Als der HSV 2011 Deutscher Meister wurde, hatten sich die Investitionen von Andreas Rudolph endlich ausgezahlt. Coach Martin Schwalb wurde Geschäftsführer und überließ Per Carlen das Ruder. Im März 2012 saß Schwalb als Retter wieder auf der Bank. Der Start in die neue Saison misslang erneut.
Mit 26:33 verlor der HSV in der Rittal-Arena bei der HSG Wetzlar. Bis zur 40. Minute konnte der HSV beim Stand von 19:19 die Partie ausgeglichen gestalten, dann nagelte Wetzlars Keeper Nikolai Weber seinen Kasten für rund sieben Minuten zu und ermöglichte seiner Mannschaft so eine 24:19-Führung und damit die Vorentscheidung.
Schwalb beklagt fehlende Automatismen
Bei der neu formierten Hamburger Mannschaft passte noch nicht viel zusammen. "Man hat gesehen, wie wichtig Automatismen im Handball sind, die bei uns noch nicht funktioniert haben. Da fehlen uns natürlich noch ein paar Trainingseinheiten mit allen Spielern", analysierte Schwalb.
Jahrelange Leistungsträger wie die Brüder Bertrand und Guillaume Gille haben den Club ebenso verlassen wie Renato Vugrinec, der als Aushilfskraft zum HSV gekommen war. Linksaußen Torsten Jansen fehlte verletzt. Neu hinzugekommen sind unter anderen die schwedischen Olympia-Zweiten Frederik Petersen und Andreas Nilsson. "Wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen", sagte Schwalb.
So verständlich die vorsichtigen Aussagen von Martin Schwalb sind, so sehr erinnern sie auch an seinen HSV-Fußballkollegen Thorsten Fink. Beide versuchen natürlich ihrem Team den Rücken zu stärken, doch die fehlenden Ergebnisse sind auch Ausdruck mangelnder Klasse im Team. Wobei sich die Handballer national noch auf einem deutlich höheren Niveau bewegen als die Fußballer. Dennoch reagierte auch Kapitän Pascal Hens auf die ernüchternde Pleite in Wetzlar geschockt.
"Das war natürlich eine Katastrophe und ein denkbar schlechter Start in die Saison", konstatierte Hens, mit sieben Treffern noch bester Akteur, völlig ernüchtert. Spielmacher Michael Kraus forderte einen Runden Tisch: "Da haben wir jetzt natürlich Gesprächsbedarf. Wir müssen jetzt schnell in die Spur kommen." Selbst wenn das gelingen sollte erscheint es aber äußerst fraglich, ob der HSV in absehbarer Zeit wieder in der Lage sein wird, dem überragenden THW Kiel die Stirn zu bieten.
