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Datum: 14. Mai 2013, 12:33 Uhr
Format: Artikel
Quelle: sportal.de
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Europa League: FC Chelsea im Finale gegen Benfica Lissabon vor dem historischen Double

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Frank Lampard: Nach Champions League jetzt Europa League?

Ein knappes Jahr nach dem größten Erfolg in der Clubgeschichte will sich der FC Chelsea im Finale der Europa League mit dem kleineren Pott trösten. Trösten ist auch das Stichwort bei Gegner Benfica Lissabon und Trainer Jorge Jesus nach der Ligaschlappe gegen Porto.

Wenn es am Mittwoch um 20:45 Uhr zum Aufeinandertreffen zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon (im Live-Ticker von sportal.de) kommt, möchten die Engländer ihren Henkelpott aus der Champions League zumindest gegen die Europa-League-Trophäe eintauschen. Aber hat das Team den Kopf wirklich frei? Die Portugiesen um Coach Jorge Jesus kämpfen ihrerseits darum, das Schicksal des FC Bayern nicht teilen zu müssen. Zudem muss ein ganz besonderes Trauma endlich überwunden werden.

51.800 Zuschauer werden in der Amsterdam Arena dabei sein, wenn das Deutsche Finale zumindest für einen Abend nicht mehr die Schlagzeilen der Sportgazetten dominiert. Genau, da war doch was: Benfica - der sechste iberische Finalteilnehmer in nur vier Jahren - und Chelsea sollen dem kleinen Bruder der Champions League zumindest einmal im Jahr das Rampenlicht sichern.

Bevor der FC Chelsea den Titel der Königsklasse, den man den Bayern vor einem Jahr mit Klauen und Zähnen entriss, wieder abtreten muss, will man der Vitrine an der Stamford Bridge genau 15 Kilogramm Silber hinzufügen: So viel wiegt der Pokal der Europa League, den die Blues in ihrer Vereinsgeschichte noch nie gewinnen konnten.

Benitez: Werbung in eigener Sache

Damit würden sich die Londoner in die Geschichtsbücher eintragen: "Wir könnten die erste Mannschaft werden, die hintereinander die Champions League und die Europa League gewinnt" erklärte Torhüter Petr Cech. Der FC Porto hatte die beiden Titel 2003 und 2004 in umgekehrter Reihenfolge gewonnen. "Das wäre eine fantastische Leistung" - und zumindest etwas Wiedergutmachung für das blamable Ausscheiden in der Champions-League-Vorrunde. Damals musste Roberto Di Matteo seinen Hut nehmen und wurde vom ungeliebten Ex-Liverpooler Rafael Benitez ersetzt.

Der Spanier muss sich im Sommer ebenfalls einen neuen Verein suchen und rührte vor dem Spiel schon fleißig die Werbetrommel in eigener Person: In der Premier League würde er gern bleiben, sagte er der BBC. Ein Titel würde sicher helfen.
Er weiß, wie es geht: Mit dem FC Valencia holte er 2004 den UEFA Cup, ein Jahr später mit Liverpool sogar die Champions League. Trotzdem warnt er: "In einem Finale kann alles passieren. Es gibt keine Favoriten."

Lampards Zukunft noch ungewiss

Für Benitez ist es also ein Vorspielen auf höchster Ebene. Seinen Spielern geht es da nicht anders, schließlich muss man sich dem neuen (alten?) Trainer empfehlen. Oder, wie im Fall Frank Lampard, überhaupt erst einmal einen neuen Vertrag ergattern.
Denn das 34-jährige Chelsea-Idol, das am Samstag mit seinen Toren 202 und 203 im blauen Dress Vereinslegende Bobby Tambling als Rekordhalter ablöste, hat immer noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Für das Kindergarten-Mittelfeld seines Klubs - Hazard, Oscar und Mata bringen es auf ein Durchschnittsalter von nicht einmal 23 - ist er immer noch unverzichtbar, auch wenn er in dieser Saison kein unumstrittener Stammspieler mehr ist.

Gegen Lissabon wird er wohl trotzdem spielen, womöglich sogar als Kapitän: Benitez bangt um den Einsatz von John Terry, der gegen Villa eine Knöchelverletzung erlitten hat. Hazard plagt sich mit einer Oberschenkelverletzung herum, John Obi Mikel fehlt nach langer Pause noch die Fitness. Sollte Hazard ausfallen, könnte Marko Marin in den Kader rutschen.

Immerhin sind Ramires und Verteidiger David Luiz einsatzbereit: Beide spielten vor wenigen Jahren noch beim Gegner. "Das ist ein sehr starkes Team", betonte Ramires: "Sie sind gut organisiert und brandgefährlich."

Benfica: Titel trotz personellem Aderlass

Für die Tore sind bei Benfica unter anderem die Stürmer Lima und Oscar Cardozo (zusammen 34 Ligatreffer) zuständig, der 29-jährige Cardozo hat mit sechs Europa-League-Treffern auch noch Chancen auf die Torjägerkrone des Wettbewerbs. Star des Teams ist jedoch Trainer Jorge Jesus. Der 58-Jährige, früher selbst als Spielmacher unterwegs, setzt auf Angriffsfußball: Spätestens beim 3:1 im Halbfinal-Rückspiel gegen Fenerbahce setzte das Team um Kapitän Luisao und Mittelfeldmotor Nicolas Gaitan ein Ausrufezeichen.

Seit 2009 ist Jesus bei Benfica und gewann in den letzten drei Jahren immer mindestens einen Titel - und das, obwohl der Club in dieser Zeit Stars für über 175 Millionen Euro an die großen Klubs der Welt veräußern musste. "Das Finale erreicht zu haben, ist schon etwas Besonderes, aber dort dann noch zu triumphieren, wäre noch mehr, sozusagen das i-Tüpfelchen", betonte der Coach, den Kollegen in Anlehnung an Jose Mourinho auch schon mal zum "Special Two" umgetauft hatten.

Drei zweite Plätze für Benfica?

Dabei ist er derzeit vor allem als Seelendoktor gefragt: Seit 51 Jahren wartet "der größte Club der Welt" mit 224.000 Mitgliedern auf einen internationalen Titel. Mehr noch: Die sechs Endspiele zuvor wurden allesamt verloren. "Benfica hat immer Druck", bestätigt Jesus.

Ganz besonders nach der 1:2-Niederlage gegen Dauerkonkurrent FC Porto am letzten Samstag. Durch den Siegtreffer in der Nachspielzeit übernahm dieser einen Spieltag vor Saisonende die Tabellenführung, Lissabon droht jetzt der ungeliebte zweite Platz. Sollte das Finale verloren gehen, wartet zwar noch das Pokalfinale am 26. Mai gegen Guimaraes, eine "Katastrophensaison" mit drei zweiten Plätzen ist dann aber nicht mehr auszuschließen.

Aimar: Chelsea ist zu schlagen

Die Spieler sind jedoch optimistisch. "Das ist nicht das Chelsea, das vor einem Jahr die Champions League gewonnen hat", tönte Pablo Aimar. "Sie sind nicht in Bestform und stehen außerdem nicht hinter ihrem Trainer. Das können wir ausnutzen." Schwächer sei Chelsea in der Ära Abramowitsch noch nie gewesen, so der 33-Jährige.

Jesus wird wohl wieder mir zwei Stürmern auflaufen, verzichtete aber auf große Kampfansagen. Er freue sich einfach auf das Finale und auf seine früheren Spieler. Bis auf den gesperrten Rechtsverteidiger Maxi Perreira ist sein Team komplett einsatzfähig.

Stefan Petri