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Von: Daniel Raecke
Datum: 06. Juni 2013, 07:30 Uhr
Format: Artikel
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Ist die U21-EM noch zeitgemäß?

UEFA, U21-EM
Die U21-EM findet in Israel statt. Wäre das Flaggschiff-Junioren-Turnier der UEFA nicht zu verbessern?

Die U21-EM ist das wichtigste Junioren-Turnier der UEFA. Aber in der jetzigen Form erfüllt es seinen Zweck nicht. Und das gilt nicht nur für Deutschland, für das größtenteils Spieler ohne internationale Perspektive am Start sind.

Die U21-EM (Live-Ticker Deutschland - Niederlande ab 20:30 Uhr), die in diesem Sommer in Israel ausgetragen wird, ist das nominell wichtigste Nachwuchsturnier für Europas Fußballverbände. Während die FIFA nur zwei Turniere im Juniorenbereich austrägt, die U17- und die U20-WM, die jeweils alle zwei Jahre stattfinden, richtet die UEFA neben den jährlichen U17- und U19-EMs noch das U21-Event aus, das immer in ungeraden Jahren zum Zug kommt.

Bis 1978 wurde der Wettbewerb sogar als U23-EM ausgetragen (und in den 1960er Jahren nach einem skurrilen, box-ähnlichen Modus, in dem der aktuelle Titelträger immer gegen einen Herausforderer antreten musste. Dass die Kategorie U23 im heutigen Profifußball keinen Platz mehr hat, ist kein Zufall. In den 1970er Jahren war, zumal in Deutschland, das Alter, in dem Spieler die Profilaufbahn einschlugen, noch wesentlich höher als heute.

Horst Hrubesch ist eines der bekanntesten Beispiele. Noch im Alter von 24 spielte er für den SC Westtünnen, dann ging er zu Rot-Weiss Essen, und erst mit 27 zum HSV, mit dem er drei Meistertitel und den Europapokal der Landesmeister gewann. 1980 entschied er das EM-Finale mit zwei Toren gegen Belgien für Deutschland, nach dem verlorenen WM-Finale 1982 beendete er seine internationale Laufbahn.

Alte Säcke in roten Hosen: Horst Hrubesch und seine Freunde

Hrubesch war damals kein skurriler Einzelfall. Sein Teamkollege Uli Stein wurde erst mit 23 Jahren Profi und kam mit 25 zum HSV, wie auch Ditmar Jakobs. Wolfgang Rolff war mit 22 in die Bundesliga gewechselt, Felix Magath mit 23. Das waren die Leistungsträger von Ernst Happels großer HSV-Elf 1982/83, von denen nur Manfred Kaltz schon in der Jugend nach Hamburg gekommen war.

Heute wäre das undenkbar. Von den 26 Spielern, die im Champions League-Finale 2013 zum Einsatz kamen, hatten 24 mit 20 schon ein Erstligaspiel bestritten. Die beiden einzigen Ausnahmen, Kevin Großkreutz und Franck Ribéry, holten das mit 21 nach. Die Professionalität, mit der inzwischen Europas Topclubs ihre Nachwuchssektionen führen, schließt auch die frühe Verpflichtung hoffnungsvoller Talente ein. So gut arbeiten die Scouting-Abteilungen, dass es fast ausgeschlossen ist, dass Riesentalente mit 20 noch nicht zu einem Topclub gewechselt sind.

Das ist sowohl Folge wie auch Ursache des physisch wesentlich anspruchsvolleren Fußballs, der heute praktiziert wird. Ein so pressingintensives Spiel wie das des BVB ist mit einer Mannschaft voller Mittdreißiger schwer vorstellbar - bei allem Respekt vor Sebastian Kehl.

Ergibt die U21-EM so noch Sinn?

Das alles stellt das Konzept der U21-EM, bei der theoretisch ja sogar Spieler, die schon 23 sind, teilnehmen dürfen (entscheidend ist der Beginn der Qualifikationsspiele für ein jeweiliges Turnier) in Frage. Ergibt dieser Wettbewerb noch Sinn?

Deutschland hat beim Turnier in Israel 13 Spieler im Kader, die schon älter als 21 sind. Von ihnen haben realistisch betrachtet eigentlich maximal zwei oder drei eine Perspektive in der A-Nationalelf in den nächsten Jahren: Lewis Holtby, Oliver Baumann und Sebastian Rode, und die spielen beide auf Positionen, die schon sehr gut besetzt sind. Die anderen (Tony Jantschke, Stefan Thesker, Lasse Sobiech, Sebastian Rudy, Patrick Funk, Peniel Mlapa, Sebastian Polter, Oliver Sorg, Patrick Herrmann und Christoph Moritz) werden nach jetziger Einschätzung nie in einem A-Kader bei einem großen Turnier stehen.

Von den jüngeren Spielern wäre es grundsätzlich Kevin Volland, Emre Can und Matthias Ginter zuzutrauen, aber generell ist es im Alter von 19 nicht immer möglich, so etwas mit Bestimmtheit vorherzusagen. Gleichwohl wäre es im Fall des DFB wohl sinnvoll, eher auf Perspektivspieler zu setzen.

Deutschland: Ein Luxusproblem?

Das ist allerdings kein generelles Defizit der U21-EM, sondern eine besondere deutsche Situation. Die U21-Europameistermannschaft von 2009 war so extrem gut, dass es erstens schwer ist, ihre Klasse zu wiederholen, und zweitens besetzen die damaligen Leistungsträger auf Jahre hinaus die Plätze im A-Kader. Manuel Neuer, Sami Khedira, Mesut Özil, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Benedikt Höwedes standen damals im Aufgebot, auch Dennis Aogo und Marko Marin, die ein Jahr später im WM-Kader waren. Nur sechs Feldspieler aus dem 2009er-Kader machten bis heute kein A-Länderspiel, einige der anderen wechselten allerdings den Verband wie Ashkan Dejagah, Sebastian Boenisch, Fabian Johnson und Änis Ben-Hatira.

Hingegen brachten es vom damaligen Finalgegner England nur drei Spieler zum festen A-Nationalspieler: Joe Hart, James Milner und Theo Walcott. Die deutsche Situation mag also dank der Goldenen Generation ein Luxusproblem sein. Das heißt aber noch lange nicht, dass die U21-EM aus englischer Sicht sinnvoller wäre. Das Problem besteht auf Clubebene, in der Premier League. Früher bekamen hier junge Talente schon viel früher als in anderen Ländern die Chance, sich auf höchster Ebene zu beweisen. Noch 2005 lag der Anteil von U21-Spielern in der Premier League bei über zehn Prozent, wie die BBC berichtet. Das war ein Rekordwert in Europas fünf großen Ligen.

Doch inzwischen hat sich der Wert mehr als halbiert, auf unter fünf Prozent. Das ist inzwischen der schlechteste Quotient der fünf Ligen. In der Premier League steigt das Durchschnittsalter aller Profis insgesamt auch von Jahr zu Jahr leicht an, während es in der Bundesliga zwischen 2007 und 2012 um mehr als ein Jahr gefallen ist, nach Berechnungen des Football Observatory, Da solche Zahlen gerne auch als "Beleg" dafür genommen werden, dass die Bundesliga "auf dem Weg nach oben" sei. Das ist sie rein sportlich gesehen fraglos. Aber eine Liga ist nicht deswegen pauschal besser, weil ihre Spieler jünger sind. Die Ligue 1 ist nach neuesten Zahlen die zweitjüngste Liga der fünf Großen. Das heißt noch lange nicht, dass sie dicht davor steht, die anderen zu überholen.

Die sportal.de-U21-EM. Muss es auch geben.

Ich zitiere diese Zahlen vielmehr, um zu zeigen, wie fragwürdig die Institution der U21-EM ist. In Verbänden mit einer guten Generation junger Spieler kommen die Besten bei diesem Turnier nicht zum Einsatz, bei Auswahlen mit weniger guten Junioren ist die Qualität nicht hoch genug, und es bringt auch nicht viel. sportal.de wäre indes nicht sportal.de, wenn wir nicht einen haarsträubenden Verbesserungsvorschlag in der Schublade hätten, der nur noch auf die Unterschrift von Michel Platini wartete.

Wie wäre es, wenn man die U19-EM, die schon jetzt als Qualifikation für die U20-WM fungiert, zu einer U20-EM upgraden würde, und das Turnier statt jedes Jahr immer im Frühjahr vor einer U20-WM austragen ließe? Dafür könnten dann 16 statt acht Teams teilnehmen, so dass man ein richtig gutes Turnier unter Beteiligung aller großen Länder hätte. Die vier Halbfinalisten sowie die beiden Sieger einer Trostrunde der vier unterlegenen Viertelfinalisten qualifizierten sich für die WM.

Für diese wären dann nur Spieler startberechtigt, die im Jahr des Turniers höchstens ihren 21. Geburtstag feiern. Das hätte mehrere Vorteile:

- Das wichtigste UEFA-Jugendturnier hätte deutlich jüngere und perspektivreichere Spieler.

- Alle diese Turniere wären zugleich qualifikationsrelevant für eine WM, also wichtiger als bisher.

- Durch die Teilnahme von 16 Teams wäre das Turnier attraktiver, es fehlten nicht zahlreiche Topteams (wie bei vielen, wenn auch nicht der aktuellen Ausgabe der U21-EM).

- Man könnte die Qualifikationsrunden auf zwei Jahre strecken und sie parallel zur A-Qualifikation austragen, wie bisher bei der U21 - allerdings um ein Jahr versetzt, da ungerade Jahre die Endrunde sehen.

Wenn Sie nun finden, dass der Weltfußball angesichts von Winter-WMs in Katar ganz andere Probleme hat - dann haben Sie irgendwie Recht. Aber kein Wettbewerb ist so gut, dass wir nicht Vorschläge für seine Verbesserung hätten.