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Novak Djokovic und der Traum von der Vollkommenheit

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24. Mai 2014, 11:10 Uhr
Novak Djokovic
Novak Djokovic (r.) will Rafael Nadal unbedingt bezwingen

Novak Djokovic hat schon fast alles gewonnen. Die am Sonntag beginnenden French Open fehlen noch in seinem Portfolio. Coach Boris Becker soll in Paris der Schlüssel zum Erfolg sein.

Der "Kannibale" höchstpersönlich zog vor dem Pariser Showdown noch einmal den Hut vor seinem härtesten Widersacher. "Ich finde es großartig, wie er sich für die notleidenden Menschen in seiner Heimat engagiert. Respekt", lobte Titelverteidiger Rafael Nadal den unermüdlichen Novak Djokovic kurz vor den am Sonntag beginnenden French Open (bis 8. Juni).


 

Hilfe bei Flutkatastrophe

Für den serbischen Boris-Becker-Schützling war es zuletzt eine Herzensangelegenheit, seinen von einer Flutkatastrophe betroffenen Landsleuten auf dem Balkan zu helfen. Das Preisgeld (550.000 Euro) seines Master-Triumphes in Rom - übrigens gegen Nadal - spendete der Weltranglisten-Zweite vor einer Woche spontan. Dass er auch danach nicht müde wurde, an allen Fronten um Unterstützung für die Opfer zu werben und selbst noch einmal in die Tasche griff, sagt viel aus über den Charakter des Novak Djokovic.

Der seit Donnerstag 27-Jährige ist einer, der sich mit Leib und Seele bestimmten Dingen verschreibt. Und dabei immer authentisch bleibt. Ab Sonntag heißt seine zweiwöchige Mission erst einmal: "Paris erobern". Australian Open, Wimbledon, US Open? Alles schon mindestens einmal gewonnen. Der Triumph in Roland Garros aber fehlt dem "Djoker" noch in seinem Grand-Slam-Portfolio. "Ich gebe nicht auf, an meine Chance zu glauben", sagte der sechsmalige Major-Gewinner.

Coach Becker macht dann auch keinen Hehl aus dem Auftrag seines Schützlings. "Das Ziel ist es, die French Open zu gewinnen. Da braucht man nicht um den heißen Brei reden", sagte der dreimalige Wimbledonsieger bei bild.de. Becker weiß, wovon er spricht. Immerhin blieb es auch dem "Roten Baron" versagt, auf den berühmten Sandplätzen am Bois de Boulogne den Titel zu holen. Wie übrigens auch den Ikonen Pete Sampras, John McEnroe oder Stefan Edberg.
 

Geduld wichtig

Der werdende Vater Djokovic will nicht auf dieser Liste der irgendwie Unvollkommenen landen. Auch deshalb hatte er im Dezember 2013 Becker verpflichtet. Der mit allen Wassern gewaschene Weltenbummler soll dem Serben das mentale Rüstzeug für die Geduldsproben auf der roten Asche geben. "Im vergangenen Jahr gab es einige wichtige Matches, in denen ich meine Chancen nicht genutzt habe", meinte Djokovic: "Das war kein spielerisches, sondern ein psychisches Problem. Daran habe ich mit Boris intensiv gearbeitet."

Offenbar mit Erfolg. Im Finale von Rom am vergangenen Wochenende besiegte "Nole" Sandplatzkönig Nadal, genannt "der Kannibale", auf dessen Schokoladenbelag. Jenen Nadal, der bei den French Open mit acht Titeln in den vergangenen neun Jahren Rekordsieger ist und in Paris nur eins seiner insgesamt 60 Matches verloren hat (2009 im Achtelfinale gegen Robin Söderling/Schweden).

Im vergangenen Jahr war Djokovic dicht dran. Doch in einem irrwitzigen Halbfinale gegen Nadal behielt der Spanier mit 9:7 im entscheidenden Satz die Oberhand. "Es war einer der schwersten Momente meiner Karriere. Aber irgendwann werde ich hoffentlich auch in Paris gewinnen", sagte Djokovic rückblickend.
 

Nadal schlagbar

Und die Zeichen stehen diesmal nicht schlecht, die Scharte auszuwetzen. Die Nummer zwei des Rankings hat gegen Branchenführer Nadal die vorangegangenen vier Duelle gewonnen. Von den letzten drei Vergleichen auf Sand siegte Djokovic zweimal. Nadal schwächelt derzeit auch auf seiner geliebten Asche.

Becker jedenfalls ist vor der Mission Eiffelturm optimistisch. Einstellung und Psyche seien "perfekt", dazu bringe Djokovic mit mehr Aggressivität und einer anderen Spielposition Nadal in Bedrängnis. Einen Anteil daran beansprucht der 46-jährige Becker auch für sich: "Ich glaube, das ist auch der Grund, warum er mich in sein Team geholt hat. Tennisspielen brauche ich ihm nicht beizubringen."

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