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1. HSV und Fans - Anatomie einer gestörten Beziehung
Datum: 22. August 2011, 06:00 Uhr
Format: Artikel
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HSV und Fans - Anatomie einer gestörten Beziehung

Hamburger SV
Fans 203

Der HSV steht auf einem Abstiegsplatz. Zeit für die große Abrechnung? Ja. Aber nicht mit Spielern oder sportlicher Leitung, sondern mit Fans, Medien und dem kleinbürgerlichen Hamburger Umfeld, das in den letzten Jahren mit dazu beigetragen hat, einen der großen Clubs Europas zu einer Lachnummer werden zu lassen.

Die Leistung des HSV in München sah am Wochenende schlecht aus. Sehr schlecht. Man könnte jetzt über Michael Oenning diskutieren. Oder über die Qualität des Hamburger Kaders. Aber der Punkt ist: Das machen ja schon alle. Und zwar seit Jahren. Und zwar unabhängig davon, wie es dem HSV wirklich geht.

Da es zudem nach drei Spieltagen, die noch dazu zwei Auswärtsspiele in Dortmund und München beinhalteten, viel zu früh ist, um den Stab über eine neu zusammengestellte Mannschaft zu brechen, wollen wir uns einmal näher der Frage widmen, warum eigentlich einem der traditionsreichsten deutschen Vereine so viel negative Stimmung entgegenschlägt - von den eigenen Anhängern.

In Sachen Weltuntergangsstimmung haben die HSV-Fans (zumindest die meisten von ihnen) nämlich inzwischen den Schalkern den Rang abgelaufen, wenn es um die destruktivsten Supporter der Bundesliga geht. Der Kontrast wird umso sichtbarer, wenn man die Rothosenfans mit denen des Lokalrivalen FC St. Pauli vergleicht.

St. Pauli-Fans feiern Misserfolg, HSV-Fans sehen überall "Versager"

Als die Mannschaft von Holger Stanislawski in der Vorsaison das letzte Heimspiel am Millerntor mit 1:8 gegen Bayern München verloren hatte (und dabei übrigens keinen Deut bundesligatauglicher wirkte als der HSV am Wochenende), feierten die Fans den scheidenden Trainer anschließend mit einer Ehrenrunde. Seine Mannschaft hatte einen Punkt aus den vorangegangenen elf Spielen geholt und stand als Absteiger fest.

Beim HSV hingegen organisierten Fans nach der Derbyniederlage gegen St. Pauli im Februar einen Stimmungsboykott beim anschließenden Heimspiel gegen Werder Bremen. Manche Dauerkartenbesitzer beschlossen, ihre Tickets für den Rest der Saison verfallen zu lassen, aus Protest. Und das selbst nach dem folgenden 4:0 gegen den Erzrivalen Werder. Zu diesem Zeitpunkt stand der HSV auf Platz sieben der Tabelle, einen Punkt hinter einem Europacupplatz. Stuttgart rangierte zeitgleich auf Platz 17. Werder Bremen einen Punkt vor den Abstiegsrängen.

Aber keine Anhängerschaft vermochte so viel Hass auf den eigenen Club aufzubringen wie die des HSV. Nun ist das kein brandneues Phänomen. Der Ursprung der Hamburger Missgunst mag durchaus schon in den 1980er Jahren zu finden sein. Damals spaltete sich die Fußballfankultur in der Hansestadt in zwei Teile, als der FC St. Pauli in die Bundesliga aufstieg und im Zuge von sozialen Auseinandersetzungen in der Stadt innerhalb weniger Jahre eine sehr eigenwillige Fanszene gewann, die neben politischem Engagement nicht zuletzt auch durch Humor und Spaß im Stadion auf sich aufmerksam machte.

Frust über die Ära Hoffmann - aber warum eigentlich?

Man muss die St. Pauli-Fanszene nicht mögen, und man kann durchaus finden, dass etwas nicht stimmt, wenn die tatsächliche sportliche Leistung hinter dem Eventerlebnis verschwindet, so dass man über ein 1:8 der eigenen Mannschaft lachen kann. Das sehen übrigens auch viele St. Pauli-Anhänger so. Aber selbst, wenn man nicht ins Extrem gehen will, mutet die überkritische Haltung des schwarz-weiß-blauen Teils von Hamburg für den neutralen Beobachter merkwürdig an.

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