In Teil zwei der sportal.de-Vorschau auf die Saison 2012/13 der NBA geht es um die Western Conference. Was hat der Trade von James Harden verändert? Ist in Los Angeles wieder Showtime? Und spielen die Dallas Mavericks um die Playoffs mit? Der Basket Case klärt auf.
Wie ein kleines Erdbeben kam die Nachricht in der Nacht auf Sonntag aus dem Postfach - Oklahoma City hatte James Harden für ein sehr gemischtes Paket zu den Houston Rockets getradet. Aber macht das die Thunder wirklich schlechter? Und sind die Los Angeles Lakers der einzige Gewinner? Ohne weitere Umschweife, hier die Vorschau auf die Western Conference der NBA.
Northwest Division: Es donnert in Oklahoma City
In der Northwest Division schaut natürlich zunächst alles auf die Oklahoma City Thunder, den unterlegenen Finalisten des Vorjahres. Eigentlich hatten die Thunder einen perfekten Sommer. Serge Ibakas Vertrag konnte zu nur leicht überzogenen Bedingungen verlängert werden, auch Coach Scott Brooks entschied sich für vier weitere Jahre in Oklahoma City, doch dann platzten die Verhandlungen mit James Harden. Der Olympia-Teilnehmer und beste sechste Mann der abgelaufenen Saison hatte ein letztes Angebot der Thunder über 55.5 Millionen Dollar für vier Jahre abgelehnt und wollte sich im Sommer als Free Agent einen neuen Club suchen.
Doch General Manager Sam Presti reagierte umgehend und tradete Harden am Samstag zusammen mit Cole Aldrich, Daequan Cook und Lazar Hayward nach Houston. Zurück gab es dafür Kevin Martin, Jeremy Lamb sowie drei Draftpicks und jede Menge verdutzte Gesichter rund um die Liga. Obwohl viele mit einem Trade gerechnet hatten, hatte man diesen eher für die Zeit nach Weihnachten erwartet als schon vor Saisonbeginn, aber die Thunder sind eben eine Organisation der klaren Worte.
Kurzfristig wird dieser Trade die Thunder wohl leicht schwächen. Martin, das Herzstück des Trades, hat zwar einen Karriereschnitt von 18,4 Punkten, hat sich in den letzten Jahren aber eher zurück entwickelt. Lamb ist zwar der zwölfte Pick im Draft gewesen, wird sich aber erst seinen Platz erarbeiten müssen. Beiden fehlt die Geschwindigkeit Hardens und auch eine Entlastung für Russell Westbrook im Spielaufbau, wie Harden sie des Öfteren bot, werden beide nicht leisten können. Und die Draftpicks sind sicher langfristig gesehen ein guter Trumpf für spätere Transfers, finden sich aber auch nur spät in der ersten (zwei Picks) beziehungsweise in der zweiten Runde (ein Pick) wieder.
Doch natürlich ist das Team ansonsten nicht schlechter geworden, und bei Russell Westbrook ist es nicht ausgeschlossen, dass er vom gestiegenen Druck und noch mehr Einsatzminuten sogar profitiert. Kevin Durant wird sicher ebenfalls keine Probleme damit haben, pro Spiel 3 oder 4 Würfe mehr zu nehmen - kurzum, die Thunder sind natürlich der große Favorit in der Northwest Division der NBA.
Denver, Minnesota, Portland, Utah: Wo stimmt die Chemie?
Die Denver Nuggets hingegen haben sich durch ihre Sommergeschäfte eher verstärkt. General Manager Masai Ujiri, der in Fachkreisen als der beste junge Manager in der NBA gilt, darf sich auf die Schulter klopfen. 50 Millionen Dollar konnten die Nuggets über die nächsten zwei Jahre abgeben, verloren an Spielern nur Arron Afflalo und Al Harrington sowie zwei Draftpicks und haben nebenbei mit Andre Iguodala noch einen All-Star und Top-Verteidiger an Land gezogen. Mit Andre Miller und Ty Lawson haben die Nuggets eine aufregende Kombination aus Point Guards, mit Kenneth Faried, JaVale McGee und Anthony Randolph sind die großen Positionen relativ tief besetzt und auch Danilo Galinari sowie Wilson Chandler können, ob als Stamm- oder Ersatzspieler, jeden Abend zum Scoring beitragen. Da auch Coach George Karl zu den besten seines Fachs gehört, sehen die Nuggets einer tollen Zukunft entgegen.
Die Zukunft gehört sicher auch den Minnesota Timberwolves. Doch vor allem der Start in die neue Saison wird für die Wolves steinig. Spielmacher Ricky Rubio fällt noch bis Weihnachten aus und auch Kevin Love, der wohl beste Power Forward der Liga, muss mit einer Fraktur in der Wurfhand bis Mitte Dezember zuschauen. Und trotzdem dürfen sich die Timberwolves berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs machen. Denn mit den Veteranen Brandon Roy und Andrei Kirilenko hat man interessante Neuverpflichtungen getätigt, die zusammen mit den begabten Nikola Pekovic und Derrick Williams den Ausfall der beiden Topstars zumindest auffangen sollen - bis Rubio und Love dann das Ruder übernehmen. Spätestens ab Januar also wird man die wahren Timberwolves sehen und die dürften so einige Siege gegen vermeintliche Favoriten einfahren.
Auf jung und gut setzen auch die Portland Trail Blazers. Im Draft scheint man mit Point Guard Damian Lillard einen Volltreffer gelandet zu haben, der Vertrag mit Nicolas Batum konnte für 44 Millionen Dollar um vier Jahre verlängert werden, und Herzstück und Power Forward LaMarcus Aldridge steht sowieso noch einige Jahre unter Vertrag. Doch abgesehen von diesen drei wird es dann schon eng in Portland. Weder sind die Guards Wesley Matthews und Sasha Pavlovic besser als Durchschnitt, noch wird Rookie-Center Meyers Leonard zugetraut, mit körperlich stärkeren Gegnern mithalten zu können. Doch ein weiteres Jahr in der Draft-Lotterie scheint in Portland schon einkalkuliert, um dann mit einem jungen Team wieder angreifen zu können.
Anders die Erwartungshaltung bei den Utah Jazz. Weniger vorlaut, sondern eher hinter vorgehaltener Hand werden dort schon leise Playoff-Hoffnungen geäußert. Und das auch zu Recht. Al Jefferson, Paul Millsap und Mo Williams spielen alle um einen neuen Vertrag, Enes Kanter hat angeblich 51 Pfund im Sommercamp verloren und präsentiert sich in Topform, mit Josh Howard und Raja Bell wurden zwei Problemspieler aussortiert und mit Randy Foye ein vielseitig einsetzbarer Spieler zu einem Dumpingpreis verpflichtet. Aus dieser gesunden Mischung an Ehrgeiz und Talent sollte Coach Tyrone Corbin in der Lage sein, ein Team mit Playoff-Ansprüchen zu formen.




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