Lance Armstrong hat keine Lust. Er gibt auf, erhebt keine Einsprüche gegen Ermittlungen der Doping-Jäger und will zu dem Thema nichts sagen. Ein Eingeständnis sei dies natürlich nicht. Seine sieben Tour-Titel ist er nach dem Willen der USADA los.
Nach Erklärung der Dopingagentur, die von einer Team US Postal-Verschwörung spricht, würden demnach alle Titel Armstrongs, die er seit dem 1. August 1998 gewinnen konnte, aberkannt. Zudem wird Armstrong, der zuletzt als Triathlet aktiv war, lebenslänglich gesperrt.
Ihn tangiere dies nicht mehr, hatte Armstrong einen Tag zuvor verkündet und eine Frist zum Einspruch verstreichen lassen. "Es kommt ein Punkt im Leben jedes Menschen, an dem er sagen muss 'Es reicht.' Für mich ist dieser Punkt jetzt gekommen", heißt es in der schriftlichen Erklärung Armstrongs. Seit Jahren wird er immer wieder mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Wenn er eine Chance gesehen hätte, in einer fairen Umgebung die Vorwürfe widerlegen zu können, hätte er "die Chance wahrgenommen".
Doch Travis Tygart, der Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA, verfolge ihn in dem Versuch, ihm alle Tour de France-Titel abzuerkennen und ihn lebenslang zu sperren, wie bei einer "Hexenjagd". "Aber ich weigere mich, in einem einseitigen und unfairen Prozess mitzumachen." Ein Dopinggeständnis legte Armstrong damit aber nicht ab. Er gäbe lediglich auf, weil das gesamte Verfahren einen "zu hohen Preis" von ihm und seiner Familie gefordert habe, begründete Armstrong.
Hintergrund dürfte aber auch sein, dass Armstrong erst vor einigen Tagen eine weitere Niederlage vor Gericht hatte hinnehmen müssen. Ein Richter in Armstrongs Heimatstadt Austin wies die Klage des Ex-Radprofis am Montag ab, der die USADA bei ihren Ermittlungen gegen sich blockieren wollte. Durch diesen Beschluss war Armstrong die Möglichkeit genommen worden, eine Schiedsgerichts-Verhandlung zu verhindern, bei der er offiziell als Doper gebrandmarkt werden könnte.
Schwere Anschuldigungen gegen Armstrong
Schon 2005 hatte sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson vor Gericht erklärt, 2004 "ein verbotenes Medikament" in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Zuletzt hatten ehemalige Teamkollegen gegen ihn ausgesagt und die Vorwürfe der Doping-Jäger erhärtet, die davon ausgehen, dass Armstrong Teil einer regelrechten "Doping-Verschwörung" gewesen sei, die ihm zu sieben Tour de France-Titeln zwischen 1999 und 2005 verholfen habe. So erklärte Teamkollege Tyler Hamilton in einem CBS-Interview: "Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat".
Von Armstrong wird man dazu und zu der drohenden Aberkennung seiner sieben Tour-Titel nichts mehr hören. "Heute schließe ich diese Seite. Ich werde dieses Thema nicht mehr ansprechen, unabhängig von den Umständen", schrieb Armstrong, der jetzt einen neuen Lebensabschnitt angehen werde. "Nach vorne blickend werde ich mich um die Erziehung meiner fünf wunderbaren (und energetischen) Kinder und dem Kampf gegen Krebs widmen und versuchen, der fitteste 40-Jährige auf dem Planeten zu sein", kündigte er an.
Jan Ullrich nachträglich Tour-Sieger?
Ob Jan Ullrich, wenn Armstrong tatsächlich alle Titel aberkannt bekäme, als Tour-Zweiter 2000, 2001 und 2003 nachträglich zum Sieger ernannt werden würde, ist bisher nur ein noch nicht bestätigtes Gerücht. Weitere mögliche Profiteure wären auch Andreas Klöden, Ivan Basso, Alex Zülle und Joseba Beloki.
