Seit den 1960er Jahren waren bis zu 95 Prozent der männlichen niederländischen Radsport-Profis gedopt. Zu diesem Ergebnis kommt die "Antidoping-Anpack-Kommission" (ADA) unter der Leitung der früheren Justizministerin Winnie Sorgdrager in einem Bericht, der am Montag publik gemacht wurde. Die Kommission war nach Dopinggeständnissen im internationalen Profiradsport vom niederländischen Olympischen Sportbund (NOCNSF) und vom Radsportverband KNWU im Dezember 2012 gegründet worden. Sie hatte die Aufgabe, herauszufinden, ob im niederländischen Radsport eine Dopingkultur bestand. Auf anonymer Basis ließen sich mehr als 70 Betroffene, aktuelle und ehemalige Radrennfahrer, Teamleiter, Teammanager, medizinische Betreuer, Journalisten, Sponsoren und Antidopingsachverständige befragen. Bis 2008 hätten demnach fast alle niederländischen Radsportprofis Dopingmittel benutzt. Besonders nach der Einführung des Blutdopingmittels EPO sei der Anteil der Dopingbenutzer gestiegen. "Dopinggebrauch war in den niederländischen Männerteams strukturell verankert", heißt es in dem Bericht. Heute noch würden Radrennfahrer, bei den Junioren angefangen, so ausgebildet, als ob eine weitgehende "Versorgungspraxis" notwendig sei, um ein guter Fahrer zu werden.
