Über acht Jahre nach seinem bisher einzigen Sieg auf der European Tour ist Marcel Siem der größte Erfolg seiner Karriere gelungen. Er gewann mit der Open de France eines der größten Turniere der Tour. Als Zugabe gab es die Qualifikation für die British Open.
Marcel Siem hat seine bisher beste Saison auf der European Tour mit dem Sieg bei der Open de France in Paris gekrönt. Es war sein erster Turniersieg seit rund achteinhalb Jahren. Im Jahr 2004 hatte er bei der Dunhill Championship seinen ersten Erfolg gefeiert. Der ist jedoch nicht zu vergleichen mit dem heutigen Triumph.
Die Open de France ist nicht irgendein Turnier, sondern eines der größten, prestigeträchtigsten und am höchsten dotierten auf der Tour. Für seinen Sieg gegen ein Weltklassefeld kassierte Siem ein Preisgeld in Höhe von 525.000 Euro und qualifizierte sich nebenbei auch noch für die British Open in zwei Wochen. Die Spielberechtigung für die nächsten drei Jahre auf der European Tour soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.
"Ich bin so glücklich. Dieser Sieg bedeutet mir unglaublich viel", erklärte Siem bei skysports.com. Es war seine fünfte Top-10-Platzierung in dieser Saison, auch das ist Ausdruck der neuen Stärke des Marcel Siem, der früher für sein launisches Spiel und sein bisweilen überschäumendes Temperament bekannt war.
Ruhiger und konstanter ist er geworden, auch wenn er in dieser Saison mit unkonzentrierten Schlägen schon bessere Ergebnisse verschenkt hat. "Ich habe so viele Turniere auch in diesem Jahr wieder zerstört. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, dass ich es zu Ende gebracht habe", so Siem.
Kaymer abgeschlagen, Siem bärenstark
Der 31-Jährige setzte sich mit einem Gesamtergebnis von acht Schlägen unter Par vor Francesco Molinari aus Italien (-7) durch. Dritter wurde Raphael Jacquelin aus Frankreich (-6). Martin Kaymer, der das Turnier 2009 gewinnen konnte, beendete ein für ihn katastrophales Wochenende auf dem 70. und damit letzten Platz. Mit Runden von 78 und 77 Schlägen wurde er mit insgesamt 16 über Par ans Ende des Feldes durchgereicht. Siem ist nach Kaymer und Bernhard Langer (1984) der dritte deutsche Sieger bei der Open de France.
Wie man auf dem schweren Kurs im Le Golf National spielen muss, bewies Marcel Siem am Schlusstag. Der schwere Platz, auf dem 2018 der Ryder Cup ausgetragen wird, verzeiht kaum Fehler. Man muss die Fariways und Grüns treffen und vor allem die Birdiechancen nutzen, wenn sie sich bieten. Das hatte Siem vor allem am Vortag verpasst und wurde mit einer 73 abgestraft. Nicht so auf den letzten 18 Löchern, auf denen der 31-Jährige sein Spiel hervorragend zusammenhielt.
Siem behält die Nerven
Mit Birdies auf der 3, 6 und 9 hatte er sich in Position gebracht, nachdem Molinari mit einer fantastischen 64 frühzeitig im Clubhaus war und mit insgesamt -7 die zu schlagende Bestmarke aufgestellt hatte. Als Siem auf die letzten Löcher kam und sich das Feld immer dichter zusammenschob, behielt er die Nerven.
Ein gelochter langer Par-Putt auf der 13 war ebenso wichtig, wie das Birdie auf der 14, nach einem guten Bunkerschlag. Mit einem weiteren Birdie auf der 15 erarbeitete sich Siem zwei Schläge Vorsprung, wohl wissend, dass auf der 17 und 18 noch zwei brutal schwere Spielbahnen warteten.
Am vorletzten Loch hatte der Deutsche bisher Par, Doppelbogey und Bogey gespielt, doch diesmal kam alles anders. Mit dem zweiten Schlag traf er tatsächlich den Stock und der Ball blieb zwei Meter neben dem Loch liegen. Der Birdie-Putt wollte jedoch nicht fallen und so musste Siem auf der letzten Bahn noch zittern.
Kurze Zitterpartie an der 18
Der Abschlag landete prompt im Bunker und nun hatte Siem tatsächlich noch einmal richtig Stress. Ein Schlag über das Wasser auf das Grün war aus dieser Lage nicht denkbar und so legte er zunächst auf das Fairway ab. Nun kam alles auf den dritten Schlag an.
Bloß nicht ins Wasser lautete die Devise und der Druck war Siem anzusehen. Mehrfach prüfte er den Wind und setzte neu zum Schlag an. Mit Erfolg, er setzte den Ball sicher aufs Grün. Erleichtert genoss er den Applaus der Fans und ballte die Faust.
Noch war die Arbeit zwar nicht ganz erledigt, aber als Flight-Partner Henrik Stenson seine letzte Siegchance mit einem katastrophalen Chip ins Wasser und einem folgenden Triple-Bogey verspielt hatte, machte Siem den Sack zu. Der Par-Putt ging knapp vorbei, da aber auch das einzige Bogey des Tages nichts an seinem Sieg änderte, strahlte er danach über das ganze Gesicht.
