Ein cleverer Präsident und ein despotischer Trainer haben Galatasaray nach mageren Jahren auf Kurs gebracht. Verstärkt mit Wesley Sneijder und Didier Drogba peilt der Club nun den Champions League-Sieg an. sportal.de stellt Schalkes Achtelfinalgegner vor.
Didier Drogba ist schon lange im Geschäft, hat fast alles gesehen, vieles gewonnen. Daher weiß er auch, was die Fans hören wollen. "Ich bin hier, um die Champions League zu gewinnen", hatte die neue Sturmhoffnung unter dem frenetischen Jubel bei Massen von Galatasaray-Fans bei seiner Ankunft am Flughafen von Istanbul erklärt. "Ich bin nicht nur zu einem großen türkischen, sondern auch einem großen europäischen Club gekommen und will mit ihm meinen zweiten Cup holen."
Doch meint Drogba das wirklich ernst, Galatasaray als Champions League-Sieger 2013? Ein Gedanke, bei dem Wesley Sneijder, der zweite große Wintereinkauf des türkischen Rekord- und amtierenden Meisters, schon ein wenig schmunzeln muss. "Das geht vielleicht momentan noch etwas zu weit", wiegelte der von Inter Mailand geholte Niederländer im Interview mit sportsillustrated.cnn.com zwar zunächst ab.
Drogba und Sneijder unterstreichen Galatasaray-Ambitionen
Doch komplett abwegig erscheint ihm die Vorstellung wohl trotzdem nicht. "Wir sind noch dabei, die nächste Runde gegen Schalke wird zwar nicht einfach", warnte er zwar vor dem nächsten Gegner, fügte jedoch an: "Aber wir haben ein starkes Team, wir müssen von Spiel zu Spiel denken, kämpfen und gucken, was dann letztlich rauskommt."
Im Idealfall soll natürlich der maximale Erfolg herauskommen. Die Ambitionen der Clubführung, von Trainer Fatih Terim, sind hoch. Das sollen die Aufrüstungsbemühungen der letzten Jahre, die in der Verpflichtung von Drogba und Sneijder ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, beweisen. "Mit diesen Transfers zeigt Galatasaray, dass das eine Weltklassemannschaft ist", glaubte der auf Leihbasis aus Toulouse geholte Umut Bulut. Die heißblütigen Fans sind jedenfalls in riesige Euphorie versetzt und träumen vom ganz großen Wurf.
Präsident bringt Galatasaray wirtschaftlich wieder auf Kurs
Runde 80 Millionen Euro wurden in den letzten drei Jahren investiert, durchschlagender Erfolg stellte sich aber erst ein, nachdem der schwerreiche Geschäftsmann Ünal Aysal im Mai 2011 das Präsidentenamt übernommen hatte. Ein Mann mit einem Plan und dem Ziel maximaler Erfolg, der Galatasaray immens bereicherte - zwar nicht mit Geld aus seiner Privatschatulle, dafür aber mit seinem im Energie- und Ölgeschäft erworbenen Business-Know How.
Aysal installierte ausgewiesene Fachleute in den einzelnen Abteilungen seines Clubs, die sich daran machten schrittweise die Finanzen zu sanieren. Sie akquirierten neue Sponsoren und vor allem im Marketing-Bereich wurden die Erträge maximiert was den ehemals klammen Club so seiner Geldsorgen entledigte.
Dazu trug auch der Umzug aus dem baufälligen und mit gerade einmal rund 24.000 Plätzen viel zu kleinen Ali-Sami-Yen-Stadion in die 2011 fertiggestellte Türk Telekom Arena bei. Galatasaray hat das für 52.650 Zuschauer ausgelegte Stadion für 49 Jahre gepachtet und allein in dieser Saison 44.000 Dauerkarten abgesetzt - an Fans, die die enge Arena regelmäßig in einen wahren Hexenkessel verwandeln.
Fatih Terim beendet Dürre bei Galatasaray
Die sportliche Trendwende brachte allerdings die Rückkehr des charismatischen Fatih Terim auf die Trainerbank. Die schroffen Methoden des von Disziplin und Taktik begeisterten und "Imperator" genannten Coaches sind umstritten, nicht aber die Erfolge. Er war es, der Galatasaray 2000 zum UEFA Cup-Sieg, dem größten Erfolg der Clubgeschichte geführt hatte.
Aysal konnte den Erfolgscoach von einst zu seiner insgesamt dritten Amtszeit im Club überreden und stattete ihn mit den erforderlichen Mitteln für einen personellen Umbruch aus. Der Erfolg stellte sich schnell ein, Terim beendete die seit 2008 währende Titeldürre und führte das in der Vorsaison gerade einmal Achter gewordene Galatasaray mit dem für ihn charakteristischen aggressiven Pressing und schnellen Umschaltspiel aus einer äußerst variablen 4-4-2-Grundordnung heraus gleich in seiner Premierensaison zur 18. türkischen Meisterschaft.
Nächster angepeilter Schritt: Champions League-Sieg
Im Sommer peilten Terim und Aysal dann den nächsten Schritt an, verstärkten den Kader mit zwölf neuen Spielern, holten u.a. den Ex-Schalker und Bayern Hamit Altintop von Real Madrid. Der aufgerüstete Kader und die damit verbundenen gestiegenen Ambitionen waren - neben den natürlich fürstlichen Gehältern - auch der Hauptanreiz für Drogba und Sneijder, in die Süper Lig zu wechseln.
"Ich treffe hier auf Spieler, die ich bewundere wie Sneijder oder Emmanuel Eboue. Natürlich kenne ich auch Johan Elmander, Felipe Melo und Fernando Muslera. Ich glaube, wir können etwas erreichen", so Drogbas Urteil, dem sich Sneijder laut si.com anschloss: "Sie haben hier große Ambitionen, wollen so schnell wie möglich zu den größten Clubs in Europa aufschließen. Mit einem Spieler wie Drogba, seiner Qualität und seinen Erfahrungen, wird es sicher einfacher, unsere Spiele zu gewinnen und vorwärts zu kommen."
Der Erfolg kann sich bisher sehen lassen. Die Champions League-Vorrunde überstand Gala als Zweiter der Gruppe H hinter Manchester United, feierte immerhin vor eigenem Publikum im direkten Duell mit den Reds einen 1:0-Sieg. In der Liga liegt Galatasaray nach 22 Spieltagen mit sechs Punkten Vorsprung auf den Erzrivalen Fenerbahce an der Spitze, verlor erst dreimal.
Drogba, Sneijder,Yilmaz - furioses Offensiv-Trio
Während Sneijder der langen Tribünenzeit bei Inter aber noch immer nach seiner Bestform sucht, bisher zweimal aus- und zweimal eingewechselt wurde, führte sich Debütant Drogba beim 2:1-Auswärtssieg über Akhisarsport gleich glänzend ein und harmonierte zudem perfekt mit seinem beweglichen und pfeilschnellen Sturmpartner Burak Yilmaz, der Joker Drogba zunächst zur 1:0-Führung aufgelegt hatte, ehe sich der Ivorer drei Minuten später mit dem Assist zum 2:0 bedankte und Yilmaz sein bereits zwölftes Saisontor ermöglichte.
"Burak Yilmaz ist ein sehr wichtiger Spieler für uns", lobte Co-Trainer Ümit Davala im Interview mit bundesliga.de seinen dritten Offensivstar und hoffte, dass die Zusammenarbeit der beiden weiter Früchte tragen wird. "Ich glaube, dass er mit Didier Drogba als Sturmpartner noch stärker wird." Doch ob das dynamische Trio schon gegen Schalke von Beginn an wirbeln darf, ließ Fatih Terim in der Abschlusspressekonferenz noch offen.
"Ob Drogba in der Startelf steht oder später reinkommt, entscheiden wir erst morgen. Das gilt auch für Sneijder", hielt er seine Karten noch verdeckt. Ginge es nach Drogba selbst, gäbe es da sicher keine Zweifel. Die Champions League nennt er dank 39 Toren bei 77 Einsätzen schließlich sein "Lieblingsrevier". Schalkes nach Augenverletzung wiedergenesener Stürmer Klaas-Jan Huntelaar hofft zudem auf den Einsatz von Landsmann Sneijder. "Das letzte Mal mit Inter hat er gegen Schalke verloren - hoffentlich geht das so weiter", meinte er laut derwesten.de lachend. Mal gucken, wer dann zuletzt lachen wird.

