Als Juventus Turin auf dem Rasen von Peking den Gewinn des italienischen Supercups feierte, hatte sich Neapel wütend in den Katakomben verkrochen. Nicht die 2:4-Niederlage, sondern die Roten Karten und der Elfmeter erzwangen den Boykott der Siegerehrung.
Der italienische Pokalsieger war ganz dicht dran am ersten Titelgewinn der Saison gewesen. Zweimal hatte Napoli gegen den Meister geführt, war nach einem Konter durch Edinson Cavani (28.), der Lucios Langsamkeit ausnutzen konnte, zunächst mit 1:0 in Führung gegangen und hatte auch den zwischenzeitlichen Ausgleich von Kwadwo Asamoah (37.) durch das 2:1 von Goran Pandev (41.) schnell kontern können.
In der zweiten Hälfte versäumten es die Partenopei allerdings, die Führung auszubauen. Cavani vergab einige aussichtsreiche Gelegenheiten. So konnte Juventus gefährlicher werden. Andrea Pirlo scheiterte mit einem Freistoß in den Winkel nur an einer guten Parade von Napoli-Keeper Morgan de Sanctis.
Besser machte es kurz darauf Arturo Vidal (73.) vom Elfmeterpunkt, nachdem Schiedsrichter Paolo Mazzoleni ein Foulspiel von Federico Fernandez an Mirko Vucinic gesehen hatte und damit für den ersten Aufreger auf Seiten Neapels sorgte. Heftig argumentierten die Spieler, Fernandez habe zunächst den Ball gespielt. Eine These, die selbst die TV-Bilder nicht zweifelsfrei klären konnten. Vidal war es egal, schickte de Sanctis eiskalt in die falsche Ecke und jubelte über den 2:2-Ausgleichstreffer.
Dramatische Schlussphase mit drei Platzverweisen
Dramatisch wurde es dann in der Schlussphase der regulären Spielzeit. Nach einem heftigen Disput mit dem Linienrichter war zunächst Pandev mit glatt Rot vom Platz geflogen, in der Nachspielzeit musste dann auch Juan Zuniga nach seiner zweiten Gelben Karte den vorzeitigen Gang in die Kabine antreten. Der sich heftig an der Seitenlinie echauffierende Walter Mazzarri wurde vom Referee auf die Tribüne verbannt.
Mit nur noch neun Mann auf dem Feld hatte Napoli gegen Juventus in der Verlängerung dann keine Chance mehr. Vielmehr schlugen sich die Süditaliener sogar noch selbst. Nach einem Freistoß von Pirlo segelte erst Keeper de Sanctis am Ball vorbei und Christian Maggio (97.) vollendete ungewollt per Kopf ins eigene Netz. Vucinic sorgte dann nach toller Vorarbeit von Claudio Marchisio für den 4:2-Endstand, der Juventus Turin den ersten Titelgewinn der neuen Spielzeit einbrachte.
Juve widmet Antonio Conte den Sieg
Auch für Interimscoach Massimo Carrera, den Jugendkoordinator Juves, der für den gesperrten Antonio Conte eingesprungen war, war es der erste große Sieg. Doch in der Stunde des Triumphs dachte er an den eigentlichen Coach. "Conte gilt natürlich unser erster Gedanke. Wir haben gezeigt, dass wir zusammenstehen, alle für das gleiche Ziel arbeiten und genau wissen, was wir wollen", so Carrera laut football-italia.net.
Dort widmete auch Juves Generaldirektor den Sieg dem auf der Tribüne zuschauenden Conte. "Es war ein Sieg von ihm und für ihn", so Beppe Marotta. "Er hatte das Team in den letzten Wochen schließlich auf die Partie vorbereitet. Daher wollten ihm die Spieler diesen Sieg auch schenken.
Napoli: Erst Siegerehrungs-, dann Presse-Boykott
Geschenkt hatte sich am Ende Napoli die Siegerehrung - offenbar aus lauter Verärgerung über den Elfmeter und die Platzverweise. Die Ehrung für den zweiten Platz fiel aus, stattdessen durfte Juve alleine auf dem Rasen den Siegerpokal entgegennehmen. Eine Erklärung von Seiten Napolis gab es bisher nicht, nur die Aussage, dass kein Spieler und kein Verantwortlicher für Interviews zur Verfügung stehe.



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