Hurra, heute ist Champions League! Moment mal, es geht um gar nichts! Wie kann das sein? Muss die Königsklasse reformiert werden? Ja, aber nicht so, wie Michel Platini es will. sportal.de hat sein berüchtigtes Champions League-Modell noch einmal überarbeitet - jetzt mit Extra-UEFA Cup-Modus.
Wenn am Dienstagabend acht Spiele in der UEFA Champions League angepfiffen werden, dann ist das nicht etwa der Höhepunkt der Hinserie im wichtigsten Wettbewerb des Clubfußballs in der Welt. Sondern ein bedeutungsloser Abend, an dem es höchstens noch um die Frage geht, in welchen Lostopf die Mannschaften bei der Ziehung des Achtelfinales verteilt werden. Und selbst darum nicht mehr in allen Gruppen.
"Na und? In vielen Ligen geht es am letzten Spieltag nicht mehr um alles", könnte man einwenden. Das trifft den Punkt aber nicht ganz, denn in einer normalen Liga gibt es in der Regel 34 oder gar 38 Spieltage, und es ist nie so, dass fünf oder sechs Spieltage vor dem Ende schon alle wichtigen Entscheidungen gefallen sind. Entscheidungen, Plural. Denn in einer normalen Liga geht es um den Meistertitel, die Qualifikation für verschiedene europäische Wettbewerbe und den Klassenerhalt. In einer Champions League-Gruppe aber nur um das Weiterkommen ins Achtelfinale, in dem der Wettbewerb erst so richtig losgeht.
Warum sind nun die Champions League-Gruppen so früh entschieden? Einerseits liegt das daran, dass die Setzliste größtenteils verhindert, dass die allerbesten Teams in der Hinrunde überhaupt gegeneinander spielen können. Man stelle sich eine Bundesliga vor, in der dem Meister garantiert wird, dass er gegen die sieben nächstbesten Mannschaften für ein halbes Jahr gar nicht spielen muss. Das ist nach Maßgaben der Attraktivität und der Spannung ein Wahnsinn, aber da die Sicherheit der Einnahmen für die Clubs der UEFA über alles geht, auch über den Wettkampfgedanken, werden die besten Clubs auseinandergehalten, solange es geht.
Dazu kommt der Qualifikationsmodus, der vor einigen Jahren zugunsten der mittleren und kleineren Ligen verändert wurde, so dass etwas weniger Teams aus den Topligen und mehr Meister aus kleineren Nationen teilnehmen. An der Zusammensetzung des Achtelfinales ändert das am Ende nichts: Auch in der laufenden Saison steht schon jetzt fest, dass nur eine einzige Mannschaft von aus den großen fünf europäischen Ligen an einem Team aus einer kleineren Liga gescheitert ist: Entweder Chelsea oder Juventus werden in der Gruppe E ausscheiden, in der Shakhtar Donetsk bereits das Achtelfinale erreicht hat.
Dazu kommt der direkte Vergleich, der zwar im Prinzip kein schlechter Tiebreaker ist, in vielen Fällen aber verhindert, dass es am letzten Spieltag noch einmal spannend werden könnte. Nun wollen wir nicht sagen, dass es gar keine Spannung oder guten Fußball in der abgelaufenen Vorrunde gab. Die Spiele in der Dortmunder Gruppe hatten fast alle hohes Niveau und wurden dem Anspruch der Champions League gerecht. Auch die Spiele zwischen Juventus, Chelsea und Shakhtar waren hochklassig und sehr interessant.
Málaga begeisterte mit seinem Fußball in einer Gruppe, in der die Konkurrenz jedoch sehr enttäuschte und Milan nicht einmal wirklich gut spielen musste, um schon nach fünf Spielen ins Achtelfinale einzuziehen. Ansonsten gab es aber viele unansehnliche Begegnungen, etwa in der Gruppe H, wo Manchester United ohne Elan und oft mit Reservisten antrat und im Schongang ins Achtelfinale einzog.
Die oft gehörte Forderung, in der Champions League sollten "nur die Meister" spielen dürfen, würde, wenn umgesetzt, alles nur noch schlimmer machen, weil dann die Leistungsunterschiede noch größer wären und es noch weniger spannende Duelle gäbe. Wer glaubt, der Wettbewerb werde dann wieder besser, der übersieht den Umstand, dass in den 1980er Jahren der Bulgarische oder der Belgische Meister noch echte Chancen in Duellen mit dem Englischen oder dem Deutschen Meister hatten - nicht wegen des Modus in der Champions League, sondern, weil die Kommerzialisierung des Fußballs und das Bosman-Urteil noch nicht oder kaum erfolgt waren.
In diese Zeit führt aber kein realistischer Weg zurück, und sei es wegen der europäischen Rechtsprechung, die eben verhindert, dass 99 Prozent aller Dänen in der dänischen Liga spielen müssen. Da es Freiheit bei der Wahl des Arbeitsplatzes in Europa gibt, gibt es so auch eine Konzentration der Leistung in den Ländern, in denen das beste Geld verdient werden kann. Nun meinen wiederum Viele, es sei die Aufgabe der UEFA, per Umverteilung diese Leistungskonzentration zu kompensieren.
Einer von ihnen scheint Michel Platini zu sein. Wobei der UEFA-Präsident sicher nicht aus idealistischen Überzeugungen so denkt (schließlich verdiente er selbst sein Geld schon in den 1980er Jahren auch lieber in Italien), sondern, weil die Stimmen der kleineren Verbände ihn gewählt haben und ihn auch wiederwählen werden. Nur so ist sein neuester Vorstoß zu verstehen, mit dem er überlegt, die Europa League aufzulösen und in die Champions League zu überführen. Das zumindest wollte er im Interview mit der Zeitung Ouest-France nicht dementieren.





