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Doping-Jäger Richard McLaren enttäuscht - Droht dem Sport ein 'zweites Rio'?

Zu den Kommentaren0 Kommentare   |   Quelle: sid
26. April 2017, 19:11 Uhr
Richard McLaren
Richard McLaren ist enttäuscht vom IOC

Um seiner tiefen Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, brauchte Doping-Jäger Richard McLaren nicht einmal die Hälfte seiner ursprünglich vorgesehenen Redezeit. "Ich habe mich bisher nicht dazu geäußert, wie der internationale Sport reagieren sollte. Aber es frustriert mich immer mehr, was passiert", sagte der Kanadier während seines mit Spannung erwarteten Auftritts vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages.

McLaren hatte in seiner Untersuchung im vergangenen Jahr ein institutionelles Dopingsystem in Russland bewiesen, doch zehn Monate vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ist der WADA-Sonderermittler angesichts der weiterhin ausbleibenden Konsequenzen mehr als ernüchtert. Es könnte allerdings noch schlimmer kommen: Weil die IOC-Untersuchungen weiter andauern, droht sogar "ein zweites Rio".

"Es müssen konkrete Schritte eingeleitet werden, um das Problem an der Wurzel zu packen", sagte McLaren. "Nach meinem zweiten Bericht bin ich etwas entmutigt worden, weil IOC, WADA und der internationale Sport meiner Meinung nach halbherzig gehandelt haben", sagte der Rechtsprofessor: "Ich frage mich manchmal, ob überhaupt Reformwille besteht."

Das IOC hatte nach dem ersten McLaren-Bericht zwei Kommissionen eingesetzt, die derzeit die Hinweise auswerten. Wann diese Ermittlungen abgeschlossen werden, ist noch offen. Darüber hinaus hat das IOC unter anderem im Zusammenhang mit den Manipulationen in Sotschi 28 Ermittlungsverfahren gegen russische Sportler eingeleitet.

Treffen mit Bach

McLaren setzt nun viel Hoffnung in ein Treffen mit Thomas Bach. "Ich werde mich bald mit dem IOC-Präsidenten treffen, er hat mir viel Unterstützung zukommen lassen. Jetzt geht es darum, wie man einen Wandel herbeiführen kann", sagte McLaren. Er vertraue darauf, dass die Ergebnisse der beiden IOC-Kommissionen "meinen sehr ähnlich sein werden".

In der Stellungnahme für den Sportausschuss erklärte das IOC: "Derzeit kann aufgrund der notwendigen weiteren umfangreichen Untersuchungen kein Zeitpunkt für den Abschluss der Sanktionsverfahren des IOC verlässlich vorhergesagt werden." Ziel sei es allerdings, so das IOC, "rechtzeitig" vor den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar 2018) zu Entscheidungen zu kommen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann unterstützte McLaren. "Ich sage ausdrücklich: Dieser Unzufriedenheit schließen wir uns aus Sicht des deutschen Sports an", sagte Hörmann dem SID: "Wir können nur fordern, dass die bestehenden Systeme durchbrochen werden."

Chaos in Rio

Die Erkenntnisse des ersten McLaren-Reports hatten vor den Olympischen Spielen in Rio zu großen Diskussionen geführt. Das IOC hatte sich letztlich gegen einen Komplett-Ausschluss des russischen Teams entschieden. Unter großem Zeitdruck mussten die einzelnen Sportverbände über die Zulassung der russischen Sportler entscheiden. Ein verwirrendes Hin und Her - ohne einheitliche Regeln. Am Ende starteten rund 270 russische Sportler.

Ein ähnliches Wirrwarr vor den Winterspielen 2018 sieht Hörmann als unzumutbar an. "Das, was dort passiert ist, darf sich nicht wiederholen. Pyeongchang darf kein zweites Rio werden", sagte Hörmann: "Deshalb ist bei allen Kommissionen der Zeitfaktor zu berücksichtigen, andernfalls droht ein ähnliches Szenario wie in Rio."

Zustände "nicht zu akzeptieren

Hörmann betonte, die Zustände in Russland seien nicht zu akzeptieren. "Wenn weder Schuldbewusstsein erkennbar ist, noch irgendein Umdenken erfolgt, dann sehen wir klare und harte Sanktionen als dringend erforderlich", sagte Hörmann: "Für uns war es unvorstellbar, in welcher Mannschaftsstärke Russland in Rio angetreten ist."

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