Der Telegraph schreibt von einem "brutalen Bombardement", das die Fehde zwischen David Haye und Dereck Chisora beendet hat. Die "Piratenveranstaltung" wird aber auch kritisch hinterfragt. Die Quintessenz des Abends: David Haye fordert nun Vitali Klitschko.
Die englische Presse feiert David Haye. Vor fast genau einem Jahr war Haye noch der Feigling. Im Kampf gegen Wladimir Klitschko war er nur ausgewichen und weggelaufen. Nun ist er der Held der englischen Presse. "Wa-Haye!, schreibt die Sun. "David Haye hat in England Chisora zerschmettert, nun fordert er den Weltmeister Vitali Klitschko", heißt es dort weiter. "Ende gut, alles gut in East End", schreibt die BBC.
Haye und Chisora: Happy End im East End
Nachdem sich die Skandalboxer eine verbale Schlammschlacht vor dem Kampf geliefert hatten, wurde der Kampf sportlich fair geführt, am Ende lagen sich beide Boxer in den Armen. "Du wirst eines Tages Champion sein", hauchte Haye seinem angeblich so verhassten Kollegen noch im Ring ins Ohr. Auf der Pressekonferenz sagte Haye, er habe "neuen Respekt" für seinen Gegner Chisora gefunden.
Hayes brutales Bombardement
Der Telegraph stellt fest: "Hayes brutales Bombardement beendet die Fehde mit Chisora" und fügt hinzu, "dieses Mal brauchte Haye keine Kamerastative oder Glasflaschen", um Chisora zu schlagen. Haye selber sagte: "Dies war einer der besten britischen Boxkämpfe der letzten Jahre. Die Zeitung merkt auch kritisch an, dass der britische Boxverband vor einem langen Weg steht, um seine Autorität wiederherzustellen. Haye (ohne Lizenz) und Chisora (gesperrt) hatten diese untergraben, indem sie mit einer luxemburgischen Lizenz boxten.
Auch The Independent sieht jetzt die Schwierigkeit beim britischen Verband, der irgendwie mit dieser "Piratenveranstaltung" umgehen muss. Zumindest die Differenzen der beiden Boxer wurden mit Schlaghärte im Ring ausgetragen. "Haye prahlt zurecht mit den Worten 'der beste Punch, den ich je geschlagen habe", heißt es dort.
Chisora glaubt, Haye schlägt Vitali Klitschko
Der Guardian zitiert David Haye selbst: "Ich habe eine Angst einflößende Nachricht an Vitali Klitschko gesendet, und um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass er noch gegen mich kämpfen will, nachdem er meine Leistung gesehen hat. Ich will jetzt keine voreiligen Entscheidungen treffen, aber ich denke, ja, ich will das Schwergewicht beherrschen und ich bin mir sehr sicher, dass ich Vitali schlagen würde."
Dereck Chisora hat die Niederlage nicht umgeworfen. "Ich bin nicht stolz auf meine Leistung, aber ich werde jetzt nicht in Depressionen verfallen." Zu einem möglichen Kampf von David Haye gegen Vitali Klitschko sagte er: "Ich glaube Vitali hört bald auf - aber David würde ihn schlagen." Während Haye-Trainer und Manager nach dem Kampf von einem Rematch mit Wladimir sprach, will David Haye gegen Vitali Klitschko antreten. "Wenn er gegen mich antreten will - ich bin bereit", sagte Haye in jedes verfügbare Mikrofon. Nach der Leistung von gestern machte er sich damit zumindest nicht lächerlich. Ganz anders als ein gewisser Manuel Charr.
Was jetzt keiner sehen will: Charr vs. Vitali Klitschko
Der soll im September in Moskau gegen Vitali Klitschko antreten. Charr forderte auf der Pressekonferenz nach dem Kampf David Haye auf, gegen ihn zu boxen. Zuvor wolle er Vitali Klitschko schlagen. Ein PR-Gag des unbekannten und völlig ungeeigneten nächsten Klitschko-Gegners. Jetzt will jeder Boxfan David Haye gegen Vitali Klitschko sehen und nichts Anderes. Der Spiegel titelte "Her mit Klitschko", die Süddeutsche Zeitung zitiert Haye im Titel "Vitali, ich bin hier!". Aber zunächst gibt es wohl Fallobst in Moskau statt Hayemaker vs. Iron Fist.
