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Radsport: Van Avermaet gewinnt 115. Paris-Roubaix

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09. April 2017, 17:14 Uhr
Greg Van Avermaet
Greg Van Avermaet gewann Paris-Roubaix

Dreckverschmiert, völlig am Ende und doch überglücklich: Olympiasieger Greg van Avermaet hat die "Hölle des Nordens" bezwungen und erstmals den wichtigsten Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix gewonnen. Für den deutschen Mitfavoriten John Degenkolb reichte es zwei Jahre nach seinem Triumph bei der "Königin der Klassiker" nicht zum erneuten Erfolg.

Nach einer 257 km langen und staubigen Tortur über das berüchtigte Kopfsteinpflaster hatte der Belgier van Avermaet im legendären Vélodrome André Pétrieux in Roubaix die größten Reserven und holte sich einen hart erkämpften Erfolg vor dem Tschechen Zdenek Stybar. 5:41:07 Stunden benötigte van Avermaet - mit einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von 45,204 km/h war es das schnellste Rennen den langen Roubaix-Geschichte.

Degenkolb, der im Vorjahr wegen eines Trainingsunfalls im Winter nicht hatte starten können, kam in einer Verfolgergruppe als Zehnter ins Ziel. "Am Ende war nicht mehr viel übrig in den Beinen", sagte der 28-Jährige noch völlig verschwitzt und von der Anstrengung gezeichnet: "Ich musste viel reagieren, ganz zufrieden bin ich nicht."

Bester Deutscher war der Rostocker André Greipel, der mit zwölf Sekunden Rückstand zum Sieger auf Platz sieben sprintete. Auch für die belgische Legende Tom Boonen erfüllte sich bei seiner Abschiedsvorstellung der Traum vom fünften Roubaix-Erfolg seiner Laufbahn nicht.

Die Pflasterstein-Trophäe stemmte van Avermaet in den sonnigen Himmel über Frankreich und krönte sein herausragendes Frühjahr. Ende März hatte er das prestigeträchtige Eintagesrennen Gent-Wevelgem für sich entschieden. Bei der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Wochenende wurde er Zweiter, nun aber gewann der 31-Jährige sein erstes Radsport-Monument.

Degenkolb kämpfte lange zusammen mit Boonen verzweifelt um den Anschluss, zeigte einen starken Auftritt, der entscheidende Zug war aber wie zuletzt bei der Flandern-Rundfahrt oder Mailand-Sanremo ohne ihn abgefahren. Auch Weltmeister Peter Sagan aus dem deutschen Bora-hansgrohe-Team hatte kein Glück und musste nach mehreren technischen Problemen den Kampf um seinen ersten Roubaix-Triumph aufgeben.

Tempo von Beginn an enorm hoch

Der im Radsport seit Wochen herrschende Hype um das Karriereende Boonens ebbte auch am Sonntag nicht ab. Vor dem Start zählten Tom-Boonen-Pappmasken zu den beliebtesten Utensilien, der Bus seines Teams Quick-Step Floors wurde regelrecht belagert. Und der Volksheld war dann auch einer der Protagonisten des Höllen-Spektakels.

Das Tempo war von Beginn an enorm hoch. Die Dominanz der Favoriten um Degenkolb, die sich sich an der Spitze belauerten und mit ihren Helfern das Geschehen kontrollierten, war erdrückend und ließ keine Ausreißergruppe lange gewähren. Die ersten von insgesamt 29 Kopfsteinpflaster-Passagen (Pavés) überquerten die Top-Fahrer geschlossen, ehe die Tücken des Rennens ihren ersten Tribut forderten.

Nicht nur die Radprofis, auch ihre Rennmaschinen wurden auf den insgesamt 55 Kilometern über mittelalterliche Feldwege auf eine harte Probe gestellt: Selbst van Avermaet wurde kurz vor der legendären Schneise durch den Wald von Arenberg einmal zurückgeworfen.

Auf den folgenden Pavés behielt die immer kleiner werdende Gruppe der Sieganwärter ihre offensive Fahrweise bei, fast im Minutentakt wurde Nadelstiche gesetzt. Degenkolb agierte in dieser Phase stets höchst aufmerksam und machte einen starken Eindruck. Aber auch Greipel, Marcel Sieberg, Tony Martin, Marcus Burghardt oder der junge Nils Politt waren zwischenzeitlich Impulsgeber der "Königin der Klassiker". Die deutschen Fahrer hinterließen insgesamt einen guten Eindruck.

Degenkolb hatte unmittelbar vor dem Start nochmals mentale Unterstützung von der Familie erhalten. Sein zweijähriger Sohn Leo Robert durfte sich ans Steuer des parkenden Trek-Teambusses setzen und strahlte den stolzen Vater an, Ehefrau Laura verabschiedete ihren Gatten mit einem Kuss. "Ich habe ein gutes Gefühl und ein starkes Team hinter mir", sagte Degenkolb. Das allein genügte jedoch nicht.

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