(Seite 4 von 5)
Seit Martin Jol im Sommer 2008 beim HSV unterschrieb, verließen mit Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Ivica Olic und Jerome Boateng viele internationale Klassespieler den Verein. Vor dieser Saison beschleunigte man den Aderlass mit den Abgängen von Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, Joris Mathijsen, Frank Rost und Piotr Trochowski noch. Sind die Hamburger vielleicht eigentlich nur sauer, weil immer so viele Stars vekauft werden?
Wenn man mit HSV-Fans spricht, ergibt sich ein anderes Bild. "Guerrero würde ich mit der Schubkarre nach Spanien fahren" oder "Bloß weg mit dem Elia, so lange man noch Geld für ihn kriegt", sind typische Sätze, die jedem bekannt sind, der Rothosen zu seinem Bekanntenkreis zählt. Trotz der hohen Fluktuation im Kader hält sich in dieser Szene hartnäckig die Überzeugung, dass es in der Mannschaft charakterlich nicht stimme und man besser ohne die "hoch bezahlten Profis" fahren würde.
Gibt es einen zweiten Fall 1860?
Dabei kann man eines sicher sagen: Wenn der HSV sich jetzt auch noch von weiteren erfahrenen Spielern trennen sollte, dann droht ein Totalabsturz, wie ihn 1860 München 2003/2004 erlebte, als aus finanziellen Gründen Davor Suker, Thomas Häßler, Martin Max und Simon Jentzsch verkauft wurden und die Löwen anschließend mit einer blutjungen Elf in die 2. Liga abstiegen.
Missgunst gegenüber Stars gibt es natürlich nicht nur beim HSV. Zum Standardrepertoire der bei Busblockaden angestimmten Fangesänge zählen die Klassiker "Wir sind Schalker und Ihr nicht", oft wird erfolglosen Spielern pauschal "Söldnermentalität" unterstellt. Meistens aber nur im Fall von Abstiegsgefahr oder langen Pleiteserien.
Beim HSV braucht es das gar nicht. Gerne stimmten die Anhänger früher den Chor an: "Außer Hermann könnt Ihr alle gehen". Gemeint war der Masseur Hermann Rieger, letztes Überbleibsel aus der Ära Ernst Happel, der bis 2005 als Physiotherapeut beim HSV arbeitete. Sogar das Maskottchen hat man nach ihm benannt. Kann man charmant und sympathisch finden. Man kann aber auch fragen: Was sagt es über Fans aus, wenn sie sich nur mit dem Masseur identifizieren können, aber nicht mit Spielern?





