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DFB-Pokal: Angeschlagener Boxer statt Pokalgesetze

Zu den Kommentaren7 Kommentare   |   Quelle: sportal.de
12. Februar 2014, 10:30 Uhr
heiko westermann, tolgay arslan, hsv
Heiko Westermann und Tolgay Arslan können ihre Enttäuschung nicht verbergen

Mit dem FC Bayern München kommt im Viertelfinale des DFB-Pokals am Mittwochabend die derzeit wohl beste Mannschaft der Welt zum extrem krisengeschüttelten Hamburger SV. Bei den Hanseaten steht im Vorfeld alles andere als das Spiel selbst im Fokus.

Die Münchner dagegen üben sich im Warnen vor dem angeschlagenen Boxer. Die Ausgangslage vor dem Duell am Mittwochabend ist so vermeintlich eindeutig, dass die Münchner Verantwortlichen alle Hände voll zu tun hatten, um den Gegner stark zu reden. "Das wird viel schwerer als viele glauben. Die Hamburger wollen sich gegen uns rehabilitieren", warnte etwa Präsident Uli Hoeneß in der "Bild". Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fügte hinzu, dass das Spiel "kein Selbstläufer" werde.

 

Und obwohl nach Javi Martinez am Wochenende mit Bastian Schweinsteiger der nächste Rekonvaleszent in den Kader drängt, wollte auch Trainer Pep Guardiola von vermeintlich klaren Verhältnissen nichts wissen: "Sie wollen eine Reaktion zeigen gegen Bayern München. Es wäre der größte Fehler, wenn wir auf die Bundesliga-Tabelle schauen. Wir können keinen Titel gewinnen, aber einen verlieren. Sie haben zwar nicht so viel Selbstvertrauen, aber sie haben gute Qualität. Wir fangen bei 0:0 an."

Bayern: Englische Wochen beginnen

Spätestens damit dürfte klar sein, dass der Spanier keine B-Elf auf den Platz schicken wird. Vielmehr ist zu erwarten, dass Guardiola, der weiter auf Franck Ribery verzichten muss, einigen Stars am Samstag gegen den SC Freiburg eine Pause gönnt, ehe am Mittwoch das Champions-League-Duell beim FC Arsenal ansteht.

Doch der Titelverteidiger ist in dieser Saison national, abgesehen vom Liga-Cup, ungeschlagen und kassierte wettbewerbsübergreifend in den letzten sieben Auswärtsspielen nur zwei Gegentore. Daher waren zumindest die Spieler zu selbstbewussteren Aussagen bereit. "Wir wollen wie in den letzten Jahren mit aller Macht nach Berlin", forderte Thomas Müller und Arjen Robben stellte klar, dass die Münchner mit einem konzentrierten Auftritt "auch nicht verlieren" werden.

Für Toni Kroos könnte das Spiel derweil die Chance zur Rehabilitation sein. Der Mittelfeldmann war nach seiner Auswechslung im Nachholspiel gegen den VfB Stuttgart sichtlich wütend und schmorte prompt die letzten beiden Partien auf der Bank. "Es ist nicht das erste Mal, dass ein Spieler meine Entscheidungen kritisiert", erklärte Guardiola laut der "dpa", fügte aber hinzu: "Toni Kroos hat uns - nicht nur mir - schon sehr viel geholfen."

Absolutes Chaos in der Hansestadt

Zweifellos: Derartige Sorgen hätten sie beim HSV zurzeit gerne. Die letzten sechs Ligaspiele gingen für die Rothosen allesamt verloren, der Bundesliga-Dino ist Tabellenvorletzter. Nach dem jüngsten 0:3 gegen Hertha BSC, der dritten 0:3-Pleite hintereinander, brach endgültig Chaos aus. Der Aufsichtsrat tagte am Sonntag, blieb aber ohne Ergebnis und der vielerorts als abgesägt geglaubte Trainer Bert van Marwijk darf vorerst weitermachen.

Die Frage ist allerdings wie lange, denn Klub-Investor Michael Kühne hat in einer E-Mail, die dem "Hamburger Abendblatt" vorliegt, Felix Magath kontaktiert und um Hilfe gebeten. "Lieber Herr Magath, Geben Sie sich einen Ruck! Werden Sie Sportdirektor und Trainer beim HSV - dann wird alles gut", heißt es dort unter anderem. Auch eine  Entlassung des Vorstandes durch den Aufsichtsrat um Magath zu installieren ist noch nicht vom Tisch.

Van Marwijk konterte auf einer Pressekonferenz, auf der er ein dreiminütiges Statement gab und anschließend sofort wieder ging: "Was die letzten Tage hier passiert ist, ist neu für mich. Ich habe das Gefühl, der Verein zerstört sich selbst. Das ist unglaublich schade für einen so schönen Verein. Es ist ganz wichtig, jetzt mit einer Stimme zu sprechen und zusammenzuhalten. Das, was in den letzten Tagen passiert ist, ist das Gegenteil davon. Das macht es nicht einfach - auch für mich."

Pokalspiel als Nebensache

Die Situation beim HSV ist derart angespannt, dass das Pokalspiel zur Nebensache verkommen ist. Nicht einmal die Floskel um die eigenen Gesetze des Pokals bemühten die Verantwortlichen im Vorfeld und als ob die inneren Streitigkeiten nicht genug sind, steht am Samstag das Kellerduell mit Schlusslicht Eintracht Braunschweig auf dem Programm.

Van Marwijk versucht daher, mit hartem Durchgreifen seine Profis zu mobilisieren. Nachdem er das in der Mannschaft beliebte Fußball-Tennis aus dem Programm nahm, gibt es laut der "Bild" jetzt eine Ausgangssperre: Drei Tage vor jedem Spiel müssen die Spieler ab 21 Uhr zuhause sein. Immerhin: Personell gestaltet sich die Lage für den Niederländer vor seinem vielleicht letzten Spiel als HSV-Trainer etwas entspannter.

Stürmer Pierre-Michel Lasogga ist nach seinem Muskelfaserris zumindest als Joker dabei, Marcell Jansen (Wade) konnte das komplette Abschlusstraining absolvieren. Auch Jonathan Tah kehrt nach dem Ärger um die Veröffentlichung von Details aus seinem Vertrag zurück und wird wohl den desolaten Johan Djourou ersetzen. Ob das den Hamburgern hilft, die Warnungen aus München zu bestätigen, bleibt allerdings abzuwarten.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hamburg: Adler - Lam, Tah, Westermann, Jansen - Arslan, Badelj - John, van der Vaart, Ilicevic - Calhanoglu

Bayern: Neuer - Rafinha, J. Boateng, Dante, Alaba - Lahm - T. Müller, Thiago, T. Kroos, M. Götze - Mandzukic

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Autor: Adrian Bohrdt

zu "DFB-Pokal: Angeschlagener Boxer statt Pokalgesetze"
7 Kommentare
Letzter Kommentar:
fachmann schrieb am 12.02.2014 21:25
Wen interessieren denn Bayern Spielw noch? Einfach später nachschauen wie hoch es diesmal ausging langt völlig...
Ein Hoch auf die ach so tolle Bundesliga
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