Nach Steffi Graf hat Serena Williams als zweite Spielerin der Tennis-Historie den Golden Slam perfekt gemacht. Das Traumfinale gegen Maria Sharapova wurde dabei zu einer ungewohnt einseitigen Angelegenheit, die Russin hatte beim 0:6, 1:6 nicht den Hauch einer Chance.
Williams konnte damit nach jeweils mindestens einem Sieg bei den vier Grand Slam-Turnieren auch die Goldmedaille bei Olympia gewinnen - Graf hatte dieses Kunststück 1988 allerdings innerhalb einer Saison geschafft. Die Bronzemedaille gewann die Weißrussin Victoria Azarenka.
Sharapova bejubelt: Mitleid oder echte Anfeuerung?
Sharapova wusste im ersten Satz überhaupt nicht, wie ihr geschah. Während Williams wie entfesselt aufspielte, als hätte es die Strapazen der letzten Woche - immerhin steht sie mit ihrer Schwester Venus auch noch im Doppel-Halbfinale - nicht gegeben. Äquivalent dazu erwischte Sharapova einen schwarzen Tag, als ihr beim Stand von 0:5 mal ein Punktgewinn bei eigenem Aufschlag gelang, brandete auf dem Centre Court in Wimbledon großer Jubel auf.
Doch von motivierender Hilfe konnte nicht die Rede sein, denn Sharapova, die im Viertelfinale Sabine Lisicki ausgeschaltet hatte, fand den Faden tatsächlich erst Mitte des zweiten Satzes wieder - ein wenig zu spät für ein olympisches Finale. Zuvor war es ein Klassenunterschied, den es sonst wohl nur in den ersten Runden von Grand Slam-Turnieren gibt. Beim Stand von 3:0 für Williams holte die Russin endlich ihr erstes Spiel.
Williams blieb ihrem Spiel aber treu, mit dem gewohnt starken Service dominierte sie ihre Aufschlagspiele und ließ Sharapova nur einmal an einem Re-Break schnuppern. Unter dem Jubel ihrer auf der Tribüne sitzenden Schwester verwandelte Williams nach 62 Minuten gleich den ersten Matchball, Sharapova wirkte nach dieser vernichtenden Niederlage wie konsterniert.
Schwaches Match um Bronze
Zuvor hatte die Weltranglistenerste Victoria Azarenka, die ihren Platz nur wegen dem Erfolg der jüngeren Williams-Schwester behalten wird, das Match um die Bronzemedaille gegen die Russin Maria Kirilenko ungefährdet mit 6:3 und 6:4 gewonnen. Azarenka hatte zuvor im Viertelfinale die Medaillenträume von Angelique Kerber beendet, war im Halbfinale von Williams aber richtig deklassiert worden.
Gegen Kirilenko knüpfte Azarenka teilweise aber wieder an die guten Vorstellungen der ersten Runden an. Früh gelang ihr im ersten Satz ein Break, das die Weltranglisten-15. aber noch einmal kontern konnte. Beim Stand von 4:3 gelang Azarenka aber noch ein Break. Damit war der erste Durchgang entschieden.
Im zweiten Satz schien zunächst alles auf einen Schnelldurchgang hinzudeuten. Azarenka nahm Kirilenko gleich zweimal den Aufschlag ab und führte 3:0. Doch dann war es wie abgerissen, Kirilenko gelangen ihrerseits zwei Breaks und der Satz war wieder ausgeglichen. Das Niveau war in dieser Phase einem Bronzematch nicht würdig, zu unkonstant schlugen beide auf. Azarenka fand den verlorenen Faden aber am schnellsten wieder und zitterte sich zur vierten Medaille für Weißrussland im Medaillenspiegel von London.



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