Das Ergebnis überrascht nach der Talfahrt nicht unbedingt, der Zeitpunkt umso mehr: Der VfL Wolfsburg trennt sich von Trainer-Manager Felix Magath, er habe seinen Rücktritt angeboten. Medienberichten zufolge sollen sich aber die Spieler gegen Magath ausgesprochen haben.
Eigentlich wollte sich Magath am heutigen Donnerstag und damit früher als gewohnt mit seinem Team auf den Weg nach Düsseldorf machen, der Auftritt bei Aufsteiger Fortuna war zum Schicksalsspiel für Magath erklärt worden. Doch der Aufsichtsrat des VfL mit dem Vorsitzenden Francisco Javier Garcia Sanz sah sich nach den vergangenen Tagen gezwungen, schon jetzt die Reißleine zu ziehen.
In einer ersten Mitteilung stellte der Verein klar, dass Magath seinen Rücktritt angeboten habe, er wolle nicht, "dass der Verein in Mitleidenschaft gezogen wird". Sanz dankte Magath: "Wir möchten Felix Magath ausdrücklich unseren Dank aussprechen. Er hat während seiner beiden Amtszeiten beim VfL Wolfsburg enormes Engagement gezeigt und Großes für unseren Verein, die Stadt Wolfsburg und den Sport in der gesamten Region geleistet. Der Fokus liegt jetzt auf den kommenden Partien, in denen es gilt, schnellstmöglich wieder Anschluss an das Mittelfeld der Bundesliga zu finden."
Die Verfehlungen des Felix Magath
Zwei Punkte werden Magath vorgeworfen: Trotz massiver Transfer-Investitionen hat es Magath nicht geschafft, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, zu häufig würfelte er in den vergangenen Wochen seine Startelf durcheinander. Zudem soll das Verhältnis zur Mannschaft extrem angespannt gewesen sein.
In drei Transferperioden hat Magath seit 2011 26 Spieler für rund 71 Millionen Euro verpflichtet. Noch im Sommer waren die Verantwortlichen von Sponsor VW davon überzeugt, beim VfL den nach Bayern München und Borussia Dortmund besten Bundesliga-Kader und das Zeug für die Champions League zu haben. Nach zuletzt vier Niederlagen und 0:10 Toren ist Wolfsburg dagegen zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder Bundesliga-Letzter.
Die Stimmung kippt gegen Magath
Der Kicker berichtete von einem Treffen der Mannschaft ohne Trainerstab am vergangenen Dienstag, das Ergebnis ist zwar nicht bekannt, aber es gilt als offenes Geheimnis, dass die Fürsprecher Magaths innerhalb der Mannschaft immer weniger wurden. Zuletzt hatten sich Kapitän Diego Benaglio und Neuzugang Emanuel Pogatetz noch hinter Magath gestellt, doch die Risse waren zu tief.
In der Zwischenzeit hatte auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß seinem Intimus und Bayern-Aufsichtsrat Martin Winterkorn (VW-Vorstandschef) indirekt eine Trennung von Magath empfohlen. "Wenn eine Mannschaft, die so gut besetzt ist wie nie, plötzlich nicht mehr laufen will, sind die Spieler entweder vom Training kaputt oder sie spielen gegen den Trainer", hatte Hoeneß gesagt und damit offensichtlich recht behalten, auch wenn Pogatetz dies als "Blödsinn" bezeichnete.
Köstner übernimmt in Wolfsburg
sportal.de berichtete bereits am Montag über die starke Kritik an der Arbeitsweise Magaths, die er aber nochmals verteidigte. Nachfolger wird Reservetrainer Lorenz-Günther Köstner werden, der die Mannschaft vorerst mit dem bisherigen Co-Trainer Andries Jonker betreuen soll, der erst seit dieser Saison zum Trainerstab gehört und deshalb als unbelastet gilt. "Ich habe zugesagt, der Verein liegt mir am Herzen", sagte Köstner der Bild-Zeitung.
Der VfL soll sich aber bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht haben, auch wenn die offizielle Bestätigung für die Magath-Entlassung noch aussteht. Für 13:30 Uhr war eigentlich eine Pressekonferenz in Wolfsburg angesetzt, die hat der Verein komplett abgesagt. Stattdessen bittet Köstner noch heute zum ersten Training.
