Innerhalb einer Woche bekommen Spanien und die Fußball-Welt die nächsten beiden Clásicos serviert. Im Supercup treffen Real und Barcelona aufeinander, im Fokus stehen die Duelle zwischen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sowie der beiden Trainer.
Bemerkenswert ist zudem die offen zur Schau getragene Gelassenheit beider Teams, von den Sticheleien und der Unruhe der letzten Monate und Jahre will in Madrid und Barcelona niemand etwas wissen. Das Hinspiel steigt am heutigen Donnerstag im Nou Camp in Barcelona (22:30 Uhr live bei sportal.de), das Rückspiel dann eine Woche später (29. August, 22:30 Uhr live bei sportal.de) in Madrid.
Besondere Brisanz erhält das Spiel, da einen Tag nach dem zweiten Clásico der jungen Saison (mit Liga, Copa del Rey und Champions League können theoretisch sechs weitere Partien hinzukommen) Europas Fußballer des Jahres in Monaco bekanntgegeben wird. Den Titel machen Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Andres Iniesta unter sich aus.
Wer wird Europas Fußballer des Jahres: Messi oder Ronaldo?
Auf die Wahl haben die beiden Spiele zwar keinen Einfluss mehr, Messis Saisonstart war aber wesentlich besser als Ronaldos - und der Argentinier will auch in der Supercopa nachlegen. Im ersten Saisonspiel gegen Real Sociedad (5:1) erzielte Messi zwei Tore innerhalb von fünf Minuten, Ronaldo wirkte bei Reals 1:1 gegen Valencia dagegen eher wie ein Fremdkörper und gestand im Anschluss, noch nicht in Form zu sein.
Das will Real-Präsident Fiorentino Pérez aber nicht als Entschuldigung gelten lassen, er will die eigentlich eher unwichtige Supercopa unbedingt gewinnen. Pérez soll den Supercup nach Informationen der Zeitung El País sogar zur höchsten Priorität erklärt und ihm die gleiche Bedeutung zugemessen haben wie der Meisterschaft oder der Champions League.
Der Grund: Der Real-Boss will unbedingt verhindern, dass Barça beim Rückspiel in der kommenden Woche in der Heimstätte der Madrilenen einen Titelgewinn feiern kann. Außerdem wird es in Madrid nach einem 1:1 zum Saisonstart fast automatisch etwas unruhig, auch wenn die zweite Halbzeit gegen Valencia durchaus sehenswert war.
Die neue Harmonie: Kein Streit zwischen Real und Barça
Offiziell kein Thema soll mehr der Streit von Reals Coach José Mourinho mit Barcelonas neuem Trainer Tito Vilanova im letzten Supercup sein. Vilanova war damals noch Assistent von Pep Guardiola und bei einer Rangelei am Spielfeldrand landete plötzlich Mourinhos Finger in dessen Auge. Vilanova wurde dadurch erstmals von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen.
Vilanova selbst, bei Barça inzwischen zum Cheftrainer aufgestiegen, möchte von der Mourinho-Attacke am liebsten nichts mehr wissen. "Ich bin es leid, darüber zu sprechen", sagte er. "Die Bilder werden bleiben, und das ist die schlimmste Strafe."
Mourinho, der vom Verband zunächst für zwei Spiele gesperrt, später aber begnadigt worden war, ließ sich mit einer Entschuldigung elf Monate Zeit. "Das hätte ich nicht tun dürfen, das war mein Fehler", räumte er kürzlich ein. Nicht nur die Trainer haben sich also längst wieder versöhnt, auch zwischen den Erzrivalen Real und Barça herrscht eine ungewöhnlich friedliche Atmosphäre. Niemand sagt ein schlechtes Wort über die Gegenseite. Im Gegenteil: Als Reals Verteidiger Pepe gegen Valencia mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus musste, wünschte Barça-Profi Gerard Piqué ihm eine rasche Genesung. Die EM, bei der die Stars von Real und Barcelona gemeinsam den Titel holten, wirkt noch nach - wahrscheinlich aber nur bis heute Abend.
