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Von: Sven Kittelmann
Datum: 20. Juli 2012, 07:19 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Paul Pogba wechselte von Manchester United zu Juventus Turin - ein Porträt

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Paul Pogba durfte einmal in der Europa League ran

Bei keinem seiner beiden ehemaligen Teams dürfte Paul Pogba in der Führungsetage noch Freunde habe, gleich zwei kontroverse Wechsel sind Dreh- und Angelpunkt der Fußballer-Karriere des 19-jährigen Franzosen, dem eine großartige Zukunft bescheinigt wird. 

Es gibt sicher nicht viele 19-Jährige, die es sich mit Manchester Uniteds Trainer Sir Alex Ferguson verscherzt haben dürften: Paul Pogba gehört dazu. So wechselte der aussichtsreiche Kandidat auf einen zukünftigen Posten im Mittelfeld Uniteds zu Juventus Turin und verärgerte damit die schottische Trainerlegende nachhaltig.

"Das ist enttäuschend. Er hat uns keinen Respekt gezeigt", wetterte Sir Alex im Sommer gegenüber der Daily Mail, nachdem der Wechsel Pogbas zu Juventus offiziell geworden war. Fest stand er bereits lange davor, so Ferguson, dem auch diese Tatsache sehr sauer aufstieß.

Was sein Verhältnis zu Ferguson ebenfalls zerüttet haben dürfte, war die Tatsache, dass der Trainer laut Mail über den Wechsel nicht von Pogba selbst erfuhr - sondern über einen Brief seines Beraters an Uniteds Geschäftsführer David Gill. Vielleicht erklären sich daher auch Fergusons letzte Worte in Richtung Pogba und Berater: "Ich bin jetzt glücklich, denn wenn sie mit solchen Spielchen weitermachen, bin ich froh, dass dies nicht bei uns passiert", zitierte belfasttelegraph.co.uk Ferguson.

Bereits 2009 sorgt der Pogba-Wechsel für Wirbel.

Dabei schien der vor drei Jahren vom Franzosen Pogba gemachte Karriereschritt der richtige gewesen zu sein. Mit 16 verließ er Le Havre und heuerte bei Manchester an, um sein Talent in Uniteds-Jugendakademie weiter ausbilden zu lassen. Bei Le Havre AC stieß damals der Poga-Abgang sauer auf.

Damals war der Spieler für seinen Ex-Club jedoch nicht der alleinige Übeltäter, sondern ebenfalls United. So beschuldigte Le Havre Manchester, die Eltern des damals 16-Jährigen mit Geld zu einer Unterschrift überredet zu haben. "Dieses unglaubliche Vorgehen ist umso schlimmer, als dass es sich dabei um einen Club mit großem Ruf handelt. Zu einer Zeit, in der sich viele in Europa gegen diesen sogenannten 'Mini-Sklavenhandel' wenden, zögert Manchester nicht, einen 16-Jährigen zu entwurzeln", zitierten der Guardian und Skysports im Sommer 2009 den Ligue 2-Club.

Allerdings war Le Havre auch deswegen entsetzt, weil es nach eigenen Angaben bereits 2006 eine Vereinbarung mit Abwerbeverbot geschlossen habe, die zumindest bis zum Ende der Spielzeit 2009/10 gelten solle. "Aber der Spieler und seine Eltern haben diese Übereinkunft gebrochen", zitierte skysports.com das Statement Le Havres. Laut dem United-Blog stretford-end.com hatte seine Mutter erklärt, Le Havre habe nur leere Versprechungen gemacht, zudem habe sich herausgestellt, dass Le Havres einziges Ausbildungsziel sei, möglichst viel Geld aus dem Verkauf ihres Sohnes herauszuschlagen.

Ein Vergehen auf Seiten Uniteds konnte die FIFA jedoch nicht feststellen, zudem mehrten sich die kritischen Stimmen gegenüber Le Havre, der Club habe bei der eigenen Verpflichtung Pogbas ebenfalls keine Ausgleichzahlungen an Torcy bezahlt. Ein Jahr nach Pogbas Umzug in den Norden Englands wurden sich die Clubs letztlich einig - für welche Summe wurde allerdings nicht bekannt.

Die Ruhe nach dem Wechselsturm

Nachdem sich der Wirbel um seine Verpflichtung gelegt hatte, begann Pogbas Gang durch die Jugendakademie Uniteds, zudem setzte sich sein Gang durch die Nationalmannschaften Frankreichs fort, allerdings erst nach einer sechsmonatigen Suspendierung durch den Verband FFF im Zuge des United-Wechsels. In den ersten beiden Spielzeiten bei den Red Devils gewann er immerhin einen Jugendtitel mit der U18-Mannschaft, ein Jahr zuvor scheiterten er und die U17 gegen Arsenals Nachwuchs im Playoff-Halbfinale. Zudem gewann der den FA Youth Cup mit dem Team.

Vor der Saison 2011/12 gab dann Coach Ferguson Pogba die lang ersehnte Nachricht und erwies sich unwissentlich als Prophet: "Wenn wir Pogba zurückhalten, was glauben sie was passiert? Er wird uns verlassen. Also geben wir ihm jetzt die Möglichkeit, sich im ersten Team zu beweisen", zitierte manutd.com Ferguson.

Fünf Mal erstes Team

Ein Jahr später sollte sich jedoch herausstellen, dass Pogbas fünf Einsätze in der ersten Mannschaft offensichtlich nicht genug waren, um den jungen Franzosen zum Bleiben zu überreden. Bereits vor Fergusons Statement aus der Sommerpause hatte Pogba im FA Cup und der Premier League die Bank gewärmt und war nach Fergusons Aussagen von der Jugend in die Reservermannschaft gewechselt.

Am 20. September 2011 feierte er schließlich sein Debüt im Carling Cup, dort wurde er zur Halbzeit gegen Leeds United eingewechselt. Damit wurde laut der Sun allerdings auch ein zuvor angedachtes Ausleihgeschäft mit dem FC Burnley zunichte gemacht. Bei dem Championship-Club hatte Pogba eigentlich regelmäßige Spielpraxis erhalten sollen. So blieben für ihn – neben den Auftritten des Reserveteams – außer dem Leeds-Spiel noch vier weitere Gelegenheiten, sich an die rauhe Luft eines Spitzenclubs zu gewöhnen.

So lief er vor dem Jahreswechsel noch einmal im Carling Cup auf und gab am 31. Januar 2012 schließlich sein Premier-League-Debüt gegen Stoke City, spielte später ein weiteres Spiel in der Liga und war beim Ausscheiden aus der Europa League gegen Bilbao auf dem Feld.

Eine echte Nummer 10

Dass es bei diesen Einsätzen nicht unbedingt zum Durchbruch kommen würde, dürften sowohl Ferguson als auch Pogba klar gewesen sein. Trotzdem zeigte der Franzose in drei Jahren Manchester des Öfteren sein glänzendes Potenzial auf, dass unter anderem Michael Carrick gegenüber soccernet.com zu einem Lob verleitete: "Paul ist ein großes Talent. Es war schon vielversprechend, was wir im Training sehen durften."

Eine seiner bis dato größten Bühnen neben dem Europa League-Auftritt war wohl das U19-Halbfinale gegen Spanien, das die Franzosen erst im Elfmeterschießen verloren. Bei internationalen Scouts musste er sich zu dem Zeitpunkt nicht mehr in das Notizbuch spielen. Notieren konnte man trotzdem einen offensiven Mittelfeldspieler, der sich in der Mitte am wohlsten fühlt, aber auch in der Verteidigung aushelfen kann. Trotz seiner Physis, die ihn bei 1,86 Metern sehr schlaksig wirken ließ, hat er eine sehr gute Ballbeherrschung aufzuweisen. Carricks Label "vielversprechend" ist genau passend.

Chance vertan?

Angesichts seiner Position und seiner Spielweise hat sich Pogba nicht nur nach Meinung der Scouting-Seite freshfootball.co.uk mit dem Abschied aus Manchester einen Bärendienst erwiesen. Denn: Das United-Mittelfeld bräuchte in absehbarer Zeit frisches Blut, ein bedachtsam herangeführter Pogba wäre mit Sicherheit ein aussichtsreicher Kandidat gewesen. Andererseits kann natürlich eine Reaktivierung von Paul Scholes nicht das sichere Zeichen für den Franzosen gewesen zu sein, dass die Zukunft demnächst beginnt.

Und so ist es nun Juventus, dass sich an Pogbas Künsten erfreuen kann. Dem dürfte das System der alten Dame, die bisweilen mit hängender Spitze agiert, sehr entgegenkommen. Und vielleicht gibt es dort dann keine verbrannte Erde mehr.