Wollte man dem US-Team einen "Angstgegner" andichten, wie Harry Potter es für Voldemort ist, dann wäre das wohl Argentinien, die einzige Mannschaft, die einem Dream Team je Olympiagold raubte. Aber in London musste Voldemort beim 109:83 kaum zittern.
Es hätte sicher spannender ausfallen können. Das dritte Halbfinale zwischen den USA und Argentinien bei Olympia in Folge hatte keine packende Schlussphase, in der die Führung hin- und herwogte und der Ausgang bis kurz vor dem Ende offen war. Mit 26 Punkten gewannen die Amerikaner am Ende und sprachen den Status ihres Kontrahenten als "Angstgegner" einmal mehr Hohn. Schon wenige Tage zuvor im letzten Gruppenspiel hatten die Südamerikaner- 2004 noch siegreich in Athen - erleben müssen, wie das Tempo im dritten Quarter angezogen und ein bis dahin auf dem Scoreboard enges Match außer Reichweite gehoben wurde.
Diesmal stand es in der North Greenwich Arena zur Pause 47:40, dann eröffnete Manu Ginobili das Viertel mit einem Dreier und verkürzte auf vier Zähler. Aber da hatte er die Rechnung ohne Kevin Durant und Lebron James gemacht. Die beiden Superstars der abgelaufenen NBA-Saison explodierten mit Dunks und Dreiern und kurz vor Ende des Viertels stand es 72:53. Ginobili kommentierte gegenüber ESPN: "Wir hatten einen guten Lauf in der ersten Halbzeit. Wir begannen das dritte Viertel sehr gut. Und dann haben wir geblinzelt".
Insgesamt trafen die Amerikaner achtzehnmal von hinter der Dreierlinie, darunter allein dreimal Carmelo Anthony innerhalb von 42 Sekunden im Schlussviertel. Melo hatte insgesamt 18 Punkte von der Bank, wie auch James, der in der Starting Five gestanden hatte und sieben Assists beisteuerte. Kevin Durant erzielte 19 Punkte, Kobe Bryant 13, Kevin Love glänzte mit neun Rebounds. Bei Argentinien war Spurs-Star Ginobili mit 18 Punkten am treffsichersten, Luis Scola und Carlos Delfino brachten 15 auf den Scoresheet.
Im Finale kommt es nun nach dem Rematch des Halbfinals von Peking auch zur Revanche um Gold, wenn am Sonntag wieder Spanien der Gegner ist. Die Europäer hatten sich im ersten Halbfinale gegen Russland mit 67:59 behauptet, gehen aber gegen ein Dream Team, das seine Spiele in London bisher mit durchschnittlich 36 Punkten Unterschied gewann, als krasser Außenseiter ins Endspiel. Der einzige Nachteil der Amerikaner besteht wohl in der vergleichsweise geringen Körpergröße, verglichen mit Spaniens Riesen. Aber die Höhenunterschiede ändern nichts an der Rollenverteilung zwischen David und Goliath.



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