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Datum: 19. Juli 2012, 16:36 Uhr
Format: Artikel
Quelle: dpa/sportal.de
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Fränk Schleck: Wie glaubhaft sind seine Verschwörungstheorien?

Radsport,Schleck,Mutter
Fränk Schleck und seine Mutter

Bruder Andy schwört auf sein Leben und das seiner Mutter - nachdem in Fränk Schlecks Urin ein Diuretikum nachgewiesen wurde, beteuern beide seine Unschuld, stricken Verschwörungstheorien und werden von einem französischen Doping-Spezialisten unterstützt.

Als der erste Schock über die positive Dopingprobe auf das Diuretikum Xipamid überwunden war, gingen die beiden Schlecks zum Gegenangriff über. Vor allem der verletzte Andy wirft mit haarsträubenden Formulierungen um sich. In einem ersten Interview hatte er bereits auf sein Leben und das seiner Familie geschworen, dass der Bruder keine unerlaubten Mittel genommen habe.

Jetzt legte er gegenüber Le Quotidien nach. "Wir haben nie etwas Unerlaubtes genommen, das schwöre ich beim Kopf meiner Mutter", flehte Andy Schleck, der offenbar die Verteidigung seines Bruders übernommen hat. Fränk habe die Öffnung der B-Probe beantragt, stehe "unter Schock" und gehe von einer "Vergiftung" aus. Eine Klage gegen Unbekannt sei ebenfalls schon vorbereitet. Schließlich droht dem Familienunternehmen Schleck, das das große Ziel verfolgt hatte, gemeinsam bei der Tour de France die Spitze zu erklimmen, die große Pleite.

Verschwörungstheorien: Verseuchtes Fleisch oder toter Zwilling?

Doch sind die Verschwörungstheorien glaubhaft? Im Radsport gab es es schon verschiedene Fälle, in denen entsprechende Erklärungsversuche gestartet worden waren. Alberto Contador beispielsweise gab einem verseuchten Steak die Schuld an seinem Clenbuterol-Befund, der Internationale Sportgerichtshof CAS sperrte ihn trotzdem. Floyd Landis führte einen positiven Testosteron-Test zunächst auf den Genuss von Whisky zurück, ehe er dann doch Doping gestand.

Als bei Tyler Hamilton Spuren von fremdem Blut in den Adern entdeckt wurden, wartete der Amerikaner mit der Geschichte seines noch vor der Geburt gestorbenen Zwillings-Geschwisterkindes auf, dessen Blut er dann absorbiert habe. Auch Hamilton gestand später, sich jahrelang gedopt zu haben.

Einige Ungereimtheiten im Fall Schleck

Trotzdem bleiben im Fall Schleck einige Ungereimtheiten, die für die Vergiftungstheorie sprechen könnten. Warum sollte ein Fahrer vor einer kräftezehrenden und flüssigkeitverbrennenden Bergetappe in den Pyrenäen ausgerechnet ein entwässerndes Mittel zu sich nehmen? Zumal die Substanz, die Dopingmissbrauch verschleiern kann, auch noch relativ einfach nachgewiesen werden kann. Schließlich besteht es aus künstlichen Molekülen.

"Schleck ist nicht dumm oder selbstmörderisch. Ich denke, er hat nichts gewusst", erklärte der französische Arzt und Dopingexperte Dr. Jean-Pierre de Mondenard laut sportmagazine.levif.be und bezeichnete die Verschwörungstheorien der Schleck-Brüder als durchaus glaubhaft und nachvollziehbar. "Das Mittel könnte sich in einem Nahrungsergänzungsmittel befunden haben. Man hätte ihm aber auch etwas in seine Flasche füllen können."

Schlecks wollen Unschuld beweisen

Das wollen die Schlecks mit aller Macht beweisen. "Wir sind entschlossen, uns zu verteidigen", erklärte Andy Schleck und legte nach: "In diesen Tagen sind wir vom Radsport angewidert." Egal wie die Doping-Affäre Schleck ausgeht, das Team RadioShack dürften die beiden Profis wohl verlassen, nachdem ausstehende Gehaltszahlungen publik wurden.

Offenbar hat das Duo sogar schon einen neuen Rennstall gefunden: Astana. Wie die Luxemburger Gratiszeitung L'Essentiel berichtete, sollen Fränk und Andy Schleck der kasachischen Equipe bereits eine Zusage gegeben haben. Für die deutsche Nachrichtenagentur dpa kommt dieser Wechsel schon fast einem Schuldeingeständnis gleich.

"In punkto Doping darf der Leumund von Astana nach dem Skandal 1997 um Alexander Winokurow und Alexander Kaschetschkin, die des Fremdblutdopings überführt worden waren, als zweifelhaft gelten", schreibt die Agentur, verlegt die Doping-Affäre um das Duo aber um zehn Jahre vor. Der tatsächliche Fall ereignete sich nämlich erst 2007. Aber in dubio pro reo...