Hans-Dieter Hermann warnt Pep Guardiola vor dem besonderen psychologischen Druck auf die DFB-Spieler
Hans-Dieter Hermann, Psychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, warnt den neuen Bayern-Trainer Pep Guardiola vor den Gefahren der Mission. "Das Besondere an der Situation ist, dass die Mannschaft mit Jupp Heynckes sehr erfolgreich war und sich nun, nach dem Gewinn des Triples, auf einen neuen Coach umstellen muss", sagte Hermann im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit (Ausgabe vom 20. Juni). Außerdem werde der Spanier, der am Montag in München präsentiert wird, "bei jeglicher Veränderung des Bestehenden, wenn nicht gleich souverän gewonnen wird, sofort am Vorgänger gemessen werden".
Kommunikation wichtig
Er würde ihm empfehlen, führte Hermann weiter aus, "sehr viel zu kommunizieren. Er sollte mit jedem Spieler einzeln sprechen, zuhören, ihn buchstäblich kennenlernen und so gegenseitiges Vertrauen aufbauen, aber nach allem, was ich gehört habe, ist Guardiola sehr klug und ohnehin kommunikativ." Guardiola werde das Feingefühl dafür haben, "nicht sofort alles umkrempeln zu wollen, sondern seine Vorstellungen Schritt für Schritt umzusetzen." Auch die Nationalspieler befänden sich ein Jahr vor der WM in Brasilien in einer besonderen Drucksituation: "Die Erwartungen an die Jungs sind riesig", meinte Hermann, "und sie sind in den letzten Jahren nochmals deutlich gestiegen." Entsprechend gebe es eine größere Nachfrage nach psychologischer Unterstützung.
Hype seit 2006 verstärkt Druck
"Mit dem Hype, der während der WM 2006 in Deutschland ausgelöst wurde und immer größer wird, hat der Druck auf die Spieler zugenommen - auch außerhalb des Stadions" sagte der Psychologe. Das habe maßgeblich mit der beschleunigten Verbreitung von Informationen über die Sozialen Netzwerke und das Internet zu tun. "Sich schnell verbreitende Unterstellungen, oft persönlich beleidigende Äußerungen gehen an den meisten Spielern nicht spurlos vorbei. Und an ihren Familien schon gar nicht", sagte er. Den Bayern-Spieler Thomas Müller bezeichnete Hermann indes als "Geschenk des Himmels" für jede Mannschaft. Er sei "offen und wirkt integrierend, auch außerhalb des Feldes. Er steckt viele im Team mit seiner unverkrampften, fröhlichen, positiven Art an. Gleichzeitig ist er wissbegierig, aber auch sensibel."