Die seit Tagen wegen ihrer Beziehung zu einem Mann mit rechter Gesinnung in der Öffentlichkeit stehende Nadja Drygalla hat sich erstmals geäußert. In einem Interview sagt Drygalla, ihr Freund hab sich aus der rechten Szene gelöst und bestreitet, selbst aktiv gewesen zu sein.
Drygalla erzählt der Nachrichtenagentur dpa außerdem, wie sie schon früh Einfluss auf den früheren NPD-Direktkandidaten Michael Fischer genommen hat, warum sie den Polizeidienst verlassen hat und wie ihre sportliche Karriere in Zukunft weitergehen soll.
Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?
Nadja Drygalla: Mir geht es nicht gut, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und ziemlich überraschend.
Wer ist zuerst in London an Sie herangetreten?
Drygalla: Am Donnerstag habe ich die ersten Anrufe von Medien und vom DRV-Sportdirektor Mario Woldt bekommen. Danach bin ich mit ihm zu Herrn Vesper vom DOSB gefahren.
Sind Sie dort mit Vorwürfen konfrontiert worden?
Drygalla: Es waren keine Vorwürfe. Er hat mir gesagt, dass sie Kenntnis von meinem privaten Umfeld erhalten haben und hat gefragt, wie das zustande kommt. Herr Vesper wollte wissen, wie die derzeitige Situation mit meinem Freund Michael Fischer ist und wie ich zu ihm stehe. Im Laufe des Gesprächs und einer Beratung habe ich von mir aus den Vorschlag gemacht, dass ich aus dem olympischen Dorf abreise. Es war meine Entscheidung.
Weshalb haben Sie sich dazu entschieden?
Drygalla: Ich wollte einfach die Belastung von der Mannschaft nehmen, die zum Teil immer noch im Wettkampf steckte und sich darauf konzentrieren sollte. Ich wollte nicht durch den Rummel um meine Person auch noch andere Leute belasten.
Wie sehr hat Sie die anschließende Welle überrascht?
Drygalla: Sehr. In welchem Maße das alles kam, hatte ich nicht erwartet, weil mein Freund seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr ist und persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet hat. Ich hielt das Thema für mich persönlich schon vor den Olympischen Spielen für erledigt.
Distanziert sich Ihr Freund, Michael Fischer, auch von den Nationalen Sozialisten Rostocks?
Drygalla: Ja, auch von denen.
Welchen Anteil hatten Sie an dieser Entscheidung?
Drygalla: Ich denke, dass ich schon einen ziemlichen Anteil habe. Aber dieser Austritt ist ja nicht alles. Diesen Schritt, sich abzuwenden und von dem Gedankengut zu lösen, muss man selber wollen. Es ist nicht ein Schritt von heute auf morgen, aber ihm ist von sich aus bewusst geworden, in welche Richtung er gehen möchte, wie er in geregelten Bahnen weitermachen will.





