Krise zwischen Matthias Sammer und Jupp Heynckes? Auf keinen Fall. Diesen Eindruck versuchte der Sportvorstand des FC Bayern in einer Interviewrunde entgegen zu treten - mit blumigen Worten, die Schlagerfan Sammer fast seinen geliebten CDs entnommen haben könnte.
Dass Matthias Sammer Schlagerfan ist, ist seit langem bekannt, besonders sein Faible für Nicole und "Ein bisschen Frieden". Den würde er auch gerne beim FC Bayern München wieder Einzug halten lassen, nachdem es kürzlich zu kleineren Irritationen gekommen war. So hatte Trainer Jupp Heynckes etwas angesäuert reagiert, nachdem Sammer die Spieler öffentlich zu mehr Aggressivität und Angriffslust aufgefordert hatte.
Doch dem Eindruck, es würde noch vor Saisonbeginn erste Risse zwischen Trainer und Sport-Vorstand geben, trat Sammer in einer Interviewrunde entschieden entgegen. Mit Worten, die dem "Text-Handbuch des schwülstigen Schlagers" entlehnt sein könnten und den von der Hitparade des ZDF geschädigten Redakteur stark an Roland Kaisers "Dich zu lieben" erinnerten. "Diese Wärme, diese Nähe, weckt die Sehnsucht in mir auf ein Leben mit dir", säuselte der Schmusebarde einst schmalzig bei Dieter Thomas Heck.
Gar nicht so weit entfernt von Sammers Beinahe-Liebeserklärung an Heynckes: "Wir haben eine Nähe und ein Miteinander, was ich so nicht mal in meinen kühnsten Träumen erwartet hätte - so eng und so vertrauensvoll", bemühte sich Sammer gar nicht erst den Hauch eines Verdachts aufkommen zu lassen, dass zwischen ihm und den Trainer doch mehr als ein Blatt Papier passen könne. "Dass ich glücklich bin, dass ich hier bin, hängt ja am stärksten auch mit dem Trainer zusammen."
Martinez zu Bayern? Kann, muss aber nicht
Sammer würde aber auch noch mit einem anderen Mann gerne beim FC Bayern zusammen arbeiten. Der angepeilte Transfer des spanischen defensiven Mittelfeldspielers Javier Martinez, der zuvor aber noch bei Athletic Bilbao losgeeist werden müsste, ist noch lange nicht vom Tisch. Aber er müsse "wirtschaftlich in die Dimensionen passen, die es bisher auch bei Bayern München gegeben hat", so Sammer.
Daher wolle man auch keine neue vereinsinterne Rekordablösesumme für Martinez hinblättern. Will heißen, dass die ca. 30 Millionen Euro, die einst für Mario Gomez bezahlt worden waren, nicht übertroffen werden sollen. Probleme gäbe es aber schon allein deshalb, weil Bilbao knapp 40 Millionen Euro fordere - für die Bayern deutlich zuviel.
Notfalls werde man auf Martinez auch warten, das Interesse an ihm sei zeitunabhängig. Sammer könne sich auch vorstellen, dass erst kurz vor Ende der Transferperiode am 31. August endgültige Einigkeit über einen Wechsel erzielt werden könnte. Alternativen zu Martinez erwäge man bei Bayern nicht. "Es ist eine Kann-Situation, keine Muss-Situation", sagte Sammer zum möglichen Martinez-Wechsel. Oder um es mit Nicole auszudrücken: "Mit dir vielleicht, vielleicht auch nicht."
