Nach der harschen Kritik im Zuge des Spanien-Grand Prix hat Pirelli Besserung gelobt. Neue Reifen werden kommen, eigentlich für das Rennen in Silverstone am 30. Juni. Nun reagieren die Italiener schneller. Ob das an den deutlichen Worten von F1-Boss Ecclestone lag?
Als Reaktion auf den Unmut vieler Formel-1-Teams nach dem Grand Prix von Spanien kündigte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery an, strukturell veränderte Pneus bereits zum übernächsten Grand Prix in Montreal zu liefern.
Ursprünglich hatte man damit bis zum Großen Preis von Großbritannien am letzten Juni-Wochenende warten wollen. Nun wurde der Termin auf den Kanada-Grand Prix vorverlegt - eine Reaktion auf die Äußerungen Bernie Ecclestones? Der hatte in dieselbe Kerbe wie die meisten Formel-1-Teams geschlagen, sprach von den "falschen Reifen" und deutete an, Pirelli habe nicht so gearbeitet wie man es sich erhofft hatte.
"Ab Kanada werden wir die Reifen so verändern, dass die Fahrer nur noch zwei bis drei Boxenstopps einlegen müssen", twitterte Hembery am Dienstag. Die Reifen würden "Elemente der 2012er und der 2013er Produkte vereinen", vermeldete der Brite weiter und betonte, man habe diese Entscheidung am Montag bei einem Meeting der Ingenieure in Mailand gemeinsam "im Interesse des Sports" getroffen.
Ab dem übernächsten Rennwochenende (7. bis 9. Juni) im kanadischen Montreal stehen den Fahrern damit widerstandsfähigere Pneus zur Verfügung.
Pirelli reagiert auf zu viele Boxenstopps
Die Entscheidung, bereits früher als geplant strukturelle Änderungen vorzunehmen, sei eine Reaktion auf die Tatsache gewesen, dass selbst die härtesten beiden Pirelli-Reifenmischungen in Barcelona im Schnitt mehr als drei Boxenstopps pro Fahrer und insgesamt 79 reguläre Reifenwechsel zur Folge hatten. Sieger Fernando Alonso (Ferrari) legte sogar vier Stopps ein.
Hembery erläuterte seine Motive für den Kurswechsel gegenüber "ESPN": "Vier Stopps wollten wir sicherlich nicht. Im Moment haben wir einige Autos, die die Reifen härter beanspruchen als wir angenommen hatten. Vor allem in den Kurven beanspruchen einige Autos aufgrund ihrer Konstruktion die Reifen über deren Limit."
"Werden es nie allen Recht machen können"
Die schwierige Gemengelage mit wenigen Testtagen und limitiertem Zugang zu den Boliden habe letztlich zu diesem Kompromiss geführt, so der Brite weiter. Zugleich musste Hembery einräumen, dass die veränderten Reifen nicht bei jedem Team Anklang finden dürften: "Wir werden es nie allen Recht machen können."
Unmittelbar nach dem Grand Prix von Barcelona am Sonntag hatte sich der Pirelli-Motorsportdirektor gegenüber "RTL" noch weniger reformbereit gezeigt. Mit Blick auf das Weltmeisterteam Red Bull Racing, der sich laut über die Reifen beschwert hatte, sagte Hembery: "Ich denke, es ist ziemlich klar. Es gibt einen Rennstall, der von einer Änderung am meisten profitieren werde, und das sind sie."
Autor: Marco Heibel
