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Die Vasallen stehen zu Blatter - Warner stellt sich der Polizei - Schmiergeldzahlungen vor Wahl 2011

Zu den Kommentaren4 Kommentare   |   Quelle: sid
28. Mai 2015, 10:32 Uhr
Joseph Blatter
Joseph Blatter gerät immer mehr in die Kritik

Das System FIFA wankt, die Fußball-Welt schreit nach Konsequenzen - doch die Vasallen stehen auch im schlimmsten Skandal treu zu Joseph S. Blatter. Die asiatische Konföderation AFC teilte einen Tag vor der Präsidentschaftswahl im Weltverband mit, zwar "enttäuscht und traurig" zu sein, eine Verschiebung der Wahl komme jedoch nicht infrage: "Und die AFC steht zu ihrer Entscheidung, Blatter zu unterstützen." Eine klare Botschaft - der einzige Gegenkandidat für den übermächtigen Amtsinhaber, Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien), kommt aus dem eigenen Haus.

Die Gefolgschaft hatte zuvor auch der afrikanische Kontinentalverband CAF Blatter (79) versichert. Dennoch: Der Schweizer steht unter Druck wie nie. Die UEFA hatte von einem "Desaster" gesprochen und mit Boykott des FIFA-Kongresses gedroht, der englische Verbandspräsident Greg Dyke forderte: "Blatter muss gehen! Entweder durch Rücktritt, Abwahl oder über einen dritten Weg."

Fußball-Idole wie Romario ("Ich hoffe, auch er wird verhaftet") und Diego Maradona ("Ich sage das schon seit langer Zeit") schlossen sich an. Gary Lineker schrieb spöttisch: "Wenn er noch einen letzten Krümel Würde hätte, würde er zurück in seine Höhle kriechen, in seinem Sessel sitzen und seine Katze streicheln."

Fern des FIFA-Hauptquartiers in Zürich gab es in der Nacht zu Donnerstag neue Entwicklungen. Blatters per Haftbefehl gesuchter ehemaliger Vize-Präsident Jack Warner stellte sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago der Polizei, er wurde in der Hauptstadt Port of Spain einem Richter vorgeführt. Zudem drohen unverzichtbare Geldgeber angesichts des neuerlichen Skandals mit ihrem Ausstieg. Ohne einen Wandel werde es "sein Engagement überdenken", teilte das Kreditkarten-Unternehmen Visa mit und drückte seine "tiefe Enttäuschung und große Sorge" aus.


"Standards der Transparenz"

Seine Besorgnis hinterlegte wiederholt auch Coca-Cola. "Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der FIFA", schrieb der Getränke-Riese laut der Nachrichtenagentur AFP. Auch der US-Fastfood-Gigant McDonald's nimmt die Vorgänge, die am Mittwoch den Weltverband schwer erschüttert hatten, "sehr ernst". Der deutsche Sportartikelhersteller adidas betonte, sein Engagement fortsetzen zu wollen, sofern "Standards für Transparenz" eingeführt werden. Der US-Konkurrent Nike teilte mit, die Ermittlungen der US-Behörden zu unterstützen.

Nach einem Amtshilfe-Ersuchen der US-Justizbehörde hatte die Schweizer Kantonspolizei in Zürich am Mittwochmorgen sieben hochrangige FIFA-Funktionäre (darunter zwei Vize-Präsidenten) verhaftet, denen im Rahmen eines US-Verfahrens Geldwäsche, die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM- und TV-Rechte-Vergaben vorgeworfen werden.

Doch damit nicht genug: Der Inhalt von US-Gerichtsakten gibt auch Einblick in Schmiergeldzahlungen rund um Blatters Wiederwahl 2011. Demnach sollen jeweils 40.000 US-Dollar vor der Wahl in Umschlägen den Besitzer gewechselt haben - in einem Hotel in der Karibik.

Schmiergeld vor Blatters Wahl 2011

Die Zahlungen im Hyatt Regency Hotel in Trinidad und Tobago, der Heimat des ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner, sollen von einem hochrangigen Mitglied des Weltverbandes und des asiatischen Kontinentalverbandes AFC arrangiert worden sein. Ein Name wurde nicht genannt. Mohamed Bin Hammam, damals AFC-Präsident, war im Mai 2011 wegen Korruptionsverdachts von der FIFA suspendiert worden.

Empfänger des Schmiergeldes waren angeblich Funktionäre der Karibischen Fußball-Union CFU.

Die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff forderte in ihrer Reaktion die Untersuchung der Vergabe sämtlicher Endrunden von Weltmeisterschaften, darunter auch jener in ihrem Heimatland im vergangenen Jahr. "Jede Aufklärung in diesen Fragen ist sehr wichtig", sagte die 67-Jährige am Mittwochabend in Mexiko-Stadt.

"Untersucht alle Weltmeisterschaften, den gesamten Fußball", forderte Dilma. Dies könne nur zu einer Professionalisierung führen, auch Brasilien könne von einer solchen Untersuchung "nur profitieren". Am Mittwoch war auch José Maria Marin verhaftet worden, früherer Präsident des brasilianischen Verbandes CBF.

Warner stellt sich der Polizei

Jack Warner, ehemaliger Präsident des Kontinentalverbands Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), ist eine von 14 Personen, die angeklagt worden sind. Er soll im Zuge der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 an Frankreich und 2010 an Südafrika in Korruption verwickelt gewesen sein und sich persönlich bereichert haben.

Blatter kann sich in seinem Bemühen um eine fünfte Amtszeit der Stimmen der AFC und des CAF gewiss sein - dies reicht schon fast für die Mehrheit bei 209 Stimmberechtigten. Prinz Ali tritt wohl chancenlos an. Das portugiesische Fußball-Idol Luis Figo und der niederländische Funktionär Michael van Praag hatten ihre Kandidatur zurückgezogen.

Der CAF hat 54 Stimmen, die UEFA 53, die AFC 46. Weitere 35 entfallen auf den CONCACAF. Die südamerikanische Konföderation CONMEBOL hat zehn Stimmen, der Verband Ozeaniens elf. 

zu "Die Vasallen stehen zu Blatter - Warner stellt sich der Polizei - ..."
4 Kommentare
Letzter Kommentar:
Schmidt schrieb am 28.05.2015 17:16
Lächerlich wie sich die deutschen Medien in ihrer Hetze gegen die FIFA gegenseitig überbieten. Dabei hat der DFB in Anzahl der Titel und Ausrichtung 2006 am meisten von den Manipulationen profitiert.
Und beim DFB werden Spielmanupulationen im Gegensatz zu anderen Ländern nicht aufgeklärt, sondern sogar gesteuert. So pfeift z. B. ein Schiedsrichter, der ein Relegationsspiel zur Regionalliga beeinflusste, zur Belohnung inzwischen 1. Liga.
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