Noch immer wird sehr kontrovers über das 4:4 der DFB-Auswahl im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden diskutiert. Im Interview bezieht Bundestrainer Joachim Löw Stellung, nennt eigene Fehler und erklärt, warum ein Dreckskerl in seinem Team nicht erwünscht ist.
Die öffentlichen Debatten nach dem 4:4 waren heftig und emotional, können Sie das nachempfinden?
Löw: Diese Debatten kann ich natürlich nachempfinden. Auch bei uns saß der Stachel tief. Wir konnten uns auch nicht vorstellen, dass wir nach so einem grandiosen Spiel einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand geben. Wir waren auch alle fassungslos.
Wie ist denn Ihre Stimmung jetzt, gab es schon eine Aufarbeitung?
Löw: Der Stachel sitzt nicht mehr so tief, weil wir zwangsläufig darüber gesprochen haben und Lösungen finden müssen. Die Erkenntnis ist: Dieses unglaubliche Offensivpotenzial führt natürlich auch zu Schwächen. Und diese Schwächen sind nicht erst jetzt, sondern schon im gesamten Jahr in Erscheinung getreten.
Nach dem Halbfinal-Aus bei der EM hatten sie von notwendigen kleinen Korrekturen gesprochen, müssen die jetzt doch größer ausfallen?
Löw: Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher. Bei der EM war festzustellen, dass wir bis auf das Italien-Spiel eine gute Balance hatten. Gegen Österreich haben wir schon defensive Schwächen gehabt und mit Glück gewonnen. In diesem Maße, wie in den letzten 30 Minuten gegen Schweden, sind sie noch nicht zutage getreten.
Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Löw: Ich erwarte, da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen, dass wir an Lösungen arbeiten, damit wir nicht mehr in solche Situationen kommen. Vielleicht müssen wir einen Automatismus entwickeln: Was ist zu tun, wenn wir ein Spiel dominieren und dann einen Anschlusstreffer kassieren? Da haben wir in den letzten Spielen in der Tat gewisse Schwächen gezeigt. Wir haben den Gegner das ein oder andere Mal völlig unnötig wieder ins Spiel gebracht.
Sie selbst waren auch geschockt, hatten auf taktische Korrekturen und Auswechslung verzichtet. Im Nachhinein ein Fehler von Ihnen?





