Wenn es ein Konkurrenzmedium gibt, mit dem unsere Spielernoten am liebsten verglichen werden, dann ist es ohne Zweifel das Kicker-Sportmagazin, das seit Jahrzehnten Kompetenz walten lässt. Sehen wir uns also diese Woche mal die größten Differenzen an.
Dass es verschiedene Benotungen des gleichen Bundesliga-Spielers aus verschiedenen Perspektiven gibt, folgt zunächst dem Umstand, dass Menschen unterschiedliche Schwerpunkte legen, vielleicht mit unterschiedlichen Erwartungen an ein Spiel herangehen oder schlicht und einfach Situationen anders bewerten.
Im Idealfall sollten die Differenzen natürlich in einem gewissen Rahmen bleiben. Über Unterschiede von einer halben Note muss man in den meisten Fällen nicht diskutieren, aber wirklich stark differierende Bewertungen lassen natürlich aufhorchen. Dass ein Medium einen Spieler mit 2 bewertet, das andere mit 5, das kommt allerdings so gut wie nie vor, so subjektiv sind die Eindrücke dann auch nicht.
Am vergangenen Wochenende der Bundesliga gab es fünf Noten, die im Vergleich von Kicker und sportal.de um mehr als eine Note abwichen: In einem Fall gab es zwei Noten Differenz, in vier Fällen 1,5 Noten. Sehen wir uns die möglichen Erklärungsansätze an. Da der Kicker nur für jeweils einen Spieler pro Begegnung seine Note begründet (den Spieler des Spiels), ist es etwas spekulativ, die Gründe für die Bewertung der Kollegen zu erörtern, aber wir versuchen uns trotzdem mal daran.
Edgar Prib (SpVgg Fürth): sportal.de-Note 5. Kicker-Note 3
Die drastischste Abweichung des Spieltages betrifft den Fürther Mittelfeldspieler Edgar Prib. Unser Liveredakteur Uwe Toebe begründete die kritische Benotung in der Einzelkritik mit den vielen Fehlpässen Pribs im Spielaufbau (die Passquote von Prib betrug ca. 60 Prozent) und seinen recht vielen Fouls. Jedenfalls gingen die ganz großen Impulse im Spielaufbau tatsächlich nicht vom Fürther Mittelfeld aus, was nach dem frühen Rückstand durch Son Heung-Min notwendig gewesen wäre, um den HSV zu gefährden. In einem schwachen Spiel haben wir das als mangelhaft bewertet.
Da der Kicker ganz generell die Fürther Leistung viel besser gesehen hat als wir (Durchschnittsnote 3,6, bei uns 4,0), lässt sich ein Teil der Differenz wohl auf diese unterschiedliche Einschätzung zurückführen. Fürth wurde im benachbarten Nürnberg von allen Verlierern des Spieltages am zweitbesten benotet, nur Fortuna Düsseldorf mit 3,4 noch besser.
Das mag an der jeweils knappen Niederlage liegen, wir fanden im Gegensatz dazu jedoch, dass Pleiten bei den Schwergewichten der Bundesliga in München und Schalke eher zu verstehen sind als solche in Mainz und zu Hause gegen den HSV (der in den letzten fast zwölf Monaten auswärts nur bei den Absteigern Köln, Kaiserslautern und Hertha gewonnen hatte). Im individuellen Fall Prib lässt die Verteilung der Kicker-Noten erahnen, dass die Verantwortung für Fürths offensive Harmlosigkeit (noch kein Tor am Ronhof in der ganzen Saison) hier bei den Stürmern gesehen wird, nicht bei den Vorlagengebern.
Sven Ulreich (VfB Stuttgart): sportal.de-Note 3,5. Kicker-Note 5
Bei Torhütern ist es meist nicht schwer, zu verstehen, warum eine bestimmte sehr positive oder sehr negative Note gegeben wird. Starten wir also diesmal mit der Kicker-Note. Im Spielbericht der Kollegen ist von "Ulreichs Patzer" beim 0:1 die Rede - das ist eine klare Aussage. Ein klarer Patzer, der Punkte kostet, wird auch von uns in der Regel mit einer 4,5 oder 5 bewertet, je nachdem, wie schwer das Verschulden einzuschätzen ist.



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