Sebastian Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber hat sich als Motorsport-Purist geoutet. Dem Australier missfallen scheinbar sämtliche Aspekte der modernen Formel 1, weswegen er grundlegende Änderungen fordert. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen konterte die Kritik umgehend.
DRS, Pirelli-Reifen,KERS - Erfindungen, die die Formel 1 in den letzten Jahren zuschauerfreundlicher machten, sind bei den Motorsport-Puristen noch immer äußerst umstritten. Für Mark Webber steht fest, dass die grundlegenden Änderungen der letzten Jahre zu extrem sind.
"Wir müssen ein wenig zurückfahren und uns mehr auf das Racing besinnen", erklärte der aktuelle WM-Sechste: "Wir müssen eine bessere Balance für Fans und Fahrer finden. Im Moment sind wir davon zu weit entfernt."
Als Beispiel führte der 36-Jährige den Großen Preis von China 2011 an. "Ich bin durchs Feld geglitten und habe pro Runde 2,5 Sekunden aufgeholt, weil ich im Qualifying Reifen gespart habe. Das war nicht richtig", sagte Webber. Damals ging der Red-Bull-Pilot von Rang 18 ins Rennen und wurde am Ende noch Dritter.
Webber stört aber auch die Überrundung von Mercedes-Pilot Lewis Hamilton beim letzten Rennen in Spanien, als der britische Mercedes-Pilot von Platz zwei startend mit Reifenproblemen bis auf Rang zwölf zurückfiel: "Er war bis Runde fünf oder sechs bei Alonso. Da läuft was nicht richtig."
Kimi Räikkönen kontert die Kritik
Ganz anders beurteilt Kimi Räikkönen die Situation der Königsklasse. "Ich weiß nicht, warum sich alle beschweren. Die Autos sind ein bisschen anders geworden und die Reifen auch, aber für uns fühlt es sich immer noch ziemlich ähnlich an", so der Finne gegenüber "Motorsport Total".
Seit jeher ist das Ziel für den Finnen, möglichst schnell zu fahren. "Aber es gibt halt Grenzen. Entweder ist es das Auto oder es sind die Reifen", sagte der Iceman. Die Debatte über die Haltbarkeit der Slicks wies er als übertrieben zurück: "Wenn du versuchst, 15 Runden länger mit einem Reifensatz zu fahren als die anderen, dann kannst du klarerweise nicht immer 100 Prozent fahren."
"Wir kennen das alles von früher"
Das aktuelle Reifensparen ist für Räikkönen ähnlich wie vor den Regeländerungen. "Es ist eine Art und Weise, etwas anders zu machen und trotzdem die gleichen Ergebnisse zu erreichen", erklärte der 33-Jährige: "Du kannst ja auch nicht halb so viel Benzin verbrauchen und die gleichen Rundenzeiten fahren. Wir kennen das alles von früher."
Zu den Zeiten, als Überholen praktisch auf jeder Strecke unmöglich war, und die Reifen eine ganze Renndistanz hielten, will aber auch Webber nicht zurück. "Fragen sie irgendeinen F1-Fahrer: Ja, es war frustrierend, über eine volle Grand-Prix-Distanz hinter einem Auto festzuhängen", sagte der Australier: "Ich war in der Situation, viele andere waren es, und das macht nicht besonders viel Spaß."
Autor: Alexander Maack
