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Handball: Berauschte Kieler erobern Pokal-Thron zurück

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09. April 2017, 16:13 Uhr
Alfred Gislason
Alfred Gislason griff gegen Flensburg in die Trickkiste

Alfred Gislason war außer Rand und Band. Nach der Rückkehr auf den Pokal-Thron tanzte der Meistertrainer des THW Kiel ausgelassen mit seinen Spielern über das Parkett, ließ sich von Nationalspieler Patrick Wiencek huckepack nehmen und reckte schließlich freudestrahlend die Trophäe in den Lamettaregen. Nach drei Jahren Abstinenz und einer komplett titellosen Saison hat sich der THW Kiel mit einem beeindruckenden Final-Triumph gegen den SG Flensburg-Handewitt und dem zehnten Pokal-Sieg zurückgemeldet.

"Dieser Titel bedeutet mir sehr viel. Für diese Mannschaft ist das eine tolle Belohnung", sagte Gislason nach dem 29:23 (13:12)-Erfolg gegen den Liga-Tabellenführer: "Das war ein Meilenstein für unser Team." Auch Manager Thorsten Storm war begeistert: "Das tut der Mannschaft, den Spielern und dem ganzen Klub gut."

Tief enttäuscht war dagegen Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes. "Das tut unheimlich weh, aber man muss anerkennen, dass der THW einfach besser war", sagte der Schwede, der die Bundesliga nach der Saison in Richtung Ungarn verlässt: "Wir werden uns jetzt zwei Tage ärgern und dann wieder aufstehen." Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Meisterschaft befürchtet Vranjes nicht.

Einer der Kieler Matchwinner war neben dem unermüdlichen Kapitän Domagoj Duvnjak Torhüter Niklas Landin, der die Flensburger Angreifer mit spektakulären Paraden immer wieder entnervte. "Ja, das war ein überragendes Spiel", sagte Landin: "Mit diesem Sieg fällt viel Druck von uns ab, es war der erste Titel für diese neue, junge Mannschaft, das ist sehr wichtig für die weitere Entwicklung."

Bester Werfer des Rekord-Pokalsiegers, der das Final Four zuletzt drei Mal verpasst hatte, war Duvnjak mit sieben Treffern. Den Grundstein für den verdienten Erfolg legten die Kieler aber mit einer bärenstarken Defensive und einem überragenden Landin im Tor. In der zweiten Halbzeit berauschten sich die THW-Spieler phasenweise an sich selbst und zogen nach ausgeglichener erster Hälfte unnachahmlich davon.

Für die SG, bei der Rasmus Lauge, Kentin Mahe und Holger Glandorf mit jeweils vier Toren am häufigsten trafen, war die Partie am Sonntag eine weitere Episode einer bitteren Finalbilanz: Bei der siebten Endspiel-Teilnahme nacheinander hatten die Nordlichter bis auf 2015 immer das Nachsehen. Im sechsten Pokalfinale gegen den THW blieb Flensburg zum fünften Mal nur zweiter Sieger.

Hingebungsvoll, hitzig, hochklassig: Die 13.200 Zuschauer in der ausverkauften Barclaycard Arena bekamen von Beginn an beste Handball-Unterhaltung geboten. Die Strapazen der Halbfinalspiele vom Vortag waren den Spielern nicht im geringsten anzumerken. Kiel, das 24 Stunden zuvor den SC DHfK Leipzig 35:32 bezwungen hatte, setzte im Angriff vor allem mit Duvnjak und Kreisläufer Patrick Wiencek Akzente.

Liga-Spitzenreiter Flensburg, der am Vortag den deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen mit 33:23 demontiert hatte, schöpfte zunächst Kraft aus der Breite seines exquisiten Kaders. Nach der Pause hatte das Team von Coach Ljubomir Vranjes allerdings nichts mehr zuzusetzen. Während seine Spieler um Ex-Weltmeister Holger Glandorf kaum mehr zum Abschluss kamen, warfen sich die Kieler vorübergehend in einen wahren Rausch, feierten jede gelungene Aktion schon wie den Pokalsieg. Beim Stand von 21:15 (44.) war die Partie praktisch entschieden.

Dahmke als Spielmacher

Das Finale begann mit einer dicken Überraschung. Kiels Coach Gislason griff tief in die Trickkiste und ließ Linksaußen Rune Dahmke zunächst als Spielmacher auflaufen - mit Erfolg. Der THW zeigte sich im Angriff variabel und narrte die Flensburger Deckung ein ums andere Mal, sodass der Rekordmeister innerhalb weniger Minuten von 1:3 (4.) auf 6:3 vorlegte.

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem vor allem die beiden Keeper Glanzlichter setzten. Während Kiels Landin, der den Vorzug vor Europameister Andreas Wolff erhielt, von Beginn an reihenweise Flensburger Großchancen vereitelte, steigerte sich auch Flensburgs Mattias Andersson bis zur Pause. Dies änderte sich im zweiten Abschnitt. Angetrieben von seinen lautstarken Fans, setzte sich der Rekordmeister schnell ab. Und wenn die Flensburger doch einmal durchkamen, parierte Landin glänzend.

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