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Von: Daniel Raecke
Datum: 08. Oktober 2012, 21:41 Uhr
Format: Artikel
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Fünf Noten des Bundesliga-Spieltags

Hannover 96, Borussia Dortmund, Jakub Blaszczykowski, Huszti Szabolcs
Hannovers Szabolcs Huszti: Machte er ein über- oder ein unterdurchschnittliches Spiel?

Wenn es ein Konkurrenzmedium gibt, mit dem unsere Spielernoten am liebsten verglichen werden, dann ist es ohne Zweifel das Kicker-Sportmagazin, das seit Jahrzehnten Kompetenz walten lässt. Sehen wir uns also diese Woche mal die größten Differenzen an.

Dass es verschiedene Benotungen des gleichen Bundesliga-Spielers aus verschiedenen Perspektiven gibt, folgt zunächst dem Umstand, dass Menschen unterschiedliche Schwerpunkte legen, vielleicht mit unterschiedlichen Erwartungen an ein Spiel herangehen oder schlicht und einfach Situationen anders bewerten.

Im Idealfall sollten die Differenzen natürlich in einem gewissen Rahmen bleiben. Über Unterschiede von einer halben Note muss man in den meisten Fällen nicht diskutieren, aber wirklich stark differierende Bewertungen lassen natürlich aufhorchen. Dass ein Medium einen Spieler mit 2 bewertet, das andere mit 5, das kommt allerdings so gut wie nie vor, so subjektiv sind die Eindrücke dann auch nicht.

Am vergangenen Wochenende der Bundesliga gab es fünf Noten, die im Vergleich von Kicker und sportal.de um mehr als eine Note abwichen: In einem Fall gab es zwei Noten Differenz, in vier Fällen 1,5 Noten. Sehen wir uns die möglichen Erklärungsansätze an. Da der Kicker nur für jeweils einen Spieler pro Begegnung seine Note begründet (den Spieler des Spiels), ist es etwas spekulativ, die Gründe für die Bewertung der Kollegen zu erörtern, aber wir versuchen uns trotzdem mal daran.

Edgar Prib (SpVgg Fürth): sportal.de-Note 5. Kicker-Note 3

Die drastischste Abweichung des Spieltages betrifft den Fürther Mittelfeldspieler Edgar Prib. Unser Liveredakteur Uwe Toebe begründete die kritische Benotung in der Einzelkritik mit den vielen Fehlpässen Pribs im Spielaufbau (die Passquote von Prib betrug ca. 60 Prozent) und seinen recht vielen Fouls. Jedenfalls gingen die ganz großen Impulse im Spielaufbau tatsächlich nicht vom Fürther Mittelfeld aus, was nach dem frühen Rückstand durch Son Heung-Min notwendig gewesen wäre, um den HSV zu gefährden. In einem schwachen Spiel haben wir das als mangelhaft bewertet.

Da der Kicker ganz generell die Fürther Leistung viel besser gesehen hat als wir (Durchschnittsnote 3,6, bei uns 4,0), lässt sich ein Teil der Differenz wohl auf diese unterschiedliche Einschätzung zurückführen. Fürth wurde im benachbarten Nürnberg von allen Verlierern des Spieltages am zweitbesten benotet, nur Fortuna Düsseldorf mit 3,4 noch besser.

Das mag an der jeweils knappen Niederlage liegen, wir fanden im Gegensatz dazu jedoch, dass Pleiten bei den Schwergewichten der Bundesliga in München und Schalke eher zu verstehen sind als solche in Mainz und zu Hause gegen den HSV (der in den letzten fast zwölf Monaten auswärts nur bei den Absteigern Köln, Kaiserslautern und Hertha gewonnen hatte). Im individuellen Fall Prib lässt die Verteilung der Kicker-Noten erahnen, dass die Verantwortung für Fürths offensive Harmlosigkeit (noch kein Tor am Ronhof in der ganzen Saison) hier bei den Stürmern gesehen wird, nicht bei den Vorlagengebern.

Sven Ulreich (VfB Stuttgart): sportal.de-Note 3,5. Kicker-Note 5

Bei Torhütern ist es meist nicht schwer, zu verstehen, warum eine bestimmte sehr positive oder sehr negative Note gegeben wird. Starten wir also diesmal mit der Kicker-Note. Im Spielbericht der Kollegen ist von "Ulreichs Patzer" beim 0:1 die Rede - das ist eine klare Aussage. Ein klarer Patzer, der Punkte kostet, wird auch von uns in der Regel mit einer 4,5 oder 5 bewertet, je nachdem, wie schwer das Verschulden einzuschätzen ist.

Unser Live-Redakteur Andreas Wolf schrieb in der Einzelkritik, dass Kießling den Treffer wohl auch so gemacht hätte. Das stimmt, und zudem sah der Keeper zwar nicht glücklich aus in dieser Szene, war aber keineswegs der einzige Stuttgarter, der zuließ, dass aus einem Einwurf ein Gegentor wurde. So liefen weder Maza noch Georg Niedermeier mit, beide verloren Kießling aus den Augen. Wenn man Ulreich in dieser Szene Abzüge anlasten wollte, dann hätten wir das also mit der Note 4, maximal einer 4,5 geahndet.

Nun war das ja aber nicht die einzige Aktion des Stuttgarter Schlussmanns. Er parierte in der zweiten Hälfte stark gegen einen verdeckten Schuss von Karim Bellarabi. Sein präziser Abschlag fand zudem Raphael Holzhauser weit in der gegnerischen Hälfte vor dessen Assist zum 2:1. Der Ball vor dem 2:2-Ausgleich kam unserer Meinung nach zu weit auf den langen Pfosten (wo drei VfB-Abwehrspieler waren), als dass man Ulreich hier weitere Vorwürfe machen könnte. Einzig sein riskantes Einsteigen gegen André Schürrle nach dem schweren Patzer von Maza in den Schlussminuten hätte noch einen Abzug erlaubt - dann aber schlechtestenfalls auf 4. Die Gesamtleistung Ulreichs schien uns aber gerade noch durchschnittlich.

Georg Niedermeier (VfB Stuttgart): sportal.de-Note 4. Kicker-Note 2,5

Im Zusammenhang mit Ulreichs Note ist sicher auch die von Abwehrchef Niedermeier zu sehen. Bei uns um eine halbe Note schlechter bewertet als sein Keeper, hat der Kicker ihn um 2,5 Noten besser gesehen. Selbst Maza wird von den Kollegen noch um eine Note besser gesehen als Ulreich. Dem halten wir entgegen, dass Leverkusen zu oft zum Abschluss kam, um von einer überdurchschnittlichen Abwehrleistung sprechen zu können.

Sechs Schüsse brachte Bayer 04 auf das Stuttgarter Tor, laut den Statistiken von Opta. Einzig Freiburg schaffte an diesem Spieltag noch mehr Abschlüsse aufs Tor. Das spricht nicht für eine gute Vorstellung der Viererkette (während etwa viele Abschlüsse, die jedoch nicht das Tor treffen, für eine Reduzierung der Chancenqualität sprächen). Kombiniert mit den Eindrücken des Spiels selbst führt das zu einer leicht unterdurchschnittlichen Note für den Hauptverantwortlichen für die Abwehrarbeit, eben Niedermeier. Einen Stellungsfehler konnte er nur mit einem verwarnten Foulspiel ausbügeln, ansonsten patzte Niedermeier nicht. Ergibt im Gesamtkontext des Spiels für uns eine "ausreichende" Leistung.

Szabolcs Huszti (Hannover 96): sportal.de-Note 3. Kicker-Note 4,5

Starten wir auch hier mit der eindeutigeren Note, der 4,5. Wie sich in einem so guten und hochwertigen Spiel erklärt, ist dem Artikel "Diouf rettet die 96-Serie" im Kicker zu entnehmen, in dem von "Defensivschwächen" des Ungarn die Rede ist. Ehrlich gesagt zu Recht: Zusammen mit Konstantin Rausch verhielt Huszti sich beim Gegentor nicht gut, auch dass Lukasz Piszczeks noch zu seinem Pfostenschuss kam, spricht nicht unbedingt für Huszti.

Das allein wären in der Tat gute Gründe für eine Note wie 4,5. Wenn nach vorne gar nichts von Huszti gekommen wäre. Dass er anders als in der Anfangsphase der Saison diesmal aber nicht mit direkten Toren oder Assists glänzen konnte, lag kaum an mangelndem Einsatz des Spielers. Vielmehr war er, auch aufgrund dessen, was unser Live-Redakteur Oliver Stein seine "Fähigkeit, das Spiel zu lesen" nannte, einer das Hauptfaktoren für die starke zweite Hälfte der Roten. Gleich dreimal stand Huszti selbst in idealer Position für einen Torerfolg - bei Didier Ya Konans Aktion über die rechte Grundlinie noch vor der Pause, bei Piszczeks Fast-Eigentor in der zweiten Halbzeit, und dann noch einmal bei einer Glanzparade Weidenfellers gegen Mame Diouf, die, wenn der Keeper den Ball nur einen Meter hätte abprallen lassen, zu einem Abstaubertor Husztis geführt hätte.

Schließlich trat er die Ecke vor Mario Eggimanns nicht anerkanntem Treffer und den Freistoß vor dem Ausgleich, den Moritz Leitner auf der Strafraumgrenze eigentlich mit den Händen abblockte. In einem wirklich guten Bundesliga-Spiel gegen eine europäische Spitzenmannschaft wäre das alles eigentlich eine zwei vor dem Komma wert - wenn Huszti seine "Fähigkeit, das Spiel zu lesen" auch genutzt hätte, wenn der Gegner den Ball hatte.

Felipe Santana (Borussia Dortmund): Ursprüngliche sportal.de-Note 2,5. Kicker-Note 4. Korrigierte sportal.de-Note 3,5

Zur zweiten Hälfte kam Felipe Santana für den verletzten Mats Hummels. Die Leistung Santanas (in einem wie oben betont sehr guten Spiel) war zweischneidig. Einerseits gewann der Verteidiger mit einer Ausnahme alle seine Zweikämpfe und machte sehr viel richtig. In zwei Szenen allerdings nicht ganz. Beim nicht gegebenen Tor Eggimanns verlor er - wenn auch durch einen Schubser behindert - das Kopfballduell mit Artur Sobiech, der die Ecke Husztis leicht verlängerte. Und beim Gegentor war er einen kleinen Schritt langsamer als Torschütze Diouf.

Auch beim 1:1 lassen sich Gründe für Santanas Zögern finden. Er orientierte sich nach dem abgefälschten Freistoß von Huszti zu Ya Konan, der einen Fallrückzieher ansetzte,   so dass Diouf ohne Gegenspieler dahin entweichen konnte, von wo aus er zum 1:1 traf. Keine der beiden Szenen war ein Riesenpatzer, aber auch in Gegenrechnung zu den guten Werten des Brasilianers ist eine überdurchschnittliche Note nicht angebracht - weshalb wir nach genauer erneuter Analyse der Videobilder etwas tun, was wir lange nicht gemacht haben und was auch eine absolute Ausnahme bleiben wird: Wir passen unsere Note nachträglich nach unten an.

Noten sind immer subjektiv, aber manchmal spricht die Differenz zwischen dem Kicker und uns eben einfach auch dafür, dass die Kollegen es besser gesehen haben. Und wenn das so ist, dann sollte man es auch anerkennen.