Nach insgesamt 14 Monaten hat Luka Modric es geschafft, Tottenham Hotspur zu verlassen. Der kroatische Star wechselt für über 40 Millionen Euro aus London zu Real Madrid. Wir beleuchten den Wechsel und fragen uns auch, wie José Mourinho nun spielen will.
Modric bekommt einen Fünfjahresvertrag in Madrid, nachdem er 2011 bereits zu Chelsea wechseln wollte, damals von den Spurs aber keine Freigabe erhalten hatte. Modric zeigte aber nach Ablauf der Transferperiode in der abgelaufenen Saison starke Leistungen für den Londoner Traditionsclub, für den er insgesamt 160 Spiele bestritt.
Madrid und Tottenham wollen zudem in der Zukunft "kooperieren", wie beide Clubs mitteilten, was nach jetzigem Stand wohl nur heißen kann, dass die Spurs eine Art Farmteam für Real Madrid geben. Der angestrebte Wechsel Nuri Sahins im Gegenzug zu Modrics Transfer kam jedenfalls nicht zustande, der Türke ist jetzt in Liverpool.
Beide Teams hatten einen durchwachsenen Saisonstart mit nur einem Punkt aus den ersten beiden Ligaspielen. Für Madrid war es gar der schlechteste Auftakt seit elf Jahren, aber Emilio Butragueno, Real-Verantwortlicher "für internationale Beziehungen", bestritt laut Marca, dass der Zeitpunkt des lange erwarteten Modric-Deals dem gestiegenen Druck nach der 1:2-Niederlage in Getafe geschuldet war.
Luka Modric: Verdrängt er Mesut Özil?
Modric ist der erste Neuzugang überhaupt für den Spanischen Meister in diesem Sommer. Schon im Rückspiel des spanischen Supercopa am Mittwoch in Barcelona könnte er sein Debüt im Estadio Santiago Bernabéu geben. Interessant ist natürlich, welche Rolle ihm zugedacht wird, und was das für Mesut Özil heißt.
Der Deutsche war zuletzt scharf kritisiert worden und hatte in den ersten Saisonspielen keine Akzente setzen können. Modrics ideale Position ist im Gegensatz zu der Özils etwas tiefer im Mittelfeld, so dass sich etwa an ein 4-3-3-System denken lassen könnte - dann wohl ohne Özil. Ein zentrales Mittelfeld mit Xabi Alonso, Modric und Sami Khedira böte für Mourinhos schnellen Umschaltfußball exzellente Möglichkeiten, und Özil wäre dann das logische Opfer - so wie in Fällen in den letzten Jahren, in denen der Trainer die Defensive stärken wollte und Pepe als dritten zentralen Mann gebracht hatte.
Özil aber zeigte sich zunächst verständlicherweise nicht öffentlich beunruhigt und wurde von der Welt mit der Aussage zitiert: "Bei Real Madrid hat man doch immer Konkurrenz, ob die nun Kaká oder Luka Modric heißt", um noch zu präzisieren: "Real ist ein Club, der nie nur aus elf Spielern besteht, sondern aus 20 oder mehr Weltklasseleuten. In einer Mannschaft mit diesem Anspruch und diesen hohen Zielen muss man sich immer beweisen".
Und was macht Tottenham Hotspur?
Tottenham Hotspur, dessen neuer Trainer André Villas-Boas nach den Spielen in Newcastle (1:2) und gegen West Bromwich Albion (1:1) weiter auf einen Pflichtspielsieg wartet, will das Geld, das nach Angaben des Telegraph bei insgesamt knapp über 40 Millionen Euro, nach Auskunft von Soccernet nur bei 37 Millionen liegen soll, nun in den schon lange auf der Wunschliste stehenden Lyoner Keeper Hugo Lloris investieren.
OL scheint einem solchen Transfer nicht abgeneigt zu sein, wie Zitate von Präsident Jean-Michel Aulas in L'Équipe nahelegen. Die Entscheidung liege beim Spieler selbst, so der Mogul. Die dringend benötigte Ersatzlösung fürs Mittelfeld soll von Shakhtar Donetsks Willian verkörpert werden, der von seinem Trainer Mircea Lucescu nicht fürs Ligaspiel am Wochenende gegen Karpaty Lviv nominiert wurde und der die Londoner wohl mehr als 13 Millionen Euro kosten dürfte.
Außerdem gilt AVB als Bewunderer von Joao Moutinho, den er selbst in Porto trainierte. Alternativ könnte auch Leandro Damiao von Internacional ein Kandidat sein, der für Brasilien bei den Olympischen Spielen in London aktiv war.
Modric wurde derweil als erster Spieler seit Karim Benzema vor drei Jahren auf dem Rasen des Bernabéu-Stadions vorgestellt - vor kaum 100 Zuschauern.



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