papp diesen einer Titelverteidigung vorzog und Müller nicht als ebenbürtiger Gegner eingestuft wurde. Der Kampf fand 1963 nach vier Runden in der Dortmunder Westfalenhalle ein Ende (32 Jahre später fand der bis heute beste Kampf von Erdei gegen Hugo Hernan Garay ebenfalls dort statt).
1965 war Papp bereits für seinen ersten WM-Kampf, dafür sollte er gegen den Nigerianer Dick Tiger in den USA antreten. Dieser Umstand missfiel der Regierung seines Landes und die Sportbehörde übte heftigen Druck auf seine Familie aus. Papp erklärte daraufhin das Ende seiner aktiven Karriere und kehrte umgehend nach Budapest zurück.
Zweite Laufbahn als Trainer
Vier Jahre später beförderte man ihn zum Cheftrainer der Olympia-Mannschaft, die er auf die Spiele in München vorbereiten sollte - mit Erfolg. Gleich drei Boxer brachte er auf den Weg ins Finale und auch wenn lediglich György Gedó (wurde im selben Jahr Sportler des Jahres in Ungarn) Gold gewann, so war doch klar die Handschrift von Papp deutlich zu erkennen. Gedó zeichnete sich wie Papp durch schnelle Hände und Bewegungen aus.
In der folgenden Zeit überwarf er sich erneut mit der Sportbehörde, da diese gegen seinen Willen einen aufstrebenden Nachwuchsboxer zu Juniorentitelkämpfen schickte. Papp reichte seine Entlassung ein, da diese aber nicht beantwortet wurde, machte er bis 1992 weiter. Er blieb dem Boxsport allerdings verbunden und eröffnete eine Trainingshalle in Budapest.
Der Weltverband WBC ernannte Papp 1989 zum Ehrenweltmeister und die UNESCO überreichte ihm den Fairplay-Preis. 2003 starb er in Budapest, ein Jahr später wurde ihm dann auch von ungarischer Seite die Ehre zuteil, die ihm während seiner aktiven Profi-Laufbahn verwährt blieb. Die größte Sporthalle der Hauptstadt wurde nach ihm benannt. Ungarns erster Profi-Weltmeister István Kovács nannte Papp den "Größten (ungarischen Boxer) aller Zeiten."
Julian König