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Von: Sven Kittelmann
Datum: 29. August 2012, 07:12 Uhr
Format: Artikel
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NFL: Junge Quarterbacks auf dem Vormarsch, Dez Bryant von den Dallas Cowboys kriegt Benimmregeln

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Nicht nur die Cornerbacks auf dem Feld folgen Dez Bryant (li.)

"Um 22 Uhr bist du Zuhause", das klingt nach Teenager. Aber sicher nicht nach einem Profi wie Dez Bryant, der solche Regeln auferlegt bekommen hat. Der sportal.de-Kolumnist stellt angesichts der Jungspund-Schwemme bei den Quarterbacks einen eigenen NFL-Knigge auf.

Dez Bryant hat von den Dallas Cowboys, nachdem er zuletzt seine Mutter Angela angegriffen hatte und bereits zuvor mehrfach aufgefallen war, einen strikten Benimm-Katalog bekommen, zudem darf er sich über die ständige Begleitung von Aufpassern freuen. Kein Alkohol, keine Strip-Clubs, nur Nacht-Clubs, die von den Cowboys genehmigt sind und ein Zapfenstreich, sind die Bedingungen, denen sich der 23-jährige, unbestritten sehr talentierte, Wide Receiver unterwarf.

"Das sind mehr Regeln, als so mancher Grundschüler zu befolgen hat", meinte unter anderem der ESPN-Experte Adam Schefter. Cowboys-Besitzer Jerry Jones ruderte laut foxsports.com auch bereits zurück. Er wisse nicht, wie die angeblichen Regeln an die Öffentlichkeit gekommen wären, das Team habe keine Details an die Medien weitergegeben.

Ob nun harsche Regeln, oder nur Empfehlungen des Teams, es bleibt die Frage, ob es ein erwachsener Mensch wie Dez Bryant - der zudem von Dallas 2,3 Millionen US Dollar im Jahr bekommt - nötig haben muss, Benimmregeln vorgesetzt zu kriegen.

NFL-Knigge für junge Quarterbacks

Schaut man sich allerdings die diversen Schlagzeilen vieler NFL-Akteure an, muss man fast schon konstatieren: So unnötig ist ein solcher Knigge für das Benehmen neben dem Feld nicht. Warum die Herren gerne einmal über die Strenge schlagen, habe ich bereits des Öfteren philosophiert: Sie sind es von Jugendbeinen an gewohnt, die Stars und umworben zu sein. Ein Realitätsbewusstsein lässt sich da oft schwer entwicklen.

Weniger Sorgen neben dem Feld dürften die neun Jungspunde der vergangenen beiden NFL-Drafts haben, die als Quarterbacks ihre Teams in das erste Saisonspiel führen werden. Cam Newton von den Carolina Panthers, Blaine Gabbert von den Jacksonville Jaguars, Jake Locker von den Tennessee Titans, Andy Dalton von den Cincinnati Bengals und Christian Ponder von den Minnesota Vikings sind in ihrem zweiten Jahr bereits NFL-Luft gewöhnt.

Mit den Rookies Andrew Luck von den Indianapolis Colts, Robert Griffin III von den Washington Redskins, Brandon Weeden von den Cleveland Browns, Russell Wilson von den Seattle Seahawks und Ryan Tannehill von den Miami Dolphins sind fünf weitere Neulinge bei ihren Teams für die erste Partie gesetzt.

Diese Tatsache verleitet mich dazu, den hier genannten Neun gleich einmal einen NFL-Knigge der besonderen Art an die Hand zu geben, der nach meiner Fan- und Kolumnistenerfahrung helfen könnte.

1. Du sollst die NFL-Veteranen ehren

Das gilt vor allem für Russell Wilson, der, nach gesundem Menschenverstand, eigentlich Matt Flynn bei der Arbeit zusehen sollte. Flynn wurde in der Offseason von den Green Bay Packers verpflichtet, wo er hinter Aaron Rodgers wenig Aussicht auf einen Stammplatz hatte. Bei den Seahawks sollte das anders werden, Seattle zahlte ihm immerhin 10 Millionen US Dollar als Garantiesumme, bei vollständiger Erfüllung seines Fünfjahresvertrages würde er durchschnittlich knappe vier Millionen pro Saison verdienen.

Das Geld scheint nun dafür angelegt, damit Flynn das macht, was er bereits seit 2008 in Green Bay machte: Das Klemmbrett mit den Spielzügen halten. Wirklich unbefriedigend für jemanden, der seit dem letzten Jahr immerhin den Rekord der meisten Passing Yards und Touchdowns bei den Packers hält. Da sollte Wilson zumindest außerhalb des Feldes gute Kinderstube beweisen und seinem Eigentlich-Ersatzmann auch mal einen Drink spendieren. Seine Ex-Teamkollegen von den Packers wollen Flynn übrigens auch zurück. Denn für diesen Job hat er das heimelige Wisconsin sicher nicht verlassen.

2. Lege Dich nicht mit Deiner O-Line an

Auch wenn es für seinen Vorgänger Peyton Manning kaum Konsequenzen hatte, sollte Andrew Luck sich bei den Indianapolis Colts darauf besinnen, es sich nicht mit seiner Offensive Line zu verscherzen. Manning war sich zumindest in seiner langen Karriere des Öfteren nicht zu Schade, auf den großen Jungs, die ihn beschützen sollen, herumzuhacken - wenn es mal nicht für ihn lief. Am Ende verziehen ihm die Center, Guards und Tackles diese Worte, die Fans und ein NFL-Kolumnist jedoch nicht.

3. Nicht in der Teamhistorie blättern

Tim Couch, Luke McCown, Charlie Frye, Brady Quinn oder Colt McCoy sind zum einen die Vorgänger Brandon Weedens, zum anderen schlechte Ansprechpartner für den Rookie, der die Cleveland Browns zu neuen Höhen führen soll. Denn diese fünf waren allesamt frisch gedraftete Quarterbacks, die seit Neugründung des Teams 1999 für alten Glanz in Cleveland sorgen soll. Couch, der sogar als allererster Draft-Pick zu den Browns kam, spielte nach 2003 kein einziges NFL-Down mehr, auch der Rest der hoffnungsvollen Neulinge verschwand früher oder später bei anderen Teams und vor allem in der Versenkung. Bleibt für Weeden nur zu hoffen, dass er den Fluch im 13. Jahr brechen kann.

4. Nicht auf die Erwartungshaltung hören

In Washington feiert man Rookie Quarterback Robert Griffin III als die beste Erfindung seit geschnitten Brot. Das ist bei den Redskins nicht ganz ungefährlich, wie die jüngste Vergangenheit beweist. Immer wieder holte Teambesitzer Daniel Snyder Hochkaräter um Hochkaräter, nur um festszustellen, dass Geld nicht immer NFL-Touchdowns erzielt.

Abschreckendstes Beispiel, dass in Washington auch heute noch den Kindern als Bi-Ba-Butzemann genannt wird, ist Albert Haynesworth. Der kam 2009 und unterschrieb einen Siebenjahresvertrag, der ihm 100 Millionen US Dollar einbringen sollte. 20 enttäuschende Spiele später verabschiedete Coach Mike Shanahan den Defensive Tackle, der gerne mal das Training versäumte, mit den Worten, "er sei sehr schädlich für das Team" gewesen.

5. Nicht auf die armen Divisionsrivalen einhacken

Die Miami Dolphins sind in den letzten Jahren nicht auf Rosen gebettet, das dürfte auch Rookie Quarterback Ryan Tannehill mittlerweile mitbekommen haben. Für Dolphins-Fans dürfte in diesem Jahr aber nicht nur die Tatsache tröstlich sein, dass sie mit Tannehill einen sehr talentierten Spielmacher haben, sondern dass bei den New York Jets derzeit das Quarterback-Desaster herrscht. Dort hat das neue Gespann Mark Sanchez/Tim Tebow in drei NFL-Preseason-Partien noch keinen einzigen Touchdown durch die Luft zustande gebracht.

Kein Grund zur Sorge für Coach Rex Ryan, der bekanntlich auch kein Leisesprecher ist. Er spekuliert, dass die Angst vor Tebow-Einsätzen bei Trickspielzügen in der Liga umgeht. Vielleicht ist es eher die helle Freude, dass er seinem Team bisher mit der Tebow-Verpflichtung und der daraus resultierenden Spielmacher-Diskussion erst einmal die Playoffchancen genommen hat. Und auch Kopfschütteln, dass er seinem Backup-Quarterback Tebow, der sicher noch etwas Praxis bräuchte, ebenso wie Sanchez für das vierte Vorbereitungsspiel freigegeben hat.

Terell Owens nicht mehr bei den Seahawks

Apropos Playoffchancen. Ob mit Wilson oder Flynn, Terrell Owens, über den ich in der letzten Woche geschrieben habe, hat diese bei den Seattle Seahawks nicht mehr. Er wurde wieder in Seattle entlassen, bedankte sich aber artig für die Möglichkeit und schloss per Twitter mit den Worten: "Mein Glaube ist intakt." Ich wüsste noch einen Job für ihn, um seine Schulden begleichen zu können: Bei den Dallas Cowboys, nein, nicht als Benimm-Coach, aber als Aufpasser für Dez Bryant. Oder als schlechtes Beispiel?