Wir wagen einen Blick in die Zukunft. Während die Fans noch von Rafael van der Vaart träumen, dümpelt der HSV auf einem Abstiegsplatz herum. Robert Tesche versucht torgefährlich zu sein und Frank Arnesen verkauft weiter das Tafelsilber. Die Lage beim HSV.
Land Unter an der Waterkant. Der HSV hat nach der 2:4-Pleite im DFB-Pokal gegen Karlsruhe durch eine Auftaktniederlage in der Bundesliga den Fehlstart perfekt gemacht. Dabei hatten viele Experten eine schwierige Saison erwartet. sportal.de schrieb bereits in der Saisonprognose: "Mit dem jetzigen Kader fehlt den Rothosen wahrscheinlich die Klasse, um mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu bekommen (...) Langfristig wurden einige Weichen in die richtige Richtung gestellt. Kurzfristig aber kann der Sparkurs den Ligaerhalt kosten."
HSV: Der Anspruch wird zum Hemmschuh
Mit solchen Erwartungen ausgestattet dürfte eine Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg keine Überraschung sein, doch erstens war es ein Heimspiel, dass der HSV verlor und zweitens ist man ja der HSV. "Die Pfiffe der Fans kann ich verstehen. Wir sind der HSV da gibt es einen gewissen Anspruch", so Maximiliian Beister laut mopo.de. Die Fans bieten dem HSV derzeit keinen Rückhalt. Auch wohl deshalb, weil sich im Vergleich zur schwachen letzten Saison wenig verändert hat, was auch Marcell Jansen beklagt. "Nun stehen wir genau da, wo wir letztes Jahr stehen ich sehe keine Weiterentwicklung. So ist die Wahrnehmung."
Besonderen Unmut zog sich Trainer Thorsten Fink zu, als er für Jacopo Sala nicht Maximillian Beister, sondern Robert Tesche brachte. Die Erklärung von Fink: "Ich habe Robert gebracht, weil er unser torgefährlichster Mittelfeldspieler ist", so der HSV-Coach. Jener Robert Tesche, der in 50 Spielen für den HSV gerade einmal vier Tore erzielte? Die Aussage des Trainers bestätigt die schwierige Personallage beim Club. Vor allem im zentralen Mittelfeld braucht der Verein noch Verstärkungen.
Mit Badelj und Wolfsburgs Jiracek kommt Qualität
Neben dem Kroaten Milan Badelj soll nun Wolfsburgs Petr Jiracek kommen. "Das Thema wird am Wochenende noch geklärt, denn das ist wichtig für alle Beteiligten. Der HSV will ihn und wir sind in einer Situation, wo wir auf ihn verzichten können. Der Spieler möchte mittlerweile auch nach Hamburg", erklärte Magath laut LIGA total! Damit hätte der HSV zwei sehr gute defensive Mittelfeldspieler geholt, bliebe das Problem der Torgefahr. "Nach vorne ging gar nichts", sagte Heiko Westermann laut Bild. Markus Berg und Heung-Min Son hingen größtenteils in der Luft.
Schaut man sich an, was zum Beispiel der "kleine HSV" - also Hannover 96 - im Sturm für Möglichkeiten hat (Diouf, Ya Konan, Abdellaoue, Schlaudraff) dann wird deutlich, wie sich die Kräfteverhältnisse im Norden verändert haben. Der HSV hat in der Vergangenheit schlecht gewirtschaftet und in der Kaderplanung die Altersstrukturen zu wenig bedacht. Nach den Abgängen vieler Stammspieler müssen Arnsesen und Fink nun eine neue Mannschaft mit wenig Geld aufbauen.
HSV träumt von Van der Vaart
Es geht deshalb in diesem Jahr nur um das Überleben in der Liga. Ein Selbstverständnis, das auch die Fans erreichen muss, denn ohne Unterstützung wird es schwer für die Mannschaft. "Die Fans sind unzufrieden, wir sind unzufrieden. Aber niemand kann uns vorwerfen, dass die Tugenden Wille und Leidenschaft nicht da waren. Wir müssen hart daran arbeiten, dass das Glück und die Ergebnisse zurückkehren. Zurzeit stecken wir in einem Teufelskreis. Im Umfeld wird schon vor den Spielen erwartet, dass wir verlieren. Wir haben eine unruhige Woche vor uns, das ist scheiße", so Rene Adler laut mopo.de.
Sportchef Frank Arnesen gibt sich selbstkritisch: "Die Mannschaft muss in der kommenden Woche hart arbeiten - und ich auch." Zumindest auf zwei Neuzugänge, dürfen die Fans noch hoffen, ansonsten heißt es: Abstiegskampf akzeptieren und jeden Punkt mitnehmen, denn der Traum von Rafael van der Vaart und damit anderen Tabellenregionen, der wird wohl unerfüllt bleiben.
