Erstmals bei den Olympischen Spielen musste sich das Dream Team Buh-Rufe gefallen lassen. Das lag zwar auch an einer schwachen Leistung, doch starke Litauer machte dem Dream Team das Leben schwer. Nur mit Mühe verhinderten die USA einen Albtraum.
Am Ende gewannen die US-Amerikaner mit 99:94 und durften froh sein, dass die Balten zu viele eigene Fehler machten, um das Spiel wirklich gewinnen zu können. Linas Kleiza war bester Werfer bei den Verlierern, mit 25 Punkten gleichzeitig bester Werfer des Matches. LeBron James und Carmelo Anthony kamen bei den USA auf 20 Punkte.
Dabei hatte das Dream Team um Kobe Bryant, Carmelo Anthony und LeBron James über das gesamte Spiel große Probleme mit dem Außenseiter. Litauen hatte einzig gegen Nigeria gewonnen, musste gegen Argentinien und Frankreich Niederlagen einstecken. Mit einer starken Mannschaftsleistung konnte das Team von Coach Kestutis Kemzura aber überzeugen.
Litauen bleibt immer auf Tuchfühlung
Die ersten beiden Punkte machte der Underdog, hielt bis zum 4:4 mit. Auch ein Zwischenspurt des Dream Teams brachte Litauen nicht aus dem Konzept. Mit starker Defensive und schnellem Spiel kam man immer wieder zu leichteren Punkten - auch, da die USA wie in den Spielen zuvor verstärkt auf die Offensive setzte.
Über 4:4 und 11:18 hielt Litauen den Rückstand zumeist im einstelligen Bereich, schaffte zwei Minuten vor Ende des ersten Viertels das 22:26. Einige Turnovers zu viel, gepaart mit einem Dreier von Carmelo Anthony mit der Schlusssirene, brachte dem haushohen Favoriten das 33:25. Wer nun eine Leistungssteigerung der USA erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Denn es waren die Litauer um Linas Kleiza, die mehr vom Spiel hatten. Gerade die Quote von jenseits der Linie sowie die Quote bei den Freiwürfen des Dream Teams fielen ab und so schmolz der Vorsprung stetig. Zwar überzeugten die US-Amerikaner immer wieder durch individuelle Klasse, die Defensive von Litauen machte ihnen aber das Leben schwer.
Litauen gewinnt das zweite Viertel
Völlig überraschend gewann der Außenseiter dann das zweite Viertel mit 26:22, lag zur Halbzeit nur mit 51:55 hinten. Kurz nach Beginn des dritten Viertels dann sogar die Führung für Litauen, als Sarunas Jasikevicius zum 56:55 traf. Mit zu vielen Einzelaktionen machten sich die USA das Leben schwer - bei den Assists lag Litauen mit 16:7 vorne.
Kevin Durant (14), LeBron James (10) sowie Carmelo Anthony hatten mittlerweile zweistellig getroffen, so wirklich abschütteln ließ sich Litauen allerdings nicht. Knapp fünf Minuten vor Ende des dritten Viertels führten die USA mit 67:63. Wenn es etwas im Spiel der Balten zu kritisieren gab, dann die hohe Fehlerquote, die bei 16 Turnovers - im Vergleich zu den sechs der USA - lag.
Doch ob der schlechten Quoten der US-Amerikaner - sieben von 24 von der Dreier Linie - schaffte Litauen dann erneut den Ausgleich. Bei 69:69 lag eine Überraschung in der Luft, auch wenn man es sich so recht nicht vorstellen konnte. Mantas Kalnietis leistete sich dann seinen siebten Turnover und die USA zogen bis zum Ende des Viertels, das sie mit 23:21 gewannen, auf 78:72 davon.
Litauen schlug sich beachtlich, dennoch war das Publikum gerade von den Favoriten enttäuscht, quittierte das fehlende Spektakel mit Buh-Rufen. Lindsey Vonn wollte dies so nicht stehen lassen und twitterte entgeistert: ''Boo-ing is totally Unnecessary!'' Zehn Minuten vor dem Ende war die Partie offen, man durfte gespannt sein, wie das Dream Team das letzte Viertel gestalten würde.
LeBron James entscheidet das Match
Anthony, der mittlerweile bei 20 Punkten stand, erhöhte schnell auf 80:72. Die Fehlerquote bei Litauen blieb hoch, die Nervenstärke und der Wille, eine Überraschung zu schaffen, machten dies jedoch wett. Ob aus der Distanz oder mit Zug zum Korb, die Palette war breit gefächert. Sieben Punkte in Folge brachten erneut den Anschluss - USA-Coach Michael Krzyzewski nahm eine Auszeit.
Aber Litauen drängte weiter, Kleiza verwandelte einen Dreier zur 82:80-Führung. 5:30 Minuten waren noch zu absolvieren, als Chris Paul ebenfalls per Distanzwurf traf und den Favoriten wieder in Front brachte. Es blieb ein Spiel auf Messers Schneide, doch dann traf James erst per Dreier, legte danach einen Dunk in den Korb.
Als dann auch Deron Williams von jenseits der Linie traf und die USA die Führung auf 95:88 ausbauen konnte, war die Messe gesungen. Litauen kämpfte zwar nochmals, musste letztendlich aber der individuellen Klasse sowie den vielen eigenen Fehlern Tribut zollen. Dennoch war es eine beeindruckende Leistung der Balten, die zeitweise an der Sensation geschnuppert hatten.
