800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann hat die sinkende Attraktivität der Leichtathletik für Jugendliche kritisiert. "Ich habe manchmal den Eindruck, dass Themen wie der Anti-Doping-Kampf einen viel höheren Stellenwert haben als die Nachwuchsförderung", sagte der Goldmedaillengewinner von 2000 in Sydney in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Portal trainingsworld.de. "Natürlich spielt der Kampf gegen Doping eine wichtige Rolle, aber ich habe das Gefühl, die Relationen gehen verloren." Wenn er heute sehe, was die jungen Athleten an Regularien oder Statuten und Pflichtstarts über sich ergehen lassen müssten, "da frage ich mich, wo der Anreiz für den Leistungssport bleibt". Problematisch findet Schumann auch die Sportfördersysteme in Deutschland, auch wenn er nicht alles genau kenne. "Das sind auch sehr subjektive Erfahrungen, die ich gemacht habe, aber bei uns fängt der Ärger ja oftmals schon damit an, dass über Fahrtkostenrückerstattungen diskutiert werden muss", meinte Schumann. "Ganz ehrlich: Ich habe selber einen vierjährigen Sohn, dem ich heute nicht mehr empfehlen würde, als Läufer in den Leistungssport zu gehen." Überhaupt beobachte er den Laufbereich mit Sorge. "Bei uns in Deutschland gibt es sicherlich hier und da mal ein Talent, aber leider fehlt die Breite", sagte Schumann. Das sei eine Entwicklung, die nicht nur ihm, sondern auch vielen Aktiven und Trainern Sorge bereite. "Deshalb darf man auch nicht überrascht sein, wenn bei den Olympischen Spielen nichts Zählbares im Laufbereich herauskommt", meinte Schumann.
