WM: Angola wirft Deutschland raus

Symptomatisch für das deutsche Spiel: Jagla mit dem Ballverlust
Kaum Defensive, schlechte Rebounds und fehlende Treffsicherheit - für das DBB-Team ist die WM faktisch vorbei. Nach dem 88:92 nach Verlängerung gegen Angola bleibt nur noch das letzte Vorrundenspiel gegen Jordanien, das Achtelfinale ist außer Reichweite.
In einem deutschen Team, das wenig an die Leistungen gegen die Favoriten Argentinien und Serbien anknüpfen konnte, stach ausgerechnet Routinier Demond Greene besonders negativ heraus. Der Guard verbuchte über das gesamte Spiel hinweg nur einen Punkt per Freiwurf. Punktbester Deutscher war Jan-Hendrik Jagla mit 23 Zählern und sechs Rebounds, Olimpio Cipriano brachte es für die Angolaner auf 30 Punkte, während Joaqim Gomes 14 Rebounds bei 16 Punkten verbuchen konnte.
Fahriger Anfang
Die deutsche Starting Five kam durch Robin Benzings Magen- und Darmprobleme ein wenig durcheinander, mit Elias Harris kam ein weiterer potentieller NBA-Spieler in die Stamm-Fünf, daneben agierten wie gehabt Jagla, Greene, Steffen Hamann und Tibor Pleiß.
Zu Beginn spielten die Deutschen zunächst das Spiel der verpassten Körbe, blieben aber dank Jagla dran und nahmen nach dem 8:8-Ausgleich erst einmal das Heft in die Hand. Dies konnte allerdings auch nur gelingen, weil die Spieler des Afrika-Meisters ebenfalls eine große Streuung bei den Würfen aufwiesen und Treffsicherheit zunächst nicht zur ihren Tugenden zählte.
Doch abschütteln ließen sie sich auch nicht, zumal auch weiterhin Fehlpässe und wenig konsequente Deckung die Afrikaner zu vermeintlich leichten Körben kommen ließen. Auch fehlte einigen DBB-Akteuren noch die richtige Treffsicherheit. Folgerichtig ging es mit einem 19:19 in die erste Pause.
Der Knoten platzt nicht
Wer jetzt gehofft hatte, dass es im zweiten Abschnitt besser würde, wurde zunächst enttäuscht. Im Gegenteil, Angola konnte sich zunächst auf fünf Zähler absetzen. Besonders die Dreierwürfe offenbarten die Schwächen der Bauermann-Schützlinge sowohl in der Deckung als auch unter dem Korb. Die kleineren Angolaner holten gerade unter dem deutschen Korb viel zu viele Rebounds.
Und auch in der Offensive kam weiterhin nicht viel - Greene verbuchte zwar seinen ersten Punkt per Freiwurf, aber oft brachten sich die DBB-Mannen schlecht in Stellung oder verpassten Würfe, die sie eigentlich hätten machen müssen. Nur Heiko Schaffartzik setzte sich von diesem Trend ab und hielt die deutschen Chancen durch zwei Dreier weiter am Leben. Mit 35:40 und viel Arbeit für Dirk Bauermann ging es in die Kabine.
Der lange Staiger
Die zu erwartende Standpauke schien auch nach der Halbzeit ihr Wirkung verfehlt zu haben. Weiter wirkten die Deutschen konfus und deplatziert. Die schlechte Defensivausrichtung, besonders bei den Rebounds, paarte sich mit offensivem Unvermögen. Angola baute seine Führung zwischenzeitlich zweistellig aus. Doch einige Dreier brachten Deutschland bis zum Ende des dritten Viertels immerhin wieder auf vier Punkte heran. Die Minuspunkte im DBB-Spiel blieben allerdings bestehen.
Zu Beginn des letzten Abschnitts griffen die deutschen Basketball-Götter in Form von Lucca Staiger ein, der einen Zwei-Punkte-Rückstand durch zwei lange Dreier in ein 62:58 verwandelte. Die Führung blieb nun in deutscher Hand, auch wenn Angola die Chance auf den Sieg weiterhin wahrte.
Und wieder Overtime
Vier Minuten vor dem Ende hatten die Deutschen ihr gesamtes Zielwasser wiedergefunden. Jagla sorgte mit zwei Dreiern seinerseits für eine zunächst beruhigende Zehn-Punkte-Führung. Aber der Übermut schien bei weiteren Dreierversuchen zu regieren und so blieb Angola weiter in Schlagdistanz, weil gelungene weite Würfe der DBB-Auswahl ebenso gekontert wurden.
Dazu hielten die Deutschen den Afrika-Meister durch die altgewohnten Rezepte Ballverluste, Fehlpässe und unnötig abgeschlossene Würfe im Spiel. Die Uhr tickte, aber langsam und so brachte ein Dreier die Angolaner 25 Sekunden vor der Schlusssirene bis auf einen Punkt heran. Es folgte das Freiwurfduell: Schaffartzik traf nach Foul von Carlos Morais nur einmal, während auf der Gegenseite Olimpio Cipriano nach Greene-Foul gleich beide Bälle im Korb unterbrachte. Wieder ging es beim Stande von 78:78 in die Verlängerung.
Das Ende...
Den Schwung nahmen die Afrikaner mit in die Verlängerung, während die Deutschen ihre Fehler weiter pflegten. Zwei Minuten waren auf einmal nur noch zu spielen, lediglich zwei verwandelte Freiwürfe auf der Habenseite der Deutschen, während Angola mit sechs Punkten führte. Besser wurde es nicht, die Hoffnung wich aus den Gesichtern der deutschen Spieler und Fans.
Die klärten sich noch einmal auf, als Schwethelm mit einem Dreier den Vorsprung der Angolaner auf drei Punkte schmelzen ließ, um lediglich fallenden Freiwürfen der Gegener entgegenzusehen. Hektische Dreierversuche und am Ende fast noch das Unvermögen zu foulen, setzten schließlich den Deckel auf die 88:92-Niederlage, die nach der Vorrunde das Aus für das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann bedeutet.
Sven Kittelmann