Vor einem Jahr bei der Ruder-WM war Lauritz Schoof untröstlich. Im Doppel-Vierer hatte er sich, mit seiner Crew in Führung liegend, einen Krebs eingefangen. Nun folgte die goldene Revanche. Das Judo-Glück perfekt machte Andreas Tölzer mit der insgesamt vierten Medaille.
Im Ruder-Sport gehört ein sogenannter Krebs zu den unglücklichsten Vorfällen. Denn dann verheddert sich ein Ruderer mit seinem Skull oder Riemen beim Verlassen des Wasser und fast automatisch kommt das Boot ins Trudeln und die Geschwindigkeit geht verloren.
Was eher nach einem Anfängerfehler klingt, passiert auch routinierten Ruderern, so etwas Lauritz Schoof im vergangenen Jahr bei der WM. Sein Doppel-Vierer lag souverän in Führung, es ging nur noch darum, ins Ziel zu kommen. Doch dann kam der Krebs, Gold war weg und seine Mannschaft mit Karl Schulze, Philipp Wende, und Tim Grohmann hielt nur Silber in den Händen.
Woran ein Team auch zerbrechen kann, hat die Crew nur stärker gemacht. Schoof brauchte zwar die Hilfe eines Mentaltrainers von Schlulze, Wende und Grohmann kam aber nie ein Vorwurf. Stattdessen der Schwur, bei Olympia in London zurückzuschlagen. Und genau das gelang, denn der deutsche Doppel-Vierer zeigte ein grandioses Rennen und ließ den großen Favoriten Kroatien, der in diesem Jahr den Weltcup gewonnen hatte, deutlich hinter sich.
Angriff des Favoriten gekontert
Schon beim Betreten des Siegersteges ließ Schulze dann die Muskeln spielen. Mit der Pose eines Bodybuilders strahlte er in die Kameras und brüllte vor Freude ein langgezogenes "Jaaaa". Zusammen mit seinen Teamkollegen feierte er ausgelassen die verblüffende Triumphfahrt auf dem Dorney Lake. "Heute hat alles gepasst. Als die Kroaten angegriffen haben, sind wir weggezogen. Das war der Knackpunkt", kommentierte Schlagmann Grohmann.
Die überraschende Dominanz mit einer Bootslänge Vorsprung genossen die Kraftpakete in vollen Zügen. Inbrünstig sangen sie bei der Siegerehrung die deutsche Hymne mit und ließen sich im Anschluss von Familienmitgliedern und Freuden feiern. "Mein Gott, was gibt es Schöneres. Nach dem letzten Jahr war das die Revanche", kommentierte der überglückliche Schulze.
Damit steht der DRV nach Gold für den Achter und Silber für den Frauen-Doppelvierer bereits vor dem letzten Finaltag deutlich besser da als noch in Peking. Vor vier Jahren hatte es nach der dürftigen Bilanz mit jeweils einmal Silber und Bronze Kritik an dem über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Verband gegeben. "Gold im Achter und Vierer werden uns deutlichen Auftrieb geben", sagte Buschbacher.
Tölzer: "Ich fühle mich wie ein Sieger"
Auch im Judo steht eine starke und intakte Mannschaft hinter den Athleten, das war auch am letzten Tag im Schwergewicht zu erkennen. Die bisherigen Medaillengewinner Ole Bischof, Kerstin Thiele und Dimitri Peters feuerten Bronzemedaillengewinner Andreas Tölzer auf der Tribüne inbrünstig an. 2008 - bei Bischofs Gold-Coup - hatten sich Bischof und Tölzer noch ein Zimmer im olympischen Dorf geteilt. Jubeln durfte damals nur Bischof - Tölzer ging in Peking leer aus. In London ließ sich Tölzer das olympische Edelmetall aber nicht mehr nehmen.
Gerne wäre der Mitfavorit auch ins Finale eingezogen, gegen den späteren Goldgewinner Teddy Riner aus Frankreich hätte Tölzer zu gerne gekämpft. Aber es kam anders, im Halbfinale gegen Alexander Mikhaylin aus Russland fand der wuchtige, aber trotzdem muskelbepackte Judoka, kein Mittel. Er unterlag Mikhaylin durch Bestrafung in der Verlängerung. Zu passiv hatte Tölzer agiert - und schlich enttäuscht von der Matte. "Er hat zu wenig getan. Er hat nicht das umgesetzt, was wir besprochen haben", klagte Bundestrainer Ultsch.
Doch im Bronze-Kampf wenige Minuten später war die Enttäuschung verflogen, gegen Ihar Makarau jubelte der 145-Kilo-Koloss nach seinem vorzeitigen Sieg nach drei Minuten Kampfzeit. "Ich bin wahnsinnig stolz auf diese BronzemedailleW, sagte Tölzer und fügte glücklich hinzu: "Ich fühle mich wie ein Sieger!" Im dritten Anlauf beendete Tölzer bei seiner dritten Teilnahme seinen persönlichen Olympia-Fluch mit der ersten Medaille.
