Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim HSV oft weit auseinander - das gilt für den Club, aber erst recht für das Umfeld. Seit gut einem Jahr reibt sich Sportdirektor Frank Arnesen in diesem Spannungsfeld auf und erntete Kritik von vielen Seiten. Jetzt platzte ihm der Kragen.
Gegenüber Hamburger Zeitungen machte Arnesen seinem Unmut Luft. Es hatte sich offenbar viel Frust angestaut bei dem Dänen, der zuletzt immer mehr in den Fokus der Kritik rückte und vordergründig für viele Probleme des HSV verantwortlich gemacht wurde.
In der letzten Woche der Transferperiode gipfelte das sogar in Gerüchten, wonach Arnesen sofort entmachtet werden sollte. So weit kam es nicht, stattdessen wird der HSV heute innerhalb des Vorstands eine Analyse der Transferperiode durchführen. "Dann muss man auch darüber sprechen, ob man als Team auch nach außen gut ausgesehen hat", sagte Arnesen gegenüber bild.de dazu.
Frank Arnesen muss viel Kritik einstecken
Die Vorwürfe an Arnesen in der Öffentlichkeit war vielfältig. Ihm fehle ein langfristiger Plan bei der Kaderzusammenstellung, die Neuen seien viel zu spät geholt worden, er würde sich in der Bundesliga nicht auskennen und hätte nicht die notwendigen Kontakte, seine bisherigen Transfers seien Fehlschläge gewesen, beim Van der Vaart-Transfer sei er nicht eingebunden gewesen und auch Petr Jiracek hätte Vorstandschef Edgar Jarchow und nicht Arnesen geholt - die Liste ließe sich sicherlich noch ergänzen.
Entsprechend umfangreich äußerte sich Arnesen nun zu den verschiedenen Vorwürfen. "Ich lache, wenn ich höre, ich hätte mit dem Transfer von van der Vaart nichts mehr zu tun gehabt", sagte er laut abendblatt.de. Er sei der Sportchef betonte er und er treffe die sportlichen Entscheidungen, was neue Spieler betreffe. "Alle Spieler, die kommen, kommen von mir", stellte Arnesen klar.
Ob nun dabei er oder seine Vorstandskollegen Joachim Hilke oder Carl Edgar Jarchow die letzten Gespräche führen, sei völlig unerheblich und bisweilen auch eine strategische Entscheidung. "Wenn man einen Spieler will, geht das nicht über das Ego", so Arnesen bei bild.de.
HSV: Finanzieller Spielraum wurde kurzfristig erhöht
Interessant bei seinen Ausführungen waren die Äußerungen von Frank Arnesen zu den zeitlichen Abläufen in dieser Transferperiode. Demnach habe er bereits im Mai dafür geworben, ein kalkulierbares finanzielles Risiko einzugehen, um einen Schritt nach vorne machen zu können. Seinerzeit gab es ein klares Nein vom Aufsichtsrat. Diese Einstellung habe sich erst vor drei Wochen geändert und natürlich auch dank der Unterstützung von Investor Kühne den Endspurt auf dem Transfermarkt möglich gemacht - zum Glück, wie Arnesen betont.





