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Von: Sven Kittelmann
Datum: 24. Mai 2013, 22:09 Uhr
Format: Artikel
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Kommentar: Endlich ist Champions League-Finale

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Jürgen Klopperfield schwört sein Team ein

"Komm ich jetzt ins Fernsehen?", fragte in den Neunzigern Herbert Görgens. "Kriege ich jetzt Finale zu sehen?", fragt unser sportal.de-Kommentator, der weder Fan von Borussia Dortmund noch des FC Bayern München ist, jetzt aber endlich das Endspiel der Champions League sehen will.

So neutral wie ich ist kein Zweiter: Ich bin weder schwarzgelb noch ein Roter, stehe sogar dem gesamten Sport gelassen gegenüber. Böse Redaktionszungen haben sogar schon einmal behauptet, ich wäre gar kein Fußballfan. Dagegen protestiere ich aufs Schärfste. Mir sind nur die meisten Fußballspiele egal - und nicht wegen des Spiels an sich, sondern weil ich in der ganzen weiten Fußballwelt keinen wirklichen Lieblingsclub mehr habe.

Doch das Champions League Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund - das will ich jetzt endlich sehen. Und das nicht nur, weil ich zufällig Dienst habe. Und bevor jetzt jemand aus der zweiten Reihe laut "Eventfan" brüllt: Mich kann auch ein Kreisliga-Derby begeistern, wenn es neben und auf dem Platz stimmt.

Rivalen des Rasen-Platzes

Apropos "neben dem Platz": Was bei den Nord-Niedersachsen der Zwist zwischen Geflügelzüchter Ole und Edeka-Besitzer Adi ist, wird natürlich auf Ebene eines Champions League-Finales noch größer als auf dem Lande oder ohnehin auf nationaler Bühne. "Geschichten, wie sie nur der Sport" schreibt, ist im Sport oft keine so hohle Floskel.

Dabei ist es für mich in Sachen Neben dem Platz gar nicht so entscheidend, dass die beiden Finalgegner aus Deutschland kommen. Real gegen Barca, City gegen United, Juve gegen Milan - hätte ich alles ebenso genommen. Vielleicht sogar noch lieber, ist doch die Rivalität zwischen dem BVB und den Bayern eine sehr, sehr junge. Aber: Hier spielen zwei Teams, die sich aus dem gerne bemühten Effeff kennen. Schließlich ist die Begegnung in London das sechste Duell beider Clubs in einem guten Jahr inklusive DFB-Pokalfinale 2012.

Das Nebenher birgt jedoch auch die größte Gefahr eines solchen Rivalenkampfes, nämlich die der Übersättigung. Die üblichen Verdächtigen Herren Watzke, Sammer, Rummenigge, Klopp usw. haben uns ihre Meinung mehrfach und so eindringlich mitgeteilt, dass wir sie im Schlaf aufsagen können. Da nützen vermeintlich kreative James-Bond-Sprüche herzlich wenig und auch der Verweis per Twitter auf die entsprechende Radarverfolgung des auf London anfliegenden Team-Flugzeugs hat dabei einen ähnlich spannenden Effekt wie die Beobachtung des wachsenden Grases im Wembley-Stadion.

Und so hoffe ich beinahe schon auf einen aus der Haut fahrenden Franz Beckenbauer, der FCB und BVB gleichermaßen mit einem vom Herzen kommenden "Herrgottsakra, gehts raus und spuits Fußball" aufweckt!

Zwei Trainer, zwei Taktiken, ein gutes Spiel?!

Schließlich haben die Herrschaften in Schwarzgelb und Rot sowie die Herren Heynckes und Klopp an der Seitenlinie einiges zu bieten. Gerade die von mir bereits erwähnte beste Bekanntschaft zwischen den beiden Teams macht die Abteilung Taktik sehr spannend. Schließlich werden die Coaches und Spieler auf der großen europäischen Bühne gefordert sein, sich etwas zu überlegen. Und das macht die Sache nicht nur für Taktikfreunde bereits im Vorfeld zum echten Gourmetschmaus.

Sogar für mich als mit im Fußball grobtaktischen Verständnis gesegneten Menschen – zu meiner Verteidigung, dafür kann ich im Schlaf den Unterschied zwischen 4-3 und 3-4 sowie das Pick'n'Roll erklären - liegt in einem solchen großen Spiel der Reiz in der Spielstrategie. In solchen Spielen ist nämlich nicht, und da schlage ich gerne in die Kerbe des Kollegen Daniel Raecke, das "Mentale" hauptbestimmend, sondern eben die Taktik. Und natürlich deren Umsetzung auf dem Platz.

Um mich dazu mal in für mich sichere Gewässer zu retten, sei der Quervergleich mit dem US-Sport gestattet. Da darf man nach der regulären Saison jedes Mal aufs Neueste gespannt sein, welchen Kniff die Coaches sich für die Playoffs aufgespart haben. Und ob sie in der Lage sind, diese Tricks im genau richtigen Moment im Spiel einzusetzen. Wen tragen also die eigenen Spieler am Ende auf den Schultern? Jupp Houdini oder Jürgen Klopperfield?

Kriege ich jetzt Finale zu sehen?

Und so freue ich mich auf ein "hoffentlich" gutes Fußballspiel, dem ich meinen Standardtipp für Spitzenspiele - der meist bei einem langweiligen 1:1 oder 1:0 liegt - einfach nicht verpassen mag. Weil ich mir von diesem Finale schon gute 90, meinetwegen auch 120 Minuten, Unterhaltung erhoffe. Und vielleicht noch ein, zwei schöne Geschichten. Auf das sich auch nach dem nächsten Kreisligaderby Ole und Adi versöhnlich in den Armen liegen.