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Datum: 10. August 2012, 16:12 Uhr
Format: Artikel
Quelle: dpa/ma
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Olympiasieger Bolt verliert Respekt vor Lewis, spricht über Karriereende

Bolt,Olympia,Leichtathletik
Usain Bolt will seine Kritiker zum Schweigen bringen

Usain Bolt hatte nach seinem historischen 200 Meter-Olympiasieg in London viel zu erzählen. Über Frauen, einen möglichen Rücktritt vor Olympia 2016, aber vor allem wetterte er über den großen Carl Lewis,  vor dessen Drang nach Aufmerksamkeit er allen Respekt verloren habe.

Beim Zieleinlauf seines 200 Meter Goldsprints bei Olympia 2012 in London hatte Usain Bolt noch den Zeigefinger über die Lippen gelegt - das Zeichen an seine vielen Kritiker, doch endlich den Mund zu halten. Die Zweifler sollten schweigen, reden wollte Bolt dagegen lieber selbst, ganze 60 Minuten auf der Pressekonferenz nach seiner zweiten Goldmedaille.

"Ich bin jetzt eine Legende - nun bewundert mich und meinen Ruhm. Und erzählt es in euren Ländern allen weiter. Sonst gibt es keine Interviews mehr mit mir!", haute Bolt den versammelten Journalisten um die Ohren. Zuvor hatte er fast eine ganze Stunde lang über Liebe, Lust und Leidenschaften geredet und auch seine Erfolge und Träume nicht ausgespart. Auch die Frage einer italienischen Journalisten, wie seine Traumfrau aussähe, brachte Bolt nur kurz aus der Fassung.

Bolt: Kein Respekt mehr vor Lewis

Kurz musste er schlucken, dann dachte er nach und meinte diplomatisch: "Ich mache das nicht vom Typ abhängig. Das Wichtigste ist, dass ich mich verliebe." Die Diplomatie kam ihn dann aber etwas abhanden, als er gefragt wurde, ob er sich denn mittlerweile mit dem großen Carl Lewis vergleiche. "Gegenüber Lewis habe ich jeden Respekt verloren. Er hat andere Athleten herunter gemacht und giert nur nach Aufmerksamkeit, weil kein Mensch mehr von ihm spricht", schimpfte der Jamaikaner laut guardian.co.uk.

Lewis hatte sich im Vorfeld der Spiele über die seiner Meinung nach zu laschen Doping-Tests in Jamaika geäußert und Chancengleichheit angemahnt. Für alle Sportler müssten schließlich die gleichen Voraussetzungen gegeben sein. Es könne nicht angehen, dass in einigen Ländern weniger scharf und in anderen dafür umso härter und konsequenter auf illegale Substanzen getestet werde. Schon 2008 hatte Lewis bereits indirekt Zweifel an Bolts Sauberkeit geäußert.

Andere ehemalige Leichtathleten fanden positivere Worte für Bolts Leistung. Immerhin hatte er für ein Novum in der Olympia-Geschichte gesorgt und bei zwei Sommerspielen hintereinander sowohl die 100 als auch die 200 Meter gewinnen können. "Ohne Usain Bolt wäre unser Sport in den letzten Jahren spurlos untergegangen», meint der viermalige Olympiasieger Michael Johnson, in London Experte für die BBC. "Wir schulden ihm große Dankbarkeit, denn er bringt die Leute ins Stadion."

Jamaika derzeit von einem anderen Stern

Doch nicht nur Bolt, sondern auch seine beiden Team- und Trainingspartner Yohan Blake (19,44 Sekunden) und Warren Weir (19,84), die Silber und Bronze über 200 Meter geholt und damit den jamaikanischen Sweep perfekt gemacht hatten, hatten sich ein dickes Lob verdient. "Diese Jungs sind gerade irgendwo auf einem anderen Stern", erkannte der chancenlose Viertplatzierte Wallace Spearmon aus den USA neidlos an. "Da kann man nur sagen: Gratulation!"

"Dafür bin ich hier her gekommen, jetzt bin ich eine Legende. Das ist es, was ich wollte. Und jetzt hab' ich es geschafft!", meinte Bolt. Doch so ganz fertig ist er in London noch nicht. Schließlich hat er mit der 4 x 100-Meter-Staffel noch eine dritte Chance auf Gold. "Es wird sicher eine gute Show zum Abschied", versprach der bisher fünfmalige Olympiasieger. Ob es auch sein Olympiaabschied wird? Ob er bis zu den Spielen 2016 in Rio tatsächlich weitermachen wolle, ließ er bisher offen. Aber in London wäre alles andere als ein sechster Titel sicher eine große Enttäuschung für Jamaika. Zum Schweigen würden sie die Zweifler und Kritiker aber sicher auch nicht bringen.