(Seite 4 von 4)
4) Wer hat den ausgeglicheneren Kader?
Es gibt viele Gründe, warum Deutschland immer mehr zum Topfavoriten der Euro 2012 avanciert. Gegen Griechenland kam ein weiterer hinzu, denn die drei Neuen in der Startelf gaben die Gewissheit: Das DFB-Team verfügt über eine bärenstarke Bank.
Im Halbfinale könnte es sein, dass sowohl die Engländer als auch die Italiener genau diese Option benötigen. Beim Weltmeister von 2006 sind insgesamt acht Spieler von einer Gelbsperre bedroht, darunter Torhüter Buffon, Abwehrchef de Rossi und Stürmerstar Mario Balotelli. Bei den Three Lions sind es fünf Akteure, eine Sperre für Kapitän Steven Gerrard oder Linksverteidiger Ashley Cole dürfte besonders Probleme bereiten.
Dabei wirkt der italienische Kader nicht nur wegen der verletzungsbedingten Absagen von Gary Cahill, Frank Lampard und Gareth Barry auf englischer Seite wesentlich ausgeglichener. Prandelli setzte bisher nur zwei Feldspieler nicht ein, in allen Mannschaftsteilen ist die Squadra Azzurra ausgeglichen besetzt. Bei Namen wie Martin Kelly, Jordan Henderson oder Phil Jagielka ist die Hoffnung auf englischer Seite dagegen sehr groß, dass es keine Gelbsperren geben wird.
5) Welcher Gegner passt besser zum deutschen Team?
Rein statistisch ist diese Frage leicht zu beantworten. Seit der Final-Niederlage bei der WM 1966 verlor Deutschland nur noch ein weiteres Turnierspiel gegen England (EM 2000), dem stehen fünf Sieg und zwei Unentschieden gegenüber. Gegen Italien ist die Bilanz deprimierender, noch nie konnte das DFB-Team gegen die Italiener bei einem großen Turnier gewinnen.
Dem deutschen Team ist es gleich, wer in Warschau der Gegner sein wird. "Egal gegen wen wir spielen, wir sind eine gute Mannschaft", sagte Reus beim Pressetermin im deutschen Quartier. "Ich glaube, England hat sich gesteigert und mit Rooney einen wichtigen Spieler dazugewonnen, aber wir sind trotzdem die bessere Mannschaft." Freund André Schürrle ergänzte: "Italien hat überrascht, aber wenn wir unsere Leistung bringen, hat es jede Mannschaft schwer gegen uns. Wir wissen um unsere Stärke, haben bisher alle Spiele verdient gewonnen."
Die Engländer dürften trotzdem das leichtere Los sein. Defensiv zwar gut organisiert, kassierten die Three Lions trotzdem schon drei Gegentore und spielen einen leichter auszurechnenden Fußball mit vielen langen Bällen, die bei Mats Hummels und Holger Badstuber gut aufgehoben sein dürften. Die Squadra Azzurra dagegen ist taktisch wesentlich besser geschult, kann verschiedene System spielen und hat beim 1:1 gegen Spanien gezeigt, auch gegen große Teams funktionieren zu können. Diesen Nachweis blieben die Engländer bisher noch schuldig.
Marcus Krämer





