Jupp Heynckes war geladen. Die seiner Meinung nach zu negative Beurteilung des FC Bayern in der letzten Zeit in der Presse hatte den Trainer auf die Palme gebracht. Während der Trainer über die Medien schimpfte, lobte er einen Spieler: Lars Bender von Bayer Leverkusen.
Mehr als zehn Minuten dauerte das Eingangsstatement von Jupp Heynckes, in dem er ausführlich darlegte, warum Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm den anstehenden Marketing-Trip nach China nicht mit antreten würden. Geärgert hatte ihn, dass Teile der Medien berichtet hatten, dass Schweinsteiger um diese Maßnahme gebeten hätte. Dies sei falsch.
"Die Entscheidung bei Bastian hat während der Europameisterschaft bei mir Form angenommen", berichtete Heynckes. Er habe Schweinsteigers EM-Auftritte "sehr ausgiebig und aufmerksam beobachtet. Ich kenne Bastian sehr gut. Man kann vieles ableiten aus den Bewegungen, aus den Gesten, aus der Mimik. Ich habe dann die Schlüsse daraus gezogen."
Daher habe die Absage des Trips bei Schweinsteiger auch keinerlei Verletzungsgründe. Die Probleme im Sprunggelenk seien auskuriert, nur ein Nerv mache noch Probleme. "Wenn er eine ganz andere physische Verfassung hat, lässt er den Ballast, den er mit sich geschleppt hat, hinter sich."
Heynckes kritisiert die Medienlandschaft
Dass Schweinsteiger nicht mitreisen würde, hätten "einige Personen» gewusst, sagte Heynckes. Die Personalie Lahm habe er aber für sich behalten "und ich plaudere nicht"; so konnte er nun damit überraschen. "Philipp hat in den letzten Jahren alle Spiele mitgemacht und hat immer gepowert", begründete der Trainer.
Einmal in Fahrt beschwerte sich Heynckes auch darüber, "dass heute nur noch bewertet wird, ob man Titel gewinnt. Die Arbeit wird überhaupt nicht bewertet." Die sei in der abgelaufenen Saison schließlich nicht schlecht gewesen, nur Borussia Dortmund eben besser.
Gleichwohl räumte der 67-Jährige aber auch ein, dass die seit zwei Jahren titellosen Münchner in der neuen Spielzeit mehr bringen müssen. "Es ist nicht so, dass alles negativ war. Aber ich finde, dass wir die Siegermentalität wieder herauskramen müssen und da muss man mehr für tun als normal", betonte der Coach. "Das hat auch die EM gezeigt: Man darf sich nie zu sicher sein, darf sich nie zufriedengeben, muss immer eine Schippe drauflegen und das müssen unsere Spieler."
Heynckes mag Lars Bender
In einer "umfangreichen Analyse" habe er im Sommer Dinge herausgefunden, die man noch besser machen kann. Darüber hinaus sollen auch die Neuzugänge einschlagen. "Nicht die Namen sind die Bomben, sondern die Leistungen, die die Spieler bringen", erklärte Heynckes. Nicht kommen wird nach aktuellem Stand der defensive Mittelfeldmann Javier Martínez (Athletic Bilbao). Denn die Ablöse ist zu hoch.
"40 Millionen sind unanständig. Da geht nicht, das machen wir auch nicht", sagte Heynckes. In der rund 40-minütigen Pressekonferenz nannte der Bayern-Trainer aber auch den Namen eines anderen Spielern für diese Position: Zumindest drückte Heynckes seine generelle Wertschätzung für Lars Bender von Bayer Leverkusen aus.
