Rache ist süß: Glaubt man diesem Sprichwort, so ist das Leben von Raymond Domenech derzeit ein einziges Zuckerschlecken. Denn der ehemalige französische Nationaltrainer schrieb ein Buch, in dem er mit seinen Ex-Spielern und vor allem mit Franck Ribery abrechnet.
Raymond Domenech wurde 2010 nach dem unrühmlichen Vorrunden-Aus bei der WM in Südafrika als Nationaltrainer Frankreichs entlassen. Nun erscheint ein Buch des 60-Jährigen, das auf Tagebucheinträgen, auch von der WM 2010, basiert. In Tout Seul (Ganz allein) werden auch Nicolas Anelka, Karim Benzema oder Samir Nasri mit scharfen Worten bedacht, vor allem aber Franck Ribery vom FC Bayern München ist das Ziel Domenechs Kritik.
Ribery, die "Diva"
Domenech bezeichnete den 29-Jährigen als "empfindliche Diva" und wirft ihm durch sein Verhalten eine "Vergiftung der Mannschaft" vor. "Für all das, wofür Ribery stand, hätte ich ihn gerne aufgehängt", schreibt der seit 2010 vereinslose Trainer.
Zudem habe Ribery kein kollegiales Verhalten gezeigt: "Als ich ihm danken wollte, zeigte er mir die kalte Schulter, zog seinen Arm weg: 'Fass mich nicht an'", so Domenech.
Anelka, der "Mörder"
Domnech hatte zwischen 2004 und 2010 die Nationalmannschaft Frankreichs trainiert, war aber nach dem jeweiligen Vorrunden-Aus bei der EM in Österreich und der Schweiz (2008) sowie bei der WM in Südafrika (2010) aus seinem Amt entlassen worden.
Zurück blieb eine zerrüttete Mannschaft, die nur durch Skandale für Aufsehen sorgte. In Südafrika hatte Stürmer Nicolas Anelka Domenech beleidigt und war dafür aus dem Team geworfen worden. In der Folge kam es jedoch zu einem Trainingsstreik der Mannschaft. Für Domenech ist der Schuldige längst gefunden. "Anelka hat die Gruppe getötet", schrieb der 60-Jährige nach der Niederlage gegen Mexiko.
Zidane, der "Unersetzbare"
Im Gegensatz zu Samir Nasri oder Karim Benzema, die Domenech als "eigennützig" beziehungsweise als "arrogant" bezeichnet, hat der unter die Autoren gegangene Trainer zumindest für Zinedine Zidane und Lilian Thuram, dem er für dessen Ehrlichkeit dankte, Lob übrig. "Niemand könnte den Platz von Zidane einnehmen", schrieb Domenech über seinen ehemaligen Schützling.
Angelo Freimuth
