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Von: Henning Schulz
Datum: 11. Oktober 2012, 06:55 Uhr
Format: Artikel
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NHL: Kein Ende des Lockouts in Sicht, Spieler kommen nach Europa

Dominik hasek, nhl, stanley cup
Dominik Hasek stemmt den Stanley Cup

Einen Tag vor dem ursprünglichen Saisonstart der NHL steht in den Sternen, ob dieses Jahr in den USA und Kanada überhaupt NHL-Eishockey gespielt werden wird. Schuld daran ist der Lockout der Spieler, da sich Liga und Spielergewerkschaft NHLPA auf keine finanzielle Vereinbarung einigen können.

Während sich die NHL-Profis scharenweise auf den Weg nach Europa machen, unternehmen Liga und Spielergewerkschaft einen weiteren Versuch, diese Saison noch zu retten. Doch derzeit liegen die beiden Parteien noch weit auseinander.

In der im Sommer ausgelaufenen Vereinbarung zwischen Besitzern und Spielern war niedergelegt worden, dass 57 Prozent der NHL-Gesamteinnahmen an die Spieler gehen sollten. Diese Summe sei zu hoch gewesen, sagen aber die NHL-Besitzer und verweisen dabei auf die 18 NHL-Clubs, die vergangene Saison Rote Zahlen geschrieben haben.

Diese Zahl möchte die Liga auf 49 Prozent nächste Saison und 47 Prozent am Ende ihres vorgeschlagenen Sechs-Jahres-Vertrages verringern - damit ist die NHL den Spielern bereits entgegen gekommen, lag ihr Anfangsangebot doch nur bei 43 Prozent.

NHL und Spieler liegen eine Milliarde US-Dollar auseinander

Die Zahlen der Spielergewerkschaft NHLPA, die die Interessen der NHL-Profis vertritt liegen natürlich deutlich drüber und bewegen sich zwischen 52 und 54 Prozent der Gesamteinnahmen. Um es kurz zu machen: Die beiden Parteien liegen insgesamt noch etwa eine Milliarde US-Dollar auseinander.

Nicht die besten Voraussetzungen, um eine schnelle Einigung zu erreichen, aber diese Woche soll es zu weiteren Gesprächen kommen, auch wenn dort keiner der großen Streitpunkte angesprochen werden soll. Aber nicht nur beim Thema Geld liegen die beiden Seiten noch weit auseinander, sondern auch bei anderen wichtigen Punkten.

So fordern die Besitzer eine Höchstdauer der Spieler-Verträge von fünf Jahren. Ein Spieler soll zehn Saisons in der NHL spielen, bevor er unrestricted free agent (ufa) wird und sich damit selber einen neuen Club suchen und einen Vertrag aushandeln kann - bisher waren es sieben Saisons oder der 27. Geburtstag, die einen NHL-Profi zum ufa werden ließen.

Kein Laufzeit-Limit bei NHL-Verträgen

Die Spieler hingegen wollen keine Obergrenze bei Vertragslaufzeiten, ein Limit, was die Clubs an Nicht-Spieler ausgeben, also de facto eine Gehaltsobergrenze für Trainer, Club-Manager und andere Angestellte. Und außerdem einen größeren Finanzausgleich zwischen den Teams, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen.

Das alles führt nun zu einer Spielerwanderung aus Amerika nach Europa, wie einst die Goten vertrieben von den Hunnen aus ihren Gebieten ins römische Reich einzogen. Und diesmal fiel sogar der Limes in Großbritannien, denn Drew Miller von den Detroit Red Wings schloss sich dem Braehead Clan im schottischen Renfrewshire an und spielt künftig in der Elite Ice Hockey League, der höchsten Liga Großbritanniens.

NHL-Stars strömen nach Europa

Weniger exotisch sind die meisten anderen Ligen und Teams, denen sich NHL-Spieler anschlossen. So hat auch die DEL weitere NHL-Stars hinzubekommen: Die Eisbären Berlin verpflichteten die beiden Center der Philadelphia Flyers Claude Giroux und Daniel Brière

Neben den beiden Flyers-Stars haben nur wenige NHL-Spieler ihren Weg in die DEL gefunden. Die Mannheim Adler holten die beiden Deutschen Marcel Goc (Florida Panthers) und Dennis Seidenberg (Boston Bruins), die Hamburg Freezers Jamie Benn von den Dallas Stars.

Ansonsten waren noch unterklassige Clubs aktiv. So verpflichtete der SC Riessersee Matt D'Agostini von den St. Louis Blues und die Eispiraten Crimmitschau Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers) und Chris Stewart (St. Louis Blues).

KHL und NLA profitieren vom NHL-Lockout

Ganz anders sieht es aber in den Ligen in Russland (KHL) und der Schweiz (NLA) aus. Nicht weniger als 18 NHL-Stars mit einem satten Jahressalär von zusammen weit über 50 Millionen US-Dollar haben ihren Weg in die NLA gefunden. Zuletzt der Schwede Henrik Zetterberg von den Detroit Red Wings, der sich dem EV Zug angeschlossen hat.

Andere große Namen sind Jason Spezza (Ottawa Senators), Rick Nash (New York Rangers) und Joe Thornton (San José Sharks). Nur die ZSC Lions und Fribourg-Gottéron haben sich als einziger der zwölf NLA-Clubs keinen NHL-Spieler geleistet.

Noch größer der Strom der NHL-Spieler, der in die russische KHL geflossen ist. Über 30 haben sich mittlerweile auf den Weg nach Russland gemacht und dabei nicht nur russische Stars wie Evgeni Malkin, der bei seinem Club Metallurg Magnitogorsk 33.000 US-Dollar pro Spiel verdient, sondern Spieler aus vielen Nationalitäten wie der finnische Goalie Pekka Rinne (Nashville Predators), der Kanadier Evander Kane (Winnipeg Jets) und der US-Amerikaner Ryan McDonagh (New York Rangers).

Dominik Hasek macht endgültig Schluss

Die Schwemme der NHL-Stars in der KHL hat dazu geführt, dass die Eishockey-Fans in Nordamerika nicht in die Röhre schauen müssen: ESPN hat angekündigt, sieben Spiele der KHL in den USA zu übertragen. Was den NHL-Fans aber nur ein kleiner Trost sein dürfte.

Einen ihrer größten Spieler haben sie auf jeden Fall verloren: Goalie-Legende Dominik Hasek erlärte endgültig seinen Rücktritt vom Eishockey, nachdem der Lockout eine Rückkehr in die NHL unwahrscheinlich gemacht hat.