Der FC Chelsea hat ein Jahr nach dem Gewinn der Champions League auch die Europa League für sich entschieden. Branislav Ivanovic erzielte den 2:1-Siegtreffer gegen Benfica Lissabon in der Nachspielzeit. Damit sind die Blues als erster Club überhaupt gleichzeitig amtierender Titelträger beider Europapokale.
Der FC Chelsea hat zum ersten Mal in seiner Geschichte die Europa League gewonnen. In Finale gewannen die Londoner durch ein Last-Minute-Tor von Branislav Ivanovic mit 2:1 (0:0) gegen Benfica Lissabon, dessen "Finalfluch" sich mit der siebten Endspiel-Niederlage seit 1962 fortsetzte.
Vor 46.163 Zuschauern in der Amsterdam Arena war Lissabon das klar tonangebende Team, scheiterte aber wiederholt an der fehlenden Cleverness vor dem Tor. Fernando Torres bestrafte die Portugiesen (60.), ehe Oscar Cardozo per Strafstoß ausglich (68.). In der Nachspielzeit gelang Branislav Ivanovic der umjubelte Siegtreffer (90.+3).
Chelseas Rafael Benitez ist damit der erste Coach nach Udo Lattek, der mit drei verschiedenen Vereinen eine internationale Trophäe gewinnen konnte. Die Blues haben zudem für zehn Tage sowohl den Königsklassen als auch den Europa-League-Titel inne. Für Benfica geht der sogenannte "Guttmann-Fluch" indes weiter.
Chelsea ohne Terry und Hazard, Marin auf der Bank
Benitez musste verletzungsbedingt auf John Terry und Eden Hazard verzichten. Der Ex-Bremer Marko Marin stand erstmals seit Anfang April wieder im Aufgebot der Londoner. Benfica-Coach Jorge Jesus musste dagegen den gelbgesperrten Maxi Pereira ersetzen und brachte hinten rechts Andre Almeida.
Die Portugiesen waren anfangs das aktivere Team und verzeichneten durch Cardozos Kopfball die erste Halbchance des Spiels (3.). Benfica blieb dran, drückte Chelsea weit in die eigene Hälfte und hatte phasenweise über 70 Prozent Ballbesitz. Vor dem gegnerischen Tor versagten dem Team von Jorge Jesus aber ein ums andere Mal haarsträubend die Nerven.
Benfica lässt Chancen am Fließband liegen
Chelsea fand kein Konzept, um dem hohen Pressing von Lissabon Herr zu werden - stattdessen beschränkten sich die Londoner auf die Defensivarbeit. Die ersten 20 Minuten erinnerten stark an das Champions-League-Finale von 2012. Danach gelang es den Blues zumindest teilweise, den Schalter auch offensiv umzulegen.
Frank Lampard bestrafte die Nachlässigkeiten der Portugiesen um ein Haar: Der Blues-Kapitän bekam halblinks vor dem Sechzehner den Ball aufgelegt und zwang den schlecht postierten Artur Moraes mit einem satten, aber zu zentralen Schuss zu einer Parade (38.). So bat Referee Björn Kuipers torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild: Es spielte fast nur Benfica. Die Blues bekamen keinen Zugriff und mussten sich auf die eklatante Abschlussschwäche Benficas verlassen. In der 51. Minute ertönte dann der Torschrei, doch einem Kopfballtreffer von Cardozo wurde wegen knapper Abseitsstellung die Anerkennung verweigert.
Torres schockt Benfica - Cardozo antwortet
Nach knapp einer Stunde erhöhte Chelsea die Schlagzahl - und stellte prompt das Spiel auf den Kopf. Petr Cech bediente mit einem langen Abwurf Juan Mata, der auf Torres weiterleitete. Der bis dahin komplett abgemeldete Spanier setzte sich gegen Luisao durch, umspielte den geschlagenen Artur und schob zum 1:0 ein (60.).
Benfica schüttelte sich kurz und kam Minuten später zum Ausgleich. Cardozo lupfte in den Strafraum, woraufhin die Hand von Cesar Azpilicueta hochschnellte - Elfmeter für Benfica. Der Paraguayer trat selbst an und verlud Cech mit einem satten Schuss in die Mitte (68.). Das Spiel entwickelte sich nun zum offenen Schlagabtausch.
Ivanovic köpft Chelsea ins Glück
Benfica schwanden die Krafte, doch Jesus peitschte sein Team noch einmal nach vorne. Cardozo nötigte Cech mit einem Volleyschuss aus 18 Metern zu einer Glanztat (82.). Aber Chelsea konnte immer mal wieder gefährlich nach vorne durchstoßen. So auch in der 88. Minute, als Lampard mit einem Gewaltschuss aus 22 Metern die Latte zum Wackeln brachte.
In der 93. Minute machte es Branislav Ivanovic besser und versetzte Benfica mit einer der letzten Aktionen des Spiels den Knockout. Der Serbe stieg bei einem Eckball am höchsten und köpfte unbedrängt ins lange rechte Eck - und damit Chelsea zum ersten Europa-League-Titel seiner Geschichte.
Autor: Marco Nehmer

